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  Zauberei
 
 

Figurenzauber, Puppenmagie

Eine besondersa aus der Voodoo-Magie bekannte Art des Bildzaubers, doch sind solche Verfahren nicht auf afrikanische Riten beschränkt sondern haben wohl auf allen besiedelten Kontinenten Tradition.

Die Idee des Puppenzaubers ist die Vorstellung, daß alles, was mit dem Abbild (der Puppe, auch Atzelmann oder Atzmann, GRIMM, Bd. II., 915) geschieht, in Analogie auch dem Abgebildeten widerfährt.

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Schon im 4. Jahrtausend v. u. Z. wurden in Ägypten für Liebes- und Todeszauber derartige Figuren verwendet. Der römische Dichter Vergil erwähnte solche Puppen für die Liebesmagie (8. Ekloge) und vom heiligen Teophilos ist die Legende überliefert, er habe urplötzlich unter Lähmungen seiner Extremitäten gelitten. Im Traum erschienen ihm Kyros und Johannes und wiesen ihn an, im Meer ein Fischernetz auszuwerfen. Teophilos tat wie geheißen und fing im Netz eine Bronzefigur, deren Hände und Füße von Nägeln durchbohrt waren. Der Heilige zog die Nägel aus der Figur heraus und war sofort beschwerdefrei (HABIGER-TUCZAY, 244).

Damit ist die Technik beschrieben, mit der solche Puppenzauber durchgeführt werden. Aus Lehm, Holz, Knochen, Teig, Stoff, Metall oder (Bienen-)Wachs wird eine Puppe hergestellt, die den Betreffenden darstellt. Verstärkt wird die Wirkmächtigkeit durch Segnung, Taufe, Beschwörung von Dämonen und Beimischung von Materialien, die der gemeinten Person besonders nahe stehen, Haare, Fingernägel, Kleidung oder, neuzeitlich, eine Photographie. Dann wird diese Puppe entsprechend behandelt, entweder rammt man Haare, Nägel (oder Blut, Exkremente, siehe „Mumie”) oder Nadeln in die Puppe, wie bei Theophilos, womit Beschwerden an den jeweiligen Körperteilen hervorgerufen werden oder man verbrennt die Puppe, womit der Tod hervorgerufen werden soll. Oder aber man hängt die Puppen in den Wind, wenn sie hin- und her schaukeln, dann befällt das Opfer Unruhe oder man vergräbt die Figur und sorgt so für andauerndes Siechtum.

Der so Getroffene kann nur hoffen, die ihn darstellende Puppe zu finden und zu zerstören, wie es Teophilos gelang.

1320 erhob sich das Gerücht, die Mailänder Familie Visconti habe versucht, den in Avignon residierenden Papst Johannes XXII. mit Hilfe einer Wachsfigur zu ermorden. Schon vorher wurde Hugues Géraud, Bischof von Cahors, hingerichtet, weil er diesem Papst auf solche Weise ans Leben habe gehen wollen. (DAXELMÜLLER, 113)

Die Puppen eignen sich auch für wohltätige Zwecke. So soll es möglich sein, Krankheiten in eine solche Puppe abzuleiten und mit dieser Figur zu vernichten (MALA, 61).

Für den Liebeszauber sollte sich eine Puppe eignen, die den verliebten selbst darstellte und der angebeteten Person zugeführt wurde, etwa indem man sie an einer Stelle vergräbt, die von der Angebeteten häufig beschritten wird.

Puppen sollen sich auch dazu eignen, verborgene Schätze ausfindig zu machen, sofern es gelingt, sie zum Sprechen zu bringen. Durch Befragung sollen auch andere Weissagungen zu erzielen sein, etwa der Name eines Diebes (HABIGER-TUCZAY, 247).

Die Verwendung solcher Puppen wurde wie alle Zauberei verboten.
Christliche Experten gingen davon aus, daß in die Puppe ein Dämon fuhr, der seinerseits die der Puppe zugeführten Handlungen an der dargestellten Person vollzog. Wo Dämonen wirkten war der Teufel nicht weit und die Anfertigung von Puppen zum Bildzauber häufiger Grund für Anklagen gegen vermeintliche Hexen.

Auch größere Einheiten als einzelne Personen sucht man mittels Puppenzauber zu beeinflussen. Dem Alexanderroman zufolge suchte der Ägypterkönig Nektanebos eine feindliche Flotte dadurch abzuwehren, daß er kleine Wachsmodell der Schiffe in einem Bassin zum Sinken brachte. (nach BIEDERMANN, 90)

Andere Verwendungen von Puppen finden sich im ländlichen Fruchtbarkeits- und Erntezauber. Dabei wurde beispielsweise aus der letzten Heugarbe eine Figur gebunden, die geschmückt wurde und wohl die Kornmutter darstellte.

 

Ein antikes Beispiel für Puppenzauber ist die Althäa, die ein Holz, das ihrem Sohn Meleager als Bild seines Schicksals gegeben war, ins Feuer warf und ihn damit vernichtete. Nach mancher Deutung war mit diesem Holz eine Wachspuppe gemeint.