| < zurück | |
| Allmende | |
Nach deutscher Ansicht scheinen Aussprüche des Schicksals im Munde der Frauen größere Heiligkeit zu erlangen, Weissagung und Zauber in gutem wie bösem Sinn sind vorzugsweise Gabe der Frauen, und vielleicht hängt damit noch zusammen, daß die Sprache Tugenden und Laster durch Frauen allegorisiert.
(Jakob Grimm, Deutsche Mythologie Bd.I, 329)
Die so hoch geschätzten Frauen erscheinen als Nornen, Disen oder Walküren. In Gegenwart der Veleda, die auf einen Turm wohnt, werden Verträge geschlossen und Streitigkeiten geschlichtet und sie weissagt. Die Voluspa der Edda wird von der Vala mitgeteilt, die auch Heidr oder Gullveig genannt wird. Eine Heilerin, die dem Gott Thor hilft ist die Groar.
Die Weise Frau erscheint als Fee oder als Kräuterkundige, die um Heilkräuter oder allerlei Zaubersprüche gebeten wird. Später unterstellte man ihnen, deren Wissen viel heidnischen Kern enthielt, als Hexe mit dem Teufel im Bunde zu stehen — im Europa der Renaissance und Aufklärung ein todeswürdiges Verbrechen.
In Schleswig-Holstein waren Toversche, Kunsthfruwen oder Böterinnen Bezeichnungen für kräuterkundige weise Frauen, welchen man allerlei magische Kräfte und Kenntnisse zutraute, sowohl zum Guten wie zum Schlechten. (RUST, 72)