| < zurück | |
| Tierwelt | |
Canis familiaris
Canidae, Hunde
Der wohl älteste Begleiter des Menschen ist auch in der Mythologie häufig vertreten. Weiter spielt der Abkömmling des Wolfes im Volks- und Aberglauben seine Rolle. Das hohe Alter des Haustiers belegen die in den indoeuropäischen Sprachen ähnlich lautenden Wörter für dieses Tier: gr. kyon, lat. canis, dt. Hund, frz. chien gehen sämtlich auf eine gemeinsame sprachliche Wurzel zurück. Schon mesopotamische Keilschrifttexte aus der Zeit 4.000 v. berichten vom Hund, die Antike weiß bereits von etlichen Hunderassen und der Hund war ein weithin beliebtes Haustier, man denke nur an den Aktaios mit seinen vielen Hunden oder an Odysseus, den nach langen Jahren sein Hund Argos freudig begrüßt, wie es HOMER anrührend besingt (Odyssee, 17.291-327). Auch die in der Gegenwart übertriebene Liebe zu Schoßhündchen gab es bereits im Altertum, nicht ungewöhnlich war die Beisetzung gestorbener Hunde im Familiengrab, es gab auch schon Blindenhunde.
Das Verhalten dieses Tieres erlaubt dem Abergläubischen Rückschlüsse auf die Entwicklung des Wetters. So weist eine nasse Schnauze auf sonniges Wetter hin. Frißt der Hund Gras, wird es regnen, frißt er Schnee oder wälzt sich darin, so steht Tauwetter bevor.
Glück verheißt es, wenn einem ein unbekannter Hund nachfolgt. Einen schwarzen Hund, besonders einen Pudel, lässt man in der Johannisnacht den Alraun aus dem Boden ziehen, um selbst vor dem todbringenden Schrei der Wurzel verschont zu bleiben. Überhaupt kann der Hund mit seiner ausgebildeten Witterung übersinnliches Wahrnehmen. Verspürt er die Präsenz von Geistern, so drängt sich der Hund angstvoll an sein Herrchen, jault er klagend, steht ein Todesfall bevor.
Hunde und ihre Verwandten, Wölfe und Schakale, sind im Mythos verbreitet mit dem Totenreich verbunden. So kennen Nordgermanen wie Griechen die Wachhunde Garm bzw. Kerberos am Tor zur Unterwelt. Der ägyptische Totengeleiter Anubis wird in menschlicher Gestalt mit Hunde- oder Schakalkopf dargestellt.
Der Teufel soll nach Angaben der Hexenverfolger in Gestalt eines schwarzen Hundes die Hexensabbate geleitet haben. Das mag an die vorgenannten religiösen Vorstellungen anknüpfen, der Hund war oft als Begleiter des Gehörnten Gottes gedacht.
Die baltischen Litauer kannten die Wald- und Fruchtbarkeitsgöttin Zverine, der als Hundegöttin geopfert wurde.
Der Totengott Anubis wird mit dem Kopf eines Hundes bzw. Schakals dargestellt (kynocepal - hundeköpfig).
Der Hund war eines der dem Schöpfergott Ohrmazd heiligen Tiere.
Den Orion begleiten zwei Jagdhunde, Procyon und Sirius.
Als der Jäger Aktaion die Artemis heimlich beim Bade beobachtete, vieleicht sogar versuchte, sie zu vergewaltigen oder auch nur ihr die Gaben vom Altar stahl, verwandelte die Göttin ihn in einen Hirsch, der von seinen eigenen Jagdhunden in Stücke gerissen wurde.
Der Höllenhund Kerberos bewacht den Eingang in den Hades.
Auch der Ikarios besaß einen Hund namens Maira, der seine Tochter zu seinem Leichnam führte.
Verschiedenorts wurden dem Ares Enylaios Hunde geopfert.
Ein zweiköpfiger Hund namens Orth(r)us hütete die Rinder des Geryon und war mit der Chimäre Vater der Sphinx.
Der Hund war das bevorzugte Opfertier der Hekate.
Im klassischen Altertum kannte man eine große Zahl von Tiergräbern, die (...) als Überreste alten Tierkults zu betrachten sind. (...) Das bekannteste derartige Grab, das chynòs sähma auf dem thrakischen Chersones, galt als Ruhestätte der in einen Hund verwandelten Hekate. (MENGIS i. Handwörterbuch VIII, 861f.)
Der Finn kann sich in einen Hirsch, Menschen oder Hund verwandeln, wenn er seine Kappe dreht.
Garm heißt der Hund der Hel.
Er gilt als erster aller Hunde (Edda, Grimnismal 44).
Als Odin, getarnt als Grimnir, seinen Schützling, den König Geirröd besucht, drängen sich dessen Hunde angstvoll an ihren Herrn, denn Grimnir erscheint mit dem blauen Mantel des Zauberers, den die Hunde fürchten (Edda, Grimnismal).
Fru Gode soll in den Zwölften in Begleitung ihrer kleinen Hunde unter lautem Gejuche umherziehen, mancher sei ihr dabei begegnet. (KUHN u. SCHWARTZ, S. 2)
Große Hunde, denen beim Bellen Feuer aus Mund und Nase tritt, begleiten die alte Frick. (KUHN u. SCHWARTZ, 70)
In Moorhausmoor hieß es: In den Zwölften jagt der Helljäger auf der Erde, zu anderer Zeit zieht er durch die Luft; darum muß man dann Abends frühzeitig die Thüren schließen, sonst laufen drei Hunde in’s Haus, die bis zu den nächsten Zwölften liegen bleiben. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 253)
Der Hund frißt wieder, was er gespieen hat. (2. Petrus 2,22)
Der hl. Christopherus wird in östlichen Traditionen hundeköpfig dargestellt, ähnlich z. B. ägyptischen Tiergöttern.
Ein Schutzheiliger der Hunde ist Rupert von Salzburg.
Den Hund als Abwehr von Ungemach kennt man auch in Indien. In Ostindien wurde im Juni 2003 ein neunjähriges Mädchen mit einem streunenden Hund verheiratet. Das soll nach Glauben ihres Stammes Unheil abwehren, das dem Mädchen drohe, nachdem ihr aus dem Oberkiefer der erste Milchzahn gewachsen war. Später werde das Mädchen aber eine normale Ehe mit einem Mann eingehen können (afp unter Berufung auf die ind. Nachrichtenagentur PTI, Elmshorner Nachrichten, 19 Juni 2003). Anlaß der Zeremonie war der erste Milchzahn des Kindes.
Die Gestalt eines Hundes, bevorzugt ein schwarzer Pudel, sollte gern der Hausgeist der Hexen annehmen.
Zum Zwecke der Totenbeschwörung soll der Nekromant sich zuvor einige Zeit ausschließlich von Hundefleisch und Brot ernähren.
Die Richtung in die der Hund heult, daher wird die nächste Leiche getragen (GRIMM, A. 1112). Auch als Hochzeitsorakel dient der Hund: auf Andreasabend achten die mägde, woher die hunde bellen: aus dieser richtung kommt ihr bräutigam. (GRIMM, A. 964)
Ein Aberglaube aus dem Württembergischen besagt: wer den daumen einschlägt, kann nicht von hunden gebissen werden. (GRIMM, A. 666)
In der Chemnitzer Rockenphilosophie heißt es: heult ein hund in der christnacht, wird er selbiges jahr thöricht. (GRIMM, A. 67) Allgemein wird dort das Hundegeheul als Unglückszeichen erwähnt. (ebd., A. 59)
Der Hund gilt als geeignetes Tier, um auf ihn auf dem Wege der Approximation (lat., Annäherung) die eigenen Krankheiten zu übertragen.
Die Stellen, wo die Krätze auftritt, soll man von einem Hunde belecken lassen. (Praktika des täglichen Lebens, 315)
Bei Fieber soll man einem Hunde einen Napf mit süßer Milch vorsetzen und sprechen: Prosit Hund, du krank und ich gesund! Der Hund trinkt von der Milch, anschließend nimmt man selbst einen Schluck und so wird dreimal gewechselt, dann sei man seines Fiebers ledig, das dann den Hund plage. Oder man kaut Butterbrot, das dann dem Hund gegeben wird. Man soll auch einen Hund oder eine Katze einfach mit ins Bett nehmen, das Fieber wechsele dann zum Tier über (Das sechste und siebente Buch Mosis, 299).
Hundebisse, auch die durch tollwütige Hunde verursachten, sollen heilen, wenn man Haare des Hundes auflegt oder die Stelle damit räuchert. So jedenfalls die Empfehlung des Magisch-sympathetischen Hausschatzes. (Das sechste und siebente Buch Mosis, 37)
Das Werk empfiehlt an gleicher Stelle, tollwütigen Hunden mit magischen Buchstabenformeln (besonders der Sator-Formel) beschriftestes Papier mit Brot zu fressen zu geben (ebd.), andernorts heißt es, die durch den Hundebiß verursachte Wunde heile nur dann völlig ab, wenn die Räucherung mit dem Hundehaar vorgenommen wird (ebd., 41).
In einem Rezeptbüchlein für den armen Mann heißt es, von der Gelbsucht werde man geheilt, wenn man eines wütenden Hundes Kopf, gestoßen und vermischt mit Honig einnimmt. (zit. n. LOREY, 168)
Siehe auch den schwarzen Hund.
Ehefrauen und Freunde sollten sich hüten, daß ihnen kein Hund durch die Beine oder zwischen ihnen durch läuft:
läuft der frau ein hund durch die beine, schlägt sie der mann. (GRIMM, A. 206)
läuft ein hund zwischen ein paar freunden hindurch, so wird die freundschaft getrennt (ebd., A. 213)
wenn auf der hochzeit die hunde sich beißen, schlagen die eheleute einander. (GRIMM, A. 433)
Hunde gelten als sensitive Tiere, die nach Möglichkeit durch Erdstrahlen hervorgerufene Reizzonen meiden (GRÜN, 160). Es heißt auch: Reizstreifenmelder unter den Tieren sind: Hunde und Störche. (SCHRÖDTER, 46)
Der geprügelte Hund ist kein Hund, der Schläge bezogen hat. Vielmehr bezieht sich der Begriff auf den Prügel (also einen kräftigen Stock), den man dem Hund um den Hals band um ihn so vom schnellen Lauf und damit vom Jagen abzuhalten.
Wenn ein neugeborenes Kind im Hause ist, dürfen nicht zugleich junge Hunde oder Katzen aufgezogen werden, sonst sirbt entweder das Kind oder eins der Thiere, warnte man in Stendal. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 274)
wer ein messer kauft, gebe den ersten damit geschnittnen bissen dem hunde zu fressen, so verliert er das messer nie. (GRIMM, A. 799)
Ein hilfreicher Hund war das Hündlein von Bretta.