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 Tierwelt
 
 

Der Storch

Ciconia ciconia
Ciconlidae, Störche

Der Weißstorch, der wegen seines Schnabelklapperns auch auch „Klapperstorch” genannt wird, ist ein sehr bekannter Schreitvogel, der wohl jedem geläufig sein dürfte (wenigstens durch Abbildungen und Erzählungen) und der wegen seiner Größe und seines auffälligen Gefieders kaum mit anderen Vögeln zu verwechseln ist. Während der warmen Jahreszeit lebt der Weißstorch in Mitteleuropa, im Spätsommer zieht es ihn in südlichere Gefilde. Wesentlich seltener ist der etwas kleinere Schwarzstorch, dessen Gefieder fast einheitlich dunkel ist und der menschliche Nähe meidet, im Gegensatz zu seinem bekannten Vetter, welcher gern inmitten von Dörfern brütet.

Besonders volkstümlich ist „Meister Adebar” als derjenige Vogel, der die Kinder bringt.

In Cammin erzählte man den Kindern, daß der Storch sie von einem großen Steine hole, welcher nördlich der Insel Gristow in der Dievenow liegt. (KUHN u. SCHWARTZ, S. 14)

Bereits auf römischen Münzen findet sich Pietas, die Göttin der Elternliebe ist, mit einem Storch abgebildet (HEDERICH, Sp. 2013).

In Schleswig-Holstein galt der Storch ehedem als heiliges Tier (RUST, 21) und erfreut sich bis heute allgemeiner Beliebtheit.

 

Nach einer Bauernregel beginnt der Abzug der Störche gen Süden am 1. August:

„Zu Petri Kettenfeier ziehen die Störche fort.”

Wenn die Störche noch nach dem Bartholomäustag (24. August) im Lande sind, darf man auf einen milden Winter hoffen:

„Bleiben die Störche noch Bartholomä,
kommt ein Winter, der tut nicht weh.”

Regen soll es geben „wenn dat witt von’n Erber swatt is” (aus Jelmsdorf, Lüneburg, n. (Wie’s Wetter wird 3, 35), wenn also das Gefieder des Storches schmutzig ist.

 

Bei Agrippa von Nettesheim heißt es zum Storchen-Gericht:

„Wilhelm von Paris berichtet weiterhin, zu seiner Zeit habe ein Storch durch den Geruch sich von dem Ehebruch seines Weibchens überzeugt, deshalb eine Versammlung von Störchen veranstaltet und vor dieser das Verbrechen des Weibchens kundgetan; letzteres sei nun von den versammelten Störchen gleichsam einstimmig als schuldig erklärt, zerzaust und zerrissen worden.”
(Kap. LV; Neudruck: p. 260, zit. n. SCHRÖDTER, 67)

Von solchen Storchengerichten berichteten außer Agrippa noch andere (SCHRÖDTER), darunter auch die Gebrüder Grimm (Deutsche Sagen, Nr. 498, „Die treulose Störchin”).

Außerdem teilte Agrippa mit, daß der Storch, der bekanntlich gern Schlangen frißt, sich mit Hilfe des Dostes gegen deren Gift schütze (Kap. XVII; Neudruck: p. 114, zit. n. SCHRÖDTER, 40).

Der Storch soll ein von ihm bewohntes Haus vor Feuer bewahren, weshalb man ihm als Nisthilfe ein Rad auf das Dach setzt. Dagegen beschwört Feuer an sein Haus, wer dem Storch seinen Nistplatz mißgönnt und ihn vom Kamin vertreibt. („Magisch-sympathetischer Hausschatz.”, in: Das sechste und siebente Buch Mosis, 81)

Störche sollen besonders gern an Plätze nisten, wo zwei kreuzende Wasseradern rechtsdrehende Erdstrahlen hervorrufen (GRÜN, 165). Es heißt auch: „Reizstreifenmelder unter den Tieren sind: Hunde und Störche. Letztere bauen nur dort ihre Nester, wo sich keine unterirdischen Wasseradern kreuzen. Daher die Behauptung, wo der Storch nistet, schlage der Blitz nicht ein.” (SCHRÖDTER, 46)

Gemeinhin gilt der Storch als Vorbote glücklicher Ereignisse:

„wer den storch zu allererst sieht einkehren und heißt ihn willkommen, dem tut das jahr kein zahn weh” (GRIMM, A. 1003). Ähnlich heißt es in der „Chemnitzer Rockenphilosophie”: „wer den ankommenden storch grüßt, hat kein zahnweh.” (GRIMM, A. 348)

„Hört ein Mädchen den Storch zuerst klappern, so wird sie etwas entzwei machen; sieht sie ihn fliegen, so kommt sie auf den Brautwagen; sieht sie ihn stehen, so wird sie zu Gevattern gebeten.” (aus Mellin, KUHN u. SCHWARTZ, A. 389)

Der Storch kann aber auch Unheilsprophet sein:

„Fliegen die Störche in der Luft über einem Haufen Menschen im Kreise, so stirbt bald einer von diesen Leuten.” (aus Stendal, KUHN u. SCHWARTZ, A. 390)

In Pforzheim sagte man: „brütet der storch ein ei nicht aus, so stirbt jemand von den höchsten im lande”. (GRIMM, A. 587)

 

Aus Brill bei Aurich stammt die Überlieferung: „Wenn der Roggen eingebracht ist, ziehen die Störche fort, und zwar sagte man, daß sie dann alle auf dem Blocksberg zusammenkommen und da einen todt beißen. Es sollen eigentlich verwiesene Menschen sein, setzte der Erzähler hinzu, und daß sie einen todt beißen, geschähe wie bei den Freimaurern, wo auch alle Jahre einer dran müße.” (KUHN u. SCHWARTZ, A. 116)