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 Tierwelt
 
 

Das Schaf, das Lamm und der Widder

Lamm und Taube sind die einzigen Tiergestalten, die dem Teufel als Tiergestalt verwehrt sind. Beide Tiere sind im Christentum von herausragender Bedeutung, Jesus Christus wird als „Lamm Gottes” bezeichnet, verbreitet ist das Bild des Geistlichen als Hirte seiner Schäfchen.

Die Blödheit des Schafes ist sprichwörtlich. Widerstandslos läßt sich das Opferlamm zum Altar führen. Es war im ganzen Mittelmeerraum ein bevorzugtes Opfertier.

Beim Taurobolium setzte sich der Gläubige in eine Grube. Über ihm wurde ein Widder (oder Stier) geschlachtet, und das Blut floß auf den darunter befindlichen.

 

Sammlung zum Schaf:

 

Alt-Ägypten

Den Amun als alten Schöpfergott stellte man mit Widderkopf bzw. Widderhörnern dar (vgl. Ammons-Horn).

 

Griechische Mythologie

Als die Olympier vor dem ungeheuren Typhon fliehen, verwandelt sich Zeus in einen Widder.

Dem Widder Chrysomele gehörte einst das Goldene Vlies.

Einen schwarzen Widder opferte und schlief auf dessen Haut, wer den Seher Kalchas an dessen Orakelstätte befragen wollte.

Als Schutzgott der Schafe galt den Griechen der Pan.

 

Bibel und Christentum

In christlicher Darstellung erscheint Abel als erster Märtyrer mit einem Lamm.

Als Symbol der Unschuld und Geduld ist das Agnus Dei („Lamm Gottes”) seit dem 4. Jahrhundert Sinnbild Christi.

Schutzpatron der Schafe und Lämmer ist Johannes der Täufer, der den Begriff vom „Lamm Gottes” prägte (Johannes 1,29).

Der Dämon Asmodi hat drei Häupter, den eines Stiers, den eines Menschen und den eines Widders.

Weil die Heilige Agnes ihren Eltern mit einem Lamm erschienen sein soll, gab man ihrem Tag (21. Januar) den Schafen besonders reichlich Futter.

 
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Sternenkunde

Widder ist Sternbild und eines der Sternbild Tierkreiszeichen.

Bedingt durch die Präzession verschieben sich — von der Erde aus gesehen — die Sternbilder allmählich entlang der Ekliptik, so daß alle 2.100 Jahre ein anderes Sternbild des Tierkreises zum Frühlingszeitpunkt bestimmend ist. Das jeweilige Tierkreiszeichen soll auf seine Epoche, die Weltzeitalter, bestimmend wirken. Von 2250 bis 150 v. Chr. war das bestimmende Zeichen der Widder. In dieser Zeit soll der Mensch von einer Aufbruchsstimmung beseelt gewesen sein, was sich in zahllosen Eroberungszügen zu Lande und zu Wasser zeige, außerdem in geistig-intellektuellem Aufbruch (BETZ, 219).

 

Volks- und Aberglaube

Die Wolle des Schafes soll das Glück anziehen und Kranheiten hemmen. So verheiße es eine glückliche Ehe, wenn die Braut etwas Wolle an die Tür der ehelichen Wohnung befestigte.

Schafe soll man bei zunehmendem Monde scheren, weil die Wolle dann saftiger sei (Das 6. und 7. Buch Mose, 57).

„unwillkommener gast ist, wem unterwegs eine herde säue begegnet, willkommener, wem eine herde schafe.” (aus Westfalen, n. GRIMM, A. 882, ähnlich aus Stendal b. KUHN u. SCHWARTZ, C. 468).
Vergleichbar sieht es auch der Magisch-sympathetische Hausschatz: „Die erste Begegnung (nach dem Ausgange aus dem Hause) von Schafen ist glückverheißend, namentlich, wenn es mehrere sind und sie zur Rechten gehen.” (121)

Schafe bringen aber nicht nur gute Vorzeichen: Wenn ein Schaf drei schwarze Lämmer gebiert, so muß jemand im Hause des Eigentümers sterben, heißt es im Magisch-sympathetischen Hausschatz (121)

 

Aus dem Samland ist die Sitte überliefert, am Silvesterabend um Mitternacht in den Schafstall zu gehen und — im Dunkeln natürlich — nach einem Schaf zu greifen. Bekommt das Mädchen bei diesem Hochzeitsorakel ein Mutterschaf zu fassen, wird es vorerst mit der Heirat nichts, wohl aber, wenn es sich um einen Hammel oder gar Bock handelt. (FRISCHBIER, 163)

 

Schafe als Wetterzeiger

„Wenn man im Oktober die Schafe mit
Gewalt eintreiben muß, so fällt im Winter viel Schnee.”

Laut Abt Knauer („Hundertjähriger Kalender”) gibt es Regen, „wenn die Schafe springen, einander mit den Köpfen stoßen, sich früh auf die Weide machen, im Heimgehen oft Gras fressen und ungern im Stall wohnen.” In Norddeutschland heißt es ähnlich: „De ulln Schaap hebbt sik so stött un springen, wi kriegt wer Regen”, auf Hochdeutsch: „Die alten Schafe sind so störrisch und springen, wir bekommen wieder Regen”, zit. n. Wie’s Wetter wird 3, 33).

 

Siehe auch Bock.

 

Das Schaf in der Fabel

Das Lamm und der Wolf

Ein Lämmchen löschte an einem Bache seinen Durst. Fern von ihm, aber näher der Quelle, tat ein Wolf das gleiche. Kaum erblickte er das Lämmchen, so schrie er: "Warum trübst du mir das Wasser, das ich trinken will?" "Wie wäre das möglich", erwiderte schüchtern das Lämmchen, "ich stehe hier unten und du so weit oben; das Wasser fließt ja von dir zu mir; glaube mir, es kam mir nie in den Sinn, dir etwas Böses zu tun!" "Ei, sieh doch! Du machst es gerade, wie dein Vater vor sechs Monaten; ich erinnere mich noch sehr wohl, daß auch du dabei warst, aber glücklich entkamst, als ich ihm für sein Schmähen das Fell abzog!" "Ach, Herr!" flehte das zitternde Lämmchen, "ich bin ja erst vier Wochen alt und kannte meinen Vater gar nicht, so lange ist er schon tot; wie soll ich denn für ihn büßen." "Du Unverschämter!" so endigt der Wolf mit erheuchelter Wut, indem er die Zähne fletschte. "Tot oder nicht tot, weiß ich doch, daß euer ganzes Geschlecht mich hasset, und dafür muß ich mich rächen." Ohne weitere Umstände zu machen, zerriß er das Lämmchen und verschlang es.

Das Gewissen regt sich selbst bei dem größten Bösewichte;
er sucht doch nach Vorwand, um dasselbe damit bei
Begehung seiner Schlechtigkeiten zu beschwichtigen.

Der Löwe mit anderen Tieren auf der Jagd

Der Löwe, ein Schaf und andere Tiere gingen zusammen auf die Jagd. Der Löwe schwur, er wolle nach ihrer Zurückkunft alles Erbeutete mit ihnen redlich teilen. Als nun ein Hirsch in einem Sumpfe steckenblieb, wo gerade das Schaf Wache hielt, meldete dieses dem Löwen den Vorfall. Der Löwe eilte herbei, erwürgte den Hirsch und teilte die Beute in vier gleiche Teile. "Der erste Teil gehört mir", sagte er nun zu den Umstehenden, "weil ich der Löwe bin; der zweite, weil ich der Herzhafteste unter euch bin; den dritten müßt ihr nür als dem Stärksten überlassen, und den werde ich auf der Stelle erwürgen, welcher mir den vierten abspricht." So behielt der Löwe den ganzen Hirsch, ohne daß es seine Jagdgenossen auch nur wagen durften, darüber zu klagen.

Mit einem starken Gewalttätigen gehe nicht
gemeinschaftlich auf Geschäfte aus,
er teilet immer zum Nachteil des Schwächeren.

Der Hund und das Schaf

Man sagt, daß zur Zeit, als die Tiere noch sprechen konnten, das Schaf zu seinem Herrn geredet habe: "Du tust sonderbar daran, daß du uns, die wir dir Wolle, Käse und Lämmer schenken, nichts gibst, als was wir uns auf der Erde selbst suchen, dem Hunde aber, der dir nichts dergleichen gewährt, von jeder Speise mitteilst, die du selbst hast." Als der Hund dies hörte, soll er gesagt haben: "Beim Jupiter, ich bin es ja, der dich und deine Gefährten bewacht, damit ihr nicht von Dieben gestohlen oder vom Wolfe zerrissen werdet. Denn ihr würdet, wenn ich euch nicht bewachte, nicht einmal in Ruhe weiden können." Hierauf soll es auch das Schaf recht und billig gefunden haben, daß der Hund ihm vorgezogen wurde.

(ÄSOP, Fabeln)

,'Der Leithammel einer Schafherde ist niemals ein Hammel, also ein kastriertes Männchen. Aber auch die nicht-kastrierten Widder stehen niemals an der Spitze der Herde. Diese Position ist jeweils einem erfahrenen Weibchen vorbehalten - dem Leitschaf also.'