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| Zauberei / Hochzeit | |
Hochzeits- oder Liebesorakel nehmen einen besonders breiten Raum in den meisten Sammlungen zu Brauchtum und Aberglauben ein.
Kein Wunder, denn zum einen ist die Liebe gerade für junge Menschen das Thema Nummer Eins, zum anderen sind gerade in diesem Lebensabschnitt eine ganze Reihe von lebensbestimmenden Entscheidungen zu treffen (etwa über Schulbildung oder Berufswahl), welche mit ersterem eng verzahnt sind. Früher mehr noch als heute und insbesondere für junge Mädchen, denen mit einer heiratsmäßig legitimierten Beziehung in der Regel auch ein Wohnortswechsel bevorstand — und in jedem Falle die Mutterschaft und die Abhängigkeit vom Partner, seiner Familie und seinem Berufsstand.
Die meisten Hochzeitsorakel beziehen sich daher auch auf den zukünftigen Bräutigam und dessen Beruf, seltener auf die zu erwartende Braut und ihr Wesen.
bei hochzeiten wird außer dem großen kuchen ein junggesellenkuchen verfertigt, den die ledigen mädchen zerreißen; welche davon das größte stück kriegt, bekommt zuerst einen mann. (GRIMM, A. 839)
wenn eine ledige frühjahrs bei ankunft der vögel zwei bachstelzen zuerst beisammen sieht, so macht sie das jahr hochzeit. (GRIMM, 1087)
An bestimmten Tagen aß man den Hering als Hochzeitsorakel, da nach der Mahlzeit der Zukünftige im Traum erscheine. (WEHR, 112)
Auch die Zwiebel wird zu Hochzeitsorakeln herangezogen. Dazu nimmt die heiratswillige Frau vier dieser Gemüse und gibt jedem von ihnen den Namen eines Junggesellen. Sie stellt am Weihnachtstag die vier Zwiebeln in die vier Zimmerecken und wartet bis Dreikönig. Wessen Zwiebel nun ausgeschlagen hat, der wird sich als Freier melden (GRIMM, A. 956).
In der Christnacht gehen Knechte oder Mägde zum Holzhaufen und ziehen aufs Geradewohl einen Holzscheit heraus. So wie dieser beschaffen ist, gerade oder krumm, wird auch der Ehepartner sein (GRIMM, A. 958).
In der Chemnitzer Rockenphilosophie heißt es: gießt eine ledige in der christnacht heiß blei in kaltes wasser, so bildet sich das handwerksgeräth ihres künftigen bräutigams. (GRIMM, A. 97)
Besonders der Abend vor Sankt Andreas am 30. November ist Zeitpunkt für allerlei Zukunftsschau.
Durch die Chemnitzer Rockenphilosophie mitgeteilt ist der Rat: ledige, die gern männer hätten, sollen nachts vor Andreastag diesen heiligen nackend anrufen, so wird ihnen ihr liebster im schlaf erscheinen. (GRIMM, A. 100)
auf Andreasabend (30. November) achten die mägde, woher die hunde bellen: aus dieser richtung kommt ihr bräutigam. (GRIMM, A. 964)
Bei Gernsbach im Speierschen hieß es (anno 1787): welches mädchen in der Andreasnacht blei im löffel schmilzt, und es durch einen schlüssel, in dessen bart ein kreuz, in wasser gießt, das nachts zwischen XI und XII geholt worden ist, so bildet sich das handwerkszeug ihres künftigen bräutigams. (GRIMM, III, S. 454, A. 579)
abends vor Andreas bilden die ledigen mädchen einen kreis und lassen einen gänserich hinein, zu welcher er sich zuerst dreht, die bekommt einen mann. (GRIMM, A. 847)
Zweige von Apfel. Kirsche, Birne, Pflaume, Kastanie, Holunder, Stachelbeere, Johannisbeere und Himbeere gehören zum für Liebesorakel verwendeten neunerlei Holz, das am Andreasabend geschnitten und in die Vase gestellt wird. Blüht es bis Weihnachten, komme der Bund mit dem Liebsten zustande. (BÄCHTOLD-STÄUBLI, VI, 1061)
Der Magisch-Sympathetische Hausschatz rät Unverheirateten, in der Silvesternacht mit Lichtern in den Händen vor einen Spiegel zu treten und dreimal den eigenen Namen zu rufen. Dann zeige sich der oder die Zukünftige. (Das sechste und siebente Buch Mosis, 136)
Aus dem Samland ist die Sitte überliefert, am Silvesterabend um Mitternacht in den Schafstall zu gehen und — im Dunkeln natürlich — nach einem Schaf zu greifen. Bekommt das Mädchen ein Mutterschaf zu fassen, wird es vorerst mit der Heirat nichts, wohl aber, wenn es sich um einen Hammel oder gar Bock handelt. Auch der Gänsestall sei für dieses Orakel geeignet, der Ganther deute dann auf baldige Hochzeit. (FRISCHBIER, 163)
Es heißt auch: Das Mädchen zieht sich am Sylvesterabend in ihre Kammer zurück, deckt dort für zwei Personen und setzt sich allein zu Tisch. Wird dann um 12 Uhr angeklopft, so kann sie im nächsten Jahre sicher auf einen Bräutigam rechnen. (N. Pr. Pr.-Bl. VI, S. 218, Nr. 46, n. FRISCHBIER, 163)
Oder sie tritt mit zwei brennenden Lichten in den Händen vor den Spiegel und ruft dreimal den Namen des Jünglings, den sie im Herzen trägt. Sieht sie dann im Spiegel sein Bild, so wird er nach ihr freien; sonst aber grinzt der Teufel ihr über die Achseln. (Samland. N. Pr. Pr.-Bl. VI, S. 219, Nr. 47, n. FRISCHBIER, 163)