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 Allmende
 
 

Wechselbalg

(nhd., ahd. wihselinga) Ein Kind, das elbische Wesen in die Wiege legen, aus dem sie das richtige Kind gestohlen haben. Häufig im Verdacht stehen auch Hexen.

Erkenntlich ist der Wechselbalg an seiner Mißgestalt und seinem ungeheurem Appetit, der seine Eltern zur Verzweiflung bringt. Enorm wie ihr Appetit ist ihre Kraft, sie gelten aber auch — wie alle elbischen Wesen — als sehr musikalisch.
Die Wechselbälge, die der Nickert für die Menschenkinder unterschiebt, sind sehr stark und haben oft mehr Kraft als drei starke Männer zusammen (aus Pechüle und Kemnitz, KUHN u. SCHWARTZ, A. 103). Wegen ihrer dicken Hälse und Köpfe nennt man sie auch Dickköpfe, andere Namen sind nhd. Kielkröpfe, lat. cambiones, schwed. bytingar, dän. bittinger, finn. luoti. (GRIMM, 387f.)

Eine Volkssage aus Hessen erzählt von einer Frau, die am Dosenberg Korn schnitt, ihr zur Seite lag ihr Kind. Ein Wichtelweib schlich sich heran und wechselte heimlich das Kind gegen das seine aus, das einen häßlichen dicken Kopf hatte. Entsetzt schrie die Mutter, als sie den Tausch bemerkte und bewog damit die Wichtelfrau, den Tausch rückgängig zu machen. Zuvor mußte die Menschenfrau aber das Wichtelkind einmal mit ihrer Milch säugen. (n. GRIMM, 388)

Berüchtigt dafür, Kinder gegen Wechselbälge auszutauschen sind auch die slawische Mittagsfrau Polednice und die Korrigan der Bretagne.

Dem unerwünschten „Wechsel des Balges” vorzubeugen gibt es zahlreiche Gegenzauber. Beispielsweise wird empfohlen, die Nachgeburt unter der Wiege zu belassen oder drei Lichter im Kinderzimmer brennen zu lassen.

Aus dem Erzgebirge stammt der Aberglaube, wenn man einen Schlüssel zum Säugling legt, könne er nicht ausgewechselt werden. (GRIMM, A. 484)

„so oft die mutter aus der wochenstube geht, legt sie etwas von des vaters kleidern auf das kind, so kann es nicht ausgewechselt werden” (aus dem Lande ob der Ens, GRIMM, A. 744)

Um den Wechselbalg loszuwerden rät man, etwas sehr Ungewöhnliches zu tun, nämlich Wasser in einer Eierschale kochen. Der Wechselbalg gäbe dann staunend sein Alter preis, womit man ihn los sei. Diese merkwürdige Lösung ist aus vielen Orten Europas übereinstimmend überliefert, was auf hohes Alter dieser Überlieferung schließen läßt, zudem auf den Umstand, daß Alben durchweg eine sehr viel längere Lebensspanne zugemessen wird als den Menschen. (GRIMM, 388f.)

In Irland soll es Wechselbälge geben, welche hervorragende Könner auf dem Gebiet des Flötenspielens sind und ebensogut Dudelsack und Fidel beherrschen. Diese Wesen sollen aber kaum drei Jahre lang leben, werden sie beerdigt und später exhumiert, so findet man statt der Leiche nur ein Stück Holz im Sarg. Wie auch andernorts gibt man vom Wechselbalg geplagten Eltern den Rat, jenen ungebetenen Gast nach seinem wahren Alter zu fragen. (Quelle: Lesermitteilung)

 

Ein bekannter Wechselbalg im Tierreich ist der Kuckuck, dessen Mutter ihr Ei in das Nest fremder Vögel legt.