Das Schwarze Netz - zum Anfang< zurück
 Tierwelt - Insekten
 
 

Der Maikäfer

Melolontha vulgaris Waldmaikäfer und
Melolontha melolontha (Linnaeus, 1758) Feldmaikäfer

Ein zur Klasse der Insekten gehörender Käfer, der zu den beliebtesten und volkstümlichsten europäischen Kerfen gehört.
Der Maikäfer wird etwa 25 bis 30 mm lang und kommt, siehe Name, im Mai aus der Erde hervor und beginnt sein nur wenige Wochen währendes Dasein als ausgewachsenes Insekt. Zuvor verbrachte er lange Zeit als wurmartiger Engerling im Erdboden, ehe er im Sommer des dritten Jahres zur Puppe wird und im Folgejahr ausschwärmt, so daß seine Entwicklung gewöhnliche vier, in wärmeren Gefilden auch nur drei Jahre dauert.

Bei massenhaften Auftreten — aufgrund der Entwicklung ist jedes vierte Jahr ein Maikäferjahr — ist der Maikäfer, wie auch seine gefräßigen Engerlinge, ein gefürchtetes Tier, das ganze Waldungen kahlfressen kann. (n. Schmeil: Leitfaden der Tierkunde, 2. Druck d. 169. Aufl, Heidelberg 1949, S 224)
Maikäfer aus Kunststoff.
Maikäfer aus Kunststoff.

 
Wo darunter Land- und Gartenbau leiden, tröstet nachstehendes Rezept über den Verlust hinweg:

Maikäfersuppe

„Man fängt die Maikäfer, von denen man 30 Stück auf eine Portion nehmen kann, frisch ein, tötet sie, löst ihnen die hornartigen Flügeldecken ab und zerstößt sie, nachdem sie sorgfältig gewaschen, in einem Mörser. Dann thut man ein gutes Stück Butter in eine Kasserole, und wenn dieselbe steigt, die gestoßene Masse hinein und lässt sie ¼ Stunde darin rösten. Dann giebt man leichte Bouillon darauf, am besten Kalbfleischbrühe und lässt sie ½ Stunde damit kochen. Wenn dieselbe durch ein Sieb gegossen, schwitzt man 2 Löffel Mehl in Butter, giebt es zur Suppe, lässt diese damit glatt kochen und zieht sie kurz vor dem Anrichten mit einigen Eidotter ab. *)

*) Wenn man nur leichte Bouillon zu dieser Suppe nimmt, wird dieselbe doch durch die Maikäfer kräftig und wohlschmeckend, so dass man nicht versäumen sollte, in der Jahreszeit, wo es Maikäfer giebt, dieselben auszunutzen. Warum man vor dem nicht unschönen Maikäfer bisher Abscheu empfand, ist nicht erklärlich, da man doch Krebse verspeist, die weniger appetitlich aussehen.

Maikäfersuppe ist der Krebssuppe ähnlich, nur kräftiger und wohlschmeckender.”

 

Jeder weiß was so ein Mai-
Käfer für ein Vogel sei.
In den Bäumen hin und her
Fliegt und kriecht und krabbelt er.

 

Schon faßt einer, der voran,
Onkel Fritzens Nase an.

W. Busch, Max und Moritz,
Fünfter Streich.

 
 
Aus: „Bertha Heydens Kochbuch oder gründliche Anweisung, einfache und feine Speisen mit möglichster Sparsamkeit zuzubereiten, unter besonderer Berücksichtigung der Fortschritte, die in der Chemie gemacht sind.” 18. Auflage; leider kein Jahr des Drucks angegeben. Erstauflage von 1880.

 

Der Maikäfer eignet sich überdies — siehe Illustrationen — für manchen Schabernack.

 

Ernster ist die Anwendung des Maikäfers in der Medizin:
„Die Käfer und Engerlinge galten .... als nervenstärkendes Mittel.” (SCHIMTSCHEK, 1)

Auch zur Mast von Schweinen wurden Maikäfer verwendet. Das an sich wertvolle Futter soll allerdings in hoher Dosierung dem Rotlauf ähnliche Hautausschlage und Temperaturerhöhung verursachen (ebd., 10).

 

Aus dem Frühlingsbrauchtum zu Berlin heißt es:

„Sobald die ersten Boten des Frühlings kommen, geht die Jugend in Berlin hinaus vor’s Thor und holt Maikäfer und Kuhblumen; beide werden für Stecknadeln verhandelt. Die Maikäfer läßt man wieder fliegen, indem man singt:

  Maikäferchen fliege,
  Dein Vater ist im Kriege,
  Deine Mutter ist in Pommerland,
  Pommerland ist abgebrannt!
  Maikäferchen fliege.” (KUHN u. SCHWARTZ, G. 29)

 

Maikäfer sollen keinen Mohn mögen. Fressen die Engerlinge des Maikäfers Mohnwurzeln, so sollen sie daran sterben. (SCHRÖDTER, 25)

 

„Wenn man einem Maikäfer den Kopf abbeißt, so ist einem das Glück hold.” (Magisch-sympathetischer Hausschatz, 140)