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| Tierwelt | |
(Ziegenbock gr. tragos; Ziege gr. chímaira, lat. capra) Bei diesem Haustier sind Symbolgehalt des männlichen Ziegenbocks und der weiblichen Ziege deutlich unterscheidbar. Der Bock steht für Lüsternheit und Lebenslust, die Ziege symbolisiert die nährende und genügsame Amme (BIEDERMANN, 502).
Bevorzugte Gestalt des Teufels ist der Ziegenbock. Der altgriechische Hirten- und Vegetationsgott Pan wurde als Mischgestalt aus Mensch und Ziegenbock dargestellt. Seine Charakterisierung als panischen Schrecken auslösenden Gott von ungeheurer Brünstigkeit gab wesentliche Impulse für das mittelalterlich-christliche Bild vom gehörnten Teufel.
Die Ziege gilt in kargen Gegenden auch als Haustier der Armut — ohne Ziege hat man gar nichts, mit Ziege frißt diese alles auf, was sonst noch wachsen könnte.
Das Bockspaar Tanngnjostr und Tanngrisnir zieht den Wagen des Gottes Thor. (oder sind diese Böcke Schafs-Widder?)
Heidrun, die in Walhalla die Einherier mit Met und Milch versorgt. (Edda, Grimnirlied, 25)
Um die Skadi zu versöhnen, verband Loki mit einer Schnur seinen Hoden mit dem Bart einer Ziege, worüber Skadi in Gelächter ausbrach (Skaldskaparmal, 56).
Amalthea hieß eine Nymphe und Ziege, die den jungen Zeus aufzog.
Ihr Ziegenhorn ist als Füllhorn (cornu copiae) Symbol der fruchtbaren Natur (BIEDERMANN, 502).
Die Chimäre (gr. chímaira, Ziege) besteht aus Teilen von Löwe, Schlange und Ziege.
Mischwesen aus Mensch und Ziege sind auch die Satyrn.
Den jungen Dionysos verwandelte Zeus in eine Ziege, damit seine eifersüchtige Gattin Hera ihn nicht entdecke.
Als die Olympier vor dem ungeheuren Typhon fliehen, verwandelt sich Dionysos in einen Ziegenbock (OVID, Metamorphosen, 5,329).
Ziegen waren bevorzugte Opfertiere an Dionysos. Wie es hieß konnte der Weingott diese Tiere nicht ausstehen, da sie die Weinreben anfressen.
Eine in ein schwarzes Ziegenfell gehüllte Gestalt verhalf dem Melanthos zum Sieg im Zweikampf, wodurch er König von Athen wurde. Die Gestalt soll Dionysos gewesen sein.
Aus Ziegenfell ist die Aigis, der Brustschild der Göttin Athene.
Weil der Herakles der Hera zu Sparta eine Ziege geopfert hatte und dieses so von den Spartanern fortgeführt wurde, nannte man diese Göttin auch Aegophaga, was Ziegenesserin bedeutet.
Eine Ziege säugte den jungen Asklepios.
Die zu den Leshiye gehörenden Waldgeister Zuibotschnik haben Ziegenbeine.
Ein alter Ritus ist es, einen Ziegenbock in die Wüste zu treiben, damit der Dämon Asasel sich ihn hole. Dieser Sündenbock nimmt stellvertretend die Schuld der opfernden mit sich.
In Hexenprozessen war Vorwurf, die Angeklagte habe beim Hexensabbat das Hinterteil einer Ziege geküßt oder mit dem Teufel in Gestalt eines Ziegenbocks Geschlechtsverkehr gehabt.
Zu Pulver gestoßenes Horn der Ziege wirkt bei Schlaflosigkeit, wenn vom Leidendem unbemerkt von diesem unter das Kissen gegeben wird. Das Hirn des Tiers oder das Blut des Bockes hilft bei Epilepsie. Als Haustiere tragen Ziegen meistens Halsbänder. Eines von diesen um den Hals eines an Mumps leidenden Kindes gelegt, verhilft zu raschem Abklingen der peinigenden Symptome.
In der deutschen Übersetzung des Sextus Platonicus, angefertigt 1525 von Georg Henisch, heißt es, Ziegenhaar gebrannt und mit Essig vermischt, stillt das Nasenbluten. (zit. n. LOREY, 168)
Ein schwarzer Ziegenbock sollte angeschafft werden, um böse Geister aller Art von Heim und Grund zu vertreiben.
siehe auch Bock
Ein Bauer hatte einen Esel und eine Ziege. Weil nun der Esel sehr viel arbeiten und große Lasten tragen mußte, erhielt er ein reichlicheres und besseres Futter als die Ziege. Diese beneidete den Esel, und um ihn um die bessere Kost zu bringen, oder doch wenigstens ihm Schläge einzutragen, sprach sie eines Tages zu ihm: "Höre, lieber Freund! Oft schon habe ich dich von Herzen bedauert, daß du Tag für Tag die schwersten Lasten tragen und vom Morgen bis Abend arbeiten mußt; ich möchte dir wohl einen guten Rat geben." "Warum nicht?" sagte der Esel, "ich bitte dich sogar darum!" "Nun, so höre: Wenn du an eine Grube kommst, so stürze dich hinein, stelle dich verletzt, und dann wirst du längere Zeit Ruhe haben und nichts arbeiten dürfen." Dem Esel schien dies ein ganz guter Vorschlag, und kaum war er anderntags mit einer Last bei einer Grube angekommen, als er auch schon den Rat befolgte. Wie aus Zufall trat er fehl und stürzte hinein. Aber das hatte er sich nicht gedacht! Halb tot lag er da und daß er sich nicht ein Bein gebrochen, war ein Glück. Ganz geschunden wurde er herausgeholt und konnte sich kaum nach Hause schleppen. Sein Herr hatte nichts Eiligeres zu tun, als zu einem Vieharzt zu schicken, der dann verordnete: der Kranke solle eine frische, pulverisierte Ziegenlunge einnehmen. Da dem Herrn der Esel mehr wert war als die Ziege, so ließ er diese sofort schlachten, um den Esel zu retten. So büßte die Ziege für ihren bösen Rat mit dem Leben.
Die Folgen des Neides gereichen nicht selten dem Neider selbst zum Verderben.
Auf einem sehr steilen Felsen erblickte ein Löwe eine Ziege. "Komm doch", rief er ihr zu, "auf diese schöne fette Wiese herab, wo du die trefflichsten Gräser und Kräuter findest, während du dort oben darbest." "Ich danke dir schön für dein Anerbieten", sprach die kluge Ziege, die wohl die Absicht des Löwen erkannte. "Dir liegt mehr an meinem Fleisch als an meinem Hunger. Hier oben bin ich vor dir sicher, während du mich dort unten sofort verschlingen würdest."
Trau, schau, wem?
Eine wilde Ziege flüchtete sich, von Hunden verfolgt, in einen Weinberg und verbarg sich unter den Blättern eines Weinstockes. Die Hunde stürzten vorbei, und sie entging ihren Verfolgern. Kaum glaubte sie sich außer Gefahr, als sie sich auch schon über die Reben hermachte und die Blätter fraß, die kurz vorher sie so treulich versteckt hatten. Dieses Geräusch machte den Jäger aufmerksam, der etwas zurückgeblieben war. Er entdeckte auch bald die Ziege und erlegte sie. "Ach!" seufzte sie sterbend, "mit Recht habe ich diese Strafe verdient, weil ich meinen Beschützer mit schnödem Undank belohnte."
Es ist das größte Unrecht, Wohltaten mit Übel zu vergelten;
der Undankbare entgeht selten der verdienten Strafe.
Ein Ziegenhirt musterte seine Ziegen, bevor er sie austrieb. Eine derselben hatte es sich gut schmecken lassen und sehr viel gefressen. Sie ging daher langsamer als die andern und blieb zurück. Der Hirt ärgerte sich über ihre Langsamkeit, und da er nicht lange auf sie warten wollte, hob er einen Stein auf und warf nach ihr. Unglücklicherweise traf er das eine Horn, daß es abbrach. Kaum geschehen, bereute er seine Unvorsichtigkeit und bat die Ziege, doch ja nichts ihrem Herrn zu klagen. "Sei doch gescheit", antwortete die Ziege, "wenn ich auch nichts davon sagen wollte, so würde doch das fehlende Horn dich anklagen."
Wo Taten sprechen, laßt sich das einmal Geschehene nicht verhehlen.