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| Tierwelt - Vögel | |
Hirundinidae, Schwalben
Eine in Europa mit vier Gattungen und sechs Arten vertretene Familie der Sperlingsvögel. Die bekanntesten und fast ganz Europa als Zugvögel belebenden Vertreter der Schwalben sind wohl Rauchschwalbe (Hirundo rustica), Mehlschwalbe (Delichon urbica) und Uferschwalbe (Riparia riparia).
Das Herz der Schwalbe wird häufig als Bestandteil eines Liebestranks genannt (so R. BURTON in Anatomy of Melancholy, 17. Jh., zit. n. BIEDERMANN, 268).
Das empfahl bereits Agrippa von NETTESHEIM, demnach der Verzehr besonders der Geschlechtsteile brünstiger Vögel vielversprechend sei. (De Occulta Philosophia, Kap. XV, n. SCHRÖDTER, 34)
Eine Frau soll einen Mann betören können, wenn sie sie eine Schwalbenzunge unter ihre eigene legt und den Erwählten so küßt, der Mann hingegen soll ein Schwalbenherz bei sich tragen (Volksglaube aus Swinemünde, KUHN u. SCHWARZ C. XXX, 447 u. 448.).
Ein Schwalbennest unter der Dachtraufe soll vor Einschlag des Blitzes bewahren. (Das sechste und siebente Buch Mosis, 152)
Andererseits heißt es, die am Haus nistende Schwalbe bedeute Armut: hausnistende schwalben bedeuten armut, sperlinge reichtum. (GRIMM, A. 148)
Sogar den Tod soll die Schwalbe ankünden: wo die schwalben neue nester bauen, aus dem hause stirbt jemand selbiges jahr. (GRIMM, A. 381)
Auch dem widerspricht ein anderer Aberglaube: schwalbennester und grillen bringen segen ins haus. (GRIMM, A. 609)
Im Aberglauben heißt es auch: wer frühjahrs sieht ,den ersten bauer im pfluge, die erste schwalbe im fluge’, der hat ein gutes jahr. (GRIMM, A. 1086)
Unheil beschwört hinauf, wer Schwalben Schaden zufügt: wer eine schwalbe todtschlägt verursacht vier wochen anhaltenden regen, heißt es in der Chemnitzer Rockenphilosophie. Zerstört man die Schwalbennester am Haus, so sollen die Kühe blutige Milch geben, meinte man in Osterode am Harz (GRIMM, A. 388 u. 758)
Schwalben sollen Plätze bewohnen, an denen durch Wasseradern Erdstrahlen hervorgerufen werden. Daß im Volksglauben angenommen wird, im Stall nistende Schwalben ließen auf gutes Gedeihen des Viehs schließen, mag hiermit zusammenhängen (GRÜN, 165).
Aus Dönhöffstädt stammt die Empfehlung, man solle sich, wenn man im Jahr die erste Schwalbe sieht, schnell waschen und abtrocknen. Ist die Schwalbe dann noch zu sehen, so werde man seiner Sommersprossen ledig bzw. bleibe von ihnen verschont (FRISCHBIER, 91).
In Pforzheim sagte man: Die Schwalben trauern für den lieben Herrgott. (GRIMM, A. 628)
Gegen Ende der Sintflut ließ Utnapischtim erst eine Taube aus seinem Schiff fliegen, dann eine Schwalbe. Beide kehrten mangels Standort zurück und erst der dritte Vogel, ein Rabe, blieb aus.
Die Stimme der Schwalbe galt den antiken Griechen als plärrend und barbarisch (ARISTOPHANES, Frösche, Anm. S. 116).
An Mariä Verkündigung (25. März) kommen die Schwalben.
An Mariä Geburt (8. Sept.) fliegen die Schwalben furt.
Die Schwalbe nennt man darum auch Muttergottesvogel.
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. schrieb der griechische Philosoph Aristoteles in seiner Nikomachischen Ethik.
Weht im August der Wind aus Nord,
ziehen die Schwalben noch lange nicht fort.
Wenn die Schwalben sich mit der Abreise nach Süden dann doch noch Zeit lassen, wird der Winter mild werden:
Bleiben jetzt die Schwalben lange, so sei vor dem Winter nicht bange.
Für die Rauchschwalbe gilt der 4. April, für die Mehlschwalbe der 9. April als ,Umzugstag’. (SCHRÖDTER, 31)