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| Witterung | |
Die Naturerscheinung des Windes, im Grunde einfach bewegte Luft, wird in der Mythen gern in Personifikation betrachtet, als Wirken von Riesen oder Windsbraut. Um gegen widrige Stürme gefeit zu sein, verflucht man ihn mit Bannsprüchen, sticht den Wind mit Messern oder sucht ihn mit Opfern zu besänftigen. Bei dieser Windfütterung werden dem Wind zur Erntezeit Lebensmittel dargebracht, damit ein Sturm nicht die Feldarbeit zunichte mache.
Für jede Windrichtung gibt es einen Gott, Riesen oder anderes übernatürliches Wesen, dessen Charakter sich in den Eigenschaften des Windes spiegelt.
In der griechischen Mythologie ist Aiolos der Herr über die Winde.
Anders als die Winde Notos, Boreas und Zephyros, die göttlichen Ursprungs sind und dem Menschen viel Nutzen bringen, stammen die widrigen Winde von dem Ungeheuer Typhoeus. (HESIOD, Theogonie, 869-881).
Die Winde der griechischen Mythen, besonders Boreas und Zephyros, vermochten Gottheiten, Frauen und Tiere zu schwängern. Das erinnert an den biblischen Schöpfungsmythos, demnach der erste Mensch sein Leben (Seele) von der Gottheit eingehaucht bekam (1. Mose 2,7).
Bei den Ostslawen ist Stribog ein Gott des Windes und Sturmgott, das Igorlied nennt die Winde Stribogs Enkel.
Gott des Windes bei den Germanen war Forseti.
Eisige Winde sandten die nordischen Riesen Jötunn aus ihrer frostigen Heimat Jötunheimr, um in der Menschenwelt die Knospen der Pflanzen abzutöten.
Wenn der Jöte (Riese) Hräswelg, ein riesiger Adler, seine Flügel schwingt, wehen Winde über alle Völker der Erde (Edda, Wafthrudnirlied, 37).
Über die verschiedenen Namen des Windes bei verschiedenen nordischen Wesen gibt das Alwislied Auskunft, in dem der Alwis Alwis dem Asen Thor antwortet:
Thor:
Sage mir, Alwis, da alle Wesen,
Kluger Zwerg, du erkennst,
Wie heißt der Wind, der weithin fährt,
In den Welten allen?
Alwis:
Wind bei den Menschen, Wehn bei den Göttern,
Wieherer höhern Wesen,
Greiner bei Joten, bei Alfen Lärmer,
Bei Hel heißt er Heuler.
Alwislied, 20f., n. Simrock
Als Personifikationen der vier Hauptwinde gelten die Zwerge Austri, Vestri, Nordri und Sudri (GRIMM, Deut. Mythol., I., 382), die auch für die Himmelsrichtungen stehen. Der Zwergname Vindalfr steht für die Winde insgesamt (ebd.).
| Gottheiten, Engel und Dämonen der Winde: | ||||
| Ägypter | Akkader | Griechen | Engel | |
| Alle Winde | Aiolos | |||
| Ost | Euros | |||
| Südost | Pazuzu | |||
| Süd | Set | Zu | Notos | Kerkutha* |
| Südwest | Naoutha* | |||
| West | Zephyros | |||
| Nordwest | ||||
| Nord | Boreas | Chairum* | ||
| Nordost | ||||
| Ägypter | Akkader | Griechen | Engel | |
| *lt. apokryphen Bartholomäus-Evangelium | ||||
Der Wind aus dem Süden ist im Gilgamesch-Epos jener, der die Träume bringt.
Altiranischer Gott der Winde ist der Vata.
Im Manichäismus, einer extremen Ausprägung des Gnostizismus mit konsequent ausgebildetem polaren Weltbild, ist der Wind eines der fünf Elemente.
Für einen schadbringenden Zauber machte man sich in Masuren den Wind derart zunutze, daß man durch ihn die gesprochenen Verwünschungen dem Feinde zutragen ließ (n. FRISCHBIER, Hexenspr. u. Zauberb., 6).
Wenn man in einen von Hexen gemachten Wirbelwind ein Messer mit Kreuzen wirft, kann man die Hexen erkennen, sagte man in Worms. (GRIMM, A. 554)
Die für die Menschen so wichtigen Winde (Ackerbau, Seefahrt) sucht man sich durch Gebete an die über sie gebietenden Gottheiten oder durch Windzauber geneigt zu machen. Oder man verläßt sich auf bewährte:
Wird jemand begraben und der Wind geht mit dem Leichenzuge, so nimmt er Glück und Segen mit; weht er aber entgegen, so bleibt beides im Trauerhause, sagte man in Stendal. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 301)
Das Wetter erkennt man am Winde,
wie den Herrn am Gesinde.
Dreht zweimal sich der Wetterhahn,
Sturm und Regen er zeigt an.
Westwind mit Mist (Nebel),
hat Ostwind in de Kist (aus Ostfriesland).
Eine die Gestirne berücksichtigende Wetterregel besagt, daß das Wetter windig und regnerisch werden wird, wenn der Neumond in der Stunde des Mondes eintritt, etwa die Hälfte des Monats wird es wehen, wenn der Neumond in die Stunde des Jupiter fällt (siehe Stundenherrscher).
Ein Hof um Sonne und Mond soll auf Wind oder Sturm deuten:
Hof um de Maan (Mond),
dat kann noch gahn,
man (doch) Hof um de Sünn -
dor schreien Schippers Froen (Frauen) un Kinner üm.
(aus Ostfriesland)
Ab der zweiten Hälfte des Oktobers, wenn meistens die herbstlichen Stürme einsetzen, gilt auch der Mondhof als Vorbote eines Sturmes:
Hof üm den Maan,
so´n Kreis as so’n Wagenrad,
denn weeten wi Bescheid.
(aus Mecklenburg)
Anhaltende sommerliche Witterung verspricht in Mitteleuropa nach einer Bauernregel der Nordwind:
Weht im August der Wind aus Nord,
ziehen die Schwalben noch lange nicht fort.
Besonders im zeitigen Jahr und im Herbst ist der Nordwind erwünscht:
Heftige Nordwinde im Februar
vermelden ein gar fruchtbar Jahr.
Wenn der Nordwind im Hornung nicht will,
dann kommt er sicher im April.
Weht ein Wind an Leodegar (2. Oktober),
kündets an ein fruchtbar’ Jahr.
Im Oktober Sturm und Wind,
uns den frühen Winter kündt.
Gibt's im Januar Wind von Osten, tut die Erde langsam frosten.
Wenn im Jänner Nordwind fegt, die Lebensgeister werd'n bewegt.
Der Februar muß stürmen und blasen,
soll das Vieh im Lenze grasen.
Februar mit Frost und Wind macht die Ostertage lind.
Bringt Rosamunde (11. März) Sturm und Wind,
so ist Sibylla (29. April) uns lind.
Am 13. März, früher Tag nach Sankt Gregor (12. März), achtete man ehedem auf dem Wind. Blies er stark, so deutete das auf weitere vierzig windreiche Tage.
Märzenwinde, Aprilenregen,
verheißen im Mai großen Segen.
Sturm und Wind an Rosamunde (30. April)
bringt eine gute Kunde.
Bläst der April mit vollen Backen,
gibt´s viel zu jäten und zu hacken.
Abendrot bei West,
bringt dem Frost den Rest.
Der englische Admiral Sir Francis Beaufort (1774 bis 1857) erstellte 1806 eine Skala der Windstärke, die nach ihm benannte. Diese Beaufort-Skala bezieht sich auf die Auswirkungen des Windes, die in abgestufter Dramatik die Windstärke bestimmen. Die Beaufort-Skala umfaßt dreizehn Stufen und reicht von Stärke 0 (Windstille) bis Stärke 12 (Orkan). Später wurden noch Windstärken bis 17 hinzugefügt. Zwar werden Windgeschwindigkeiten international seit 1949 in Knoten angegeben, die anschauliche Beaufort-Skala erfreut sich in Wetterberichten dennoch ungebrochener Beliebtheit.
Hier die Beaufort-Skala für Windgeschwindigkeiten zu Lande:
| Bft | Bezeichnung | km/h | m/s | |
| 0 | Stille | kleiner als 1 | kleiner als 0,3 | |
| 1 | leichter Zug | 1 bis 5 | 0,3 bis 1,4 | |
| 2 | leichter Wind | 6 bis 11 | 1,5 bis 3,1 | |
| 3 | schwacher Wind | 12 bis 19 | 3,2 bis 5,3 | |
| 4 | mäßiger Wind | 20 bis 28 | 5,4 bis 7,8 | |
| 5 | frischer Wind | 29 bis 38 | 7,9 bis 10,5 | |
| 6 | starker Wind | 39 bis 49 | 10,6 bis 13,6 | |
| 7 | steifer Wind | 50 bis 61 | 13,7 bis 16,9 | |
| 8 | stürmischer Wind | 62 bis 74 | 17,0 bis 20,5 | |
| 9 | Sturm | 75 bis 88 | 20,6 bis 24,4 | |
| 10 | schwerer Sturm | 89 bis 102 | 24,5 bis 28,3 | |
| 11 | orkanartiger Sturm | 103 bis 117 | 28,4 bis 32,5 | |
| 12 | Orkan | 118 bis 133 | 32,6 bis 37,0 |