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 Tierwelt
 
 

Der Lintwurm

(oder Lindwurm) Ein dem Drachen ähnliches Ungeheuer der germanischen Sage, das Schätze bewacht.

Der bekannteste Lintwurm ist wohl der Lintwurm der Siegfried-Sage, der den Hort der Nibelungen hütete und von Siegfried erschlagen wurde. In der nordischen Edda erscheint dieser Lintwurm als Fafnir, der ein in ein solches Untier verwandelter Mensch war.

JAKOB GRIMM unterscheidet den geflügelten Drachen vom ungeflügelten Lintwurm.

Der Begriff Lintwurm stamme nicht von „Linde” (Tilia) sondern beziehe sich auf das als althochdeutsche Wort lint, dem GRIMM die Bedeutung „Glanz” oder „Schönheit” beimisst — so sei auch erklärlich, daß viele Frauennamen (Sigilint, Sieglinde, Gerlinde) die Silbe enthalten (Deutsche Mythologie, II. S. 537).
Bei S. FISCHER-RIZZI findet sich eine gemeinsame Ableitung des Namens der Baumart Linde und dem Begriff Lindwurm. Gemeinsame Wurzel beider Begriffe sei die indogermanische Wurzel lento-s, „biegsam”. Sowohl der zwar ungeflügelte, dafür aber auf der Erde umso geschmeidigere Lindwurm, als auch das weiche („linde”) Geäst des Lindenbaums verdiene diese Bezeichnung (Blätter von Bäumen, S., 137).

In jüngeren Darstellungen verliert sich die Unterscheidung zwischen ungeflügeltem Lintwurm und geflügeltem Drachen und diese Wesen werden in der Regel mit Flügel dargestellt.

In der Sage um König Ortnit sind es zwei unförmige riesige Eier, die von der Riesin Ruotze bebrütet wurden. Diese Eier waren als Geschenk an den Hof des Ortnit gelangt und wurden als Eier der „abrahamschen Wunderkröte” ausgegeben, aus denen hilfreiche Wundertiere schlüpfen sollten und in denen ein „herrlicher Krötenstein” zu finden sei — tatsächlich schlüpften aus den Eiern zwei Lindwürmer, vor denen später selbst die brütende Riesin fliehen mußten.