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| Tiere / Pflanzen / Steine | |
(Naturkundler) Eine besonders im Mittelalter vielgelesene, zuerst um 300 n. Chr. in Alexandrien verfaßte Schrift, die sich mit Tieren, Pflanzen und Steinen befaßt. Der Physiologus ist weniger eine Naturgeschichte als vielmehr eine Sammlung christlich-allegorischer Deutungen der belebten Welt zur Illustration des Glaubens. Dabei sind außer zoologisch beschriebenen Arten auch eine Reihe von Fabelwesen wie Einhorn, Phönix oder Sirenen beschrieben.
Der unbekannte Verfasser des Pyhysiologus stützte sich auf antike Naturlehre, hebräische Tiersymbolik und besonders altägyptischer Mythen, möglicherweise heilige Tierbücher der ägyptischen Priesterschaft. Was an Tier, Pflanze oder Stein besonders bemerkenswert erschien wurde als Hinweis auf christliche Heilslehre gedeutet. So weist der seiner Asche entsteigende Phönix auf Erlösung und Auferstehung, der vermehrungsfreudige Wildesel auf den Teufel, ebenso der der den Menschen gewissermaßen karikierende unverständige Affe.
Das Werk erfuhr in zahlreichen Bearbeitungen und Ausgaben eine enorme Verbreitung, die im Mittelalter nur von der Bibel übertroffen wurd. Daran änderte auch ein frühes Verbot durch päpstliches Dekret nichts (Gelasius I., 494), schon ein Jahrhundert später empfahl Papst Gregor (590 bis 604) die Verwendung des Physiologus als Lehr- und Hilfsmittel für Priesterbildung und Predigt. Etliche der teils befremdlichen Ansichten über die Natur wurzeln in den im Physiologus enthaltenen allegorisch-spekulativen Deutungen, die vielfach erheblich von neuzeitlicher Naturwissenschaft abweichen.