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| Allmende | |
Das Sterben ist vergänglich, der Tod aber ewig.
Wer die Toten nicht ehrt, ist des Lebens nicht wert.
Der Tod ist nebst der Geburt das einschneidendste Vorkommnis im Leben eines Menschen, grenzen diese Ereignisse doch das diesseitige Sein von der jenseitigen Welt ab. Dennoch weiß niemand von der eigenen Geburt, was nicht von anderen erzählt wird. Erst recht gilt dieses naturgemäß vom eigenem Tod.
So bleiben die Menschen, wollen sie dieses Phänomen erklären, auf Spekulation angewiesen und zahlreiche Vorstellungen von Todesgottheiten und Unterwelten sind bekannt.
Die Begegnung des Helden mit dem Tod ist ein wichtiges Ereignis in zahllosen Heldenmythen und Göttergeschichten. Zu den Taten des Herakles etwa gehört es, in den Tartarus hinabzusteigen und von dort den Höllenhund Kerberos heraufzuholen. Später steigt er in den Olymp auf.
Jesus Christus muß den Kreuzestod erleiden, ehe er wiederauferstehen und seine Mission auf Erden mit der Himmelfahrt beenden kann.
Der germanische Odin starb den Opfertod am Weltbaum Yggdrasil, um die Runenweisheit zu erwerben.
Einen symbolischen Tod erleiden Initianden bei Einweihungszeremonien, wenn sie beispielsweise eine Zeit in einer dunklen Grube oder einem tatsächlichem Grab verbringen müssen, aus dem sie gereinigt und gestärkt wiederauferstehen (vgl. Taurobolium).
Laut Bibel (1. Mose) kam der Tod in die Welt, nachdem die Menschen gegen das Gebot vom Baum der Erkenntnis gegessen hatten. Gott verjagte sie aus dem Paradies und gab ihnen Kleider aus Fellen, für die er zuvor felltragende Tiere getötet haben muß. Die Menschen selbst waren nun vom Baum des Lebens abgeschnitten und zur Alterung verdammt.
Den personifizierten Tod stellt man sich als eine knochige, ganz in schwarz gekleidete Gestalt vor, auch hoch zu Roß auf einem Schimmel reitend. Mit seiner Sense schneidet er die Seelen (vgl. Lebensfaden). So eine Gestalt ist im deutschen als Gevatter Hein bekannt.
Auch die alten Griechen kannten in Thanatos einen persönlich gedachten Tod, während Hades bzw. Pluto der Herr des Totenreiches Tartarus war.
Wie wichtig der angemessene Umgang mit dem Tod und den Toten genommen wird, mag ein Beispiel aus der römischen Welt zeigen. Der Legende zufolge tat sich im Jahre 362 auf dem Forum Romanum plötzlich eine Spalte auf. Markus Curtius ritt in diesen Schlund hinab und verschwand auf immer, denn dieser Schlund reichte direkt in die Unterwelt der Toten hinab. Das Ereignis wurde als dringende Mahnung der Toten gesehen, ihnen die gebührende Verehrung angedeihen zu lassen, was zuvor offenbar versäumt wurde.
Albertus Magnus, Alchemist und Lehrer des hl. Thomas von Aquin, betrachtete die Umwandlung (Transmutation) eines Stoffes oder Körpers in einen anderen als Zerstörung bzw. Tod des Ausgangsmaterials, aus dem neues Leben hervorgeht. Darin bezieht sich der Alchemist auf den Ausspruch des Jesus Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und verstirbt, so bleibt´s allein; wenn es aber erstirbt, so bringt es viel Frucht. (Johannes 12,24). Die Alchemie greift damit eine uralte Vorstellung Götter, deren Tod unerläßlich für das Wachstum im Folgejahr sei. Solche für die Fruchtbarkeit sterbende Götter sind Tammuz, Dionysos, Attis, Osiris oder Persephone, nachvollzogen wird ihr Tod im Opfer von Mensch oder Tier (vgl. COUDERT, 19).
Für Luther war der Tod dreifach. Zum einen gibt es den Tod im biologischen Sinne, wenn das leibliche Leben endet, den ewigen Tod und den Tod des Todes, wenn man nämlich zur Quelle des Lebens zurückkehrt.
Verstirbt ein Mensch, öffnet man im Totenzimmer ein Fenster, damit die Seele entweichen kann, etwa verkörpert als eine Fliege. Im Haus werden alle Spiegel verhängt, keine Träne darf auf den Leichnam fallen, das Totenhemd nicht an einem Sonntag genäht werden. Das soll verhindern, daß der Verstorbene als Wiedergänger die im Leben verbliebenen Angehörigen bedrängt. Auch Verstümmelung oder Pfählung der Leiche soll ihre Bewegungsfähigkeit einschränken und auf die Grabstätte beschränken, die oft noch mit Steinen beschwert wird. Das Haus bewehrt man mit einem über die Tür gehängtem Hufeisen, was den Wiedergänger am Eintritt hindert.
Auch das Vieh des Verstorbenen unterrichtete man vom Trauerfall — damit der Tote nicht eines der Tiere auf seine letzte Reise mitnähme.
Die Leiche wird stets mit den Füßen nach vorn aus dem Trauerhaus getragen. Anschließend werden die Uhren, die man bei Eintritt des Todes angehalten hatte, wieder in Gang gesetzt, das Haus wird geräuchert, gefegt und der Kehricht zum Friedhof gebracht. Auch wässerte man den Weg zum Haus und legte zwei Besen über Kreuz auf die Schwelle. Alles das soll eine Wiederkehr des Verstorbenen verhindern.
Aus gleichem Grund sollen auch keine Besitztümer Lebender dem Toten in den Sarg gegeben werden, sondern ausschließlich dessen persönliche Gegenstände oder etwas Geld.
Viele Vorzeichen deuten auf den Tod. Das Klopfen des Holzwurms, eines Käfers, wird als Ankündigung eines Todes gedeutet. Auch soll in einem Haus bald jemand sterben, wenn ein Pferd nur störrisch daran vorbeigehen mag. Weiter soll ungutes Zeichen sein, wenn einem bei Reiseantritt ein Schimmel begegnet, ebenso weise das Aufblühen einer Rose im späten Herbst auf solcherlei Unbill. Ein anderes Vorzeichen nahenden Todes eines Hausbewohners ist, wenn der am Haus gepflanzte Hausbaum verdorrt. Zur Familie des schwedischen Naturforschers Linné gibt es die Geschichte, daß die drei Zweige der Familie analog dem Verdorren der drei Äste der Familienlinde austarben.
Tote sollen als Bewohner einer jenseitigen Welt über besonderes Wissen verfügen. Dieses Wissen zu erfahren bemüht sich der Zauberer bei der Totenbeschwörung (Nekromantie).
Eibe, Lorbeer, Rosmarin sind Pflanzen, die als Zauberkräuter dazu eingesetzt werden, die Toten in ihren Gräbern festzubannen (MALA, 123f.).
Einen sanften Tod erhoffte man vom Gesang der Nachtigall. (WEHR, 168)
Schwarze Vögel wie Krähen, Dohlen oder Elstern sieht man allgemein als Totenvögel an (Das sechste und siebente Buch Mosis, 120).
Ist einer im Hause gestorben, so darf man an dem Tage nicht backen. (aus Rauen, KUHN u. SCHWARTZ, 296)
Zu Schwaz und Innsbruck in Tirol läßt sich zur Sterbenszeit ein Gespenst sehen, bald klein, bald groß wie ein Haus. Zu welchem Fenster es hineinschaut, aus demselben Hause sterben die Leute. (Erasm. Francisi Höll. Proteus, S. 419 u. 1044, n. GRIMM, Nr. 266)
siehe gesonderte Sammlung
Das Christentum kennt viele Heilige, die dem Menschen an der Schwelle zum Tod beistehen. Schutzpatronefür einen guten Tod sind Barbara, Dismas, Joseph von Nazareth, der Engel Michael, Onuphrios, Stephanus und Veronika, für einen friedlichen Tod sorgen Arnold von Arnoldsweiler, Birgitta von Schweden, Christina von Belgien und Lebuin, für einen ruhigen Tod Ursula von Köln und für einen seligen Tod Vinzenz Ferrer.
In der Todesstunde hilft Bernhard von Clairvaux, bei Todesägsten und gegen solche werden Achatius und Saturninus gebeten, gegen Todesnöte ruft man Dorothea an, gegen Anfechtungen zu dieser Gelegenheit Cyriakus.
Damit man nicht unvorbereitet eines plötzlichen Todes sterbe, bittet man Hadrianus, Aldegundis von Maubeuge, Andreas Avellino, Barbara, Christophorus, Chlothilde oder Markus und letzeren auch gegen einen unbußfertigen Tod.
Im Horoskop steht das achte Haus für den Tod (Todeshaus).
Im Tarot ist die dreizehnte Karte der Trumpfreihe Der Tod.
Bibelzitate, soweit nicht anders vermerkt, nach: Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments. nach der rev. Übersetzung Martin Luthers von 1912