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| Tierwelt - Lurche | |
Bufo
Bufonidae (Kröten)
Als Kröten bezeichnet man recht plump gebaute, meist dämmerungs- bis nachtaktive Froschlurche mit warziger Haut und recht kurzen Beinen, die anders als die eigentlichen Frösche sich nicht hüpfend, sondern schreitend fortbewegen. Die in Europa größtte und häufigste Kröte ist die Erdkröte (Bufo bufo), andere sind Kreuzkröte (Bufo calamita) und Wechselkröte (Bufo viridis). Bekannt ist die Heimattreue der Kröten, die zum Laichen stets ihr heimatliches Gewässer aufsuchen und dafür auch lange und gefahrvolle Wanderungen auf sich nehmen.
Auch als Kröten bezeichnet werden die Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans) und die Knoblauchkröte (Pelobates fuscus), die aber anderen Familien innerhalb der Ordnung der Froschlurche angehören. Im Äußeren ähnlich sind auch die Unken.
Alle Kröten sind possierliche, für den Menschen harmlose und überaus nützliche Tiere, die wo immer möglich erhalten und gefördert werden sollten. Eine Ausnahme stellt allein die aus Amerika eingeschleppte Riesenkröte (Bufo marinus) dar, die in Ermangelung natürlicher Feinde und wegen ihrer enormern Vermehrungskraft mancherorts zu einer Bedrohung der heimischen Tierwelt und insbesondere der Lurchfauna geworden ist.
Die Haut der Kröten enthält ein sehr giftiges Sekret. In Nordamerika gibt es Krötenarten, deren Hautgift psychoaktiv wirkt und die darum von Liebhabern derartiger Räusche gefangen und abgeleckt werden. Den Tieren selbst schadet diese Vorliebe, abgesehen vom erlittenem Schrecken, nicht. Ob auch die hiesigen Kröten als Droge trauen ist ungewiß, jedenfalls sollte besonders bei der Erdkröte Vorsicht geboten sein, da ihr Hautgift recht stark ist. Die Tierschutzgesetzgebung verbietet ohnehin das unnötige Stressen jeglicher Kreatur.
Als giftiges Zaubertier ähnelt die Kröte in Überlieferung und Volksglauben der Schlange.
Im Kopf der Kröte soll sich der sogenannte Krötenstein befinden.
Weil Kröten angeblich gern auf Schwämmen und Pilzen sitzen, nennt man den Schwamm Krötenstuhl, engl. toadstool, nnl. paddestoel, nd. paddenstol, ein Pilz wird Weißkrötling genannt. (n. GRIMM, N. 199)
In Österreich nennt man Kröten außer Krot Hepping, Braitling, Nöting, Brotze, Auke, in Bayern heißt das Männchen Braste, Broz oder Bratz, das Weibchen Höppin, heppin oder Muml. Heppin ist auch verächterlicher Ausdruck für Weibsleute. (n. GRIMM, N. 199)
Eine Frau Kröte soll dereinst den Fürsten von Anhalt einen Ring übereignet haben, der ihrem Ausspruch zufolge der fürstlichen Familie das Glück wahre, solange die den Ring behalte (KUHN u. SCHWARZ Anm. 9, S. 468).
Eine aus Wollin überlieferte Sage weiß von dem alten Schloß, das nahe Groß-Stepenitz am Stettiner Haff liegt, daß darin einst eine Prinzessin gewohnt habe, der es verboten war, sich weiter als eine Meile vom Schloß zu entfernen. Einmal tat sie das aber doch, woraufhin es einen fürchterlichen Knall gab und das Schloß von oben bis unten geborsten war, vovon der später noch erkennbare Riß quer im Gemäuer rührte. Die Prinzessin selbst wurde in eine dicke Kröte verwandelt, welche seither in einem der Zimmer des Schlosses auf Erlösung wartet. (n. KUHN u. SCHWARTZ, S. 9)
In Gestalt einer Kröte sollen gern die Unterirdischen auftreten, also Alben, Zwerge und dergleichen Koboldvolk. Wenn in den Zwölfnächten die Göttin Holda (oder Bertha) umherzieht, soll sie denen, die ihre Gebote übertreten, Frösche und Kröten ins Haus schicken. Die Göttin selbst soll zuweilen als Kröte auftreten (vgl. KUHN u. SCHWARZ Anm. 9, S 468).
Mit einem Pulver aus der Asche einer Kröte soll durch Beschütten Ausschlag an Hände und Füße gehext werden können. (FRISCHBIER, 5)
Ein Erntebrauch ist die Flachskröte, vielleicht Überbleibsel eines der Holda geltenden Opfer.
Eine Kröte im Keller bringt Glück. (Magisch-sympathetischer Hausschatz, 140)
Mancherorts hieß es, wer in den Zwölfen spinne, spinne sich Kröten ins Haus. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 153)
Die Redewendung die paar Kröten für eine unbedeutende Summe Geldes bezieht sich nicht auf die Froschlurche, sondern auf den niederdeutschen Ausdruck Groten (Groschen), der eine geringwertige Münze bezeichnet (KRÜGER-LORENZEN, 168).