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 Zauberei
 
 

Bücher Mose

Außer den in der Bibel enthaltenen fünf Büchern Mose (Pentateuch) gibt es eine Reihe weiterer Schriften, die Mose zugeschrieben werden. Es handelt sich dabei um Sammlungen mittelalterlicher und jüngerer Schriften magischen, abergläubischen oder volksheilkundlichen Inhalts, die diesen Verfasser zur Unterstreichung ihrer Autorität und Wahrhaftigkeit führen. Die Anhänger der magischen Künste sahen wohl in Moses, der im Zauberwettkampf die ägyptische Priesterschaft überwand (2. Mose 7ff.), das Rote Meer teilte oder Wasser fand ihren Erzvater und stets wird in diesen Büchern die getreuliche Widergabe alten Wissens betont.

Auch wenn Moses kaum Autor dieser Bücher gewesen sein wird — ein gewisses Alter kommt ihnen durchaus zu. In einer volkskundlichen Sammlung von 1848 (2. Auflage) heißt es, der suckowsche Kammerherr von Pumpfuß habe das sechste und siebte Buch Mose besessen: „... auf dem Schloße liege noch bis auf den heutigen Tag eine alte Bibel, die sei mit gewaltigen Ketten verschlossen: und das ist auch nöthig, denn darin befinden sich alle sieben Bücher Mosis und darunter auch die zwei, die in den gewöhnlichen Bibeln fehlen und in denen das rechte Zauberzeug drin steht. Die Schrift des Buches ist aber schon ganz vergelbt und kaum noch lesbar.” (mündl. von einem Müller aus Gramzow, n. KUHN u. SCHWARTZ, Nr. 66)

Eine andere Ausgabe soll sich in Wittenberg befinden. „Jetzt giebt’s keine Zauberei und Hexerei mehr, denn jetzt ist alles fest gemacht, weil das sechste und siebte Buch Mosis nicht mehr dazu gebraucht werden können, denn darin war alle Hexerei, Zauberei und Besprechung genau beschrieben und verzeichnet. Diese Bücher liegen nämlich verschloßen zu Wittenberg und werden nur noch der Merkwürdigkeit halber gezeigt, aber nicht mehr fortgegeben.” (mündl. aus Kemnitz, n. KUHN u. SCHWARTZ, Nr. 100)

Im Keller des linken Trakts des Mannheimer Schlosses sollen immer zur Mitternacht der Neujahrsnacht neun mit unbekannten Mosestexten beschriftete Getreidesäcke emporsteigen und um ein Uhr wieder verschwinden. (DAXELMÜLLER, 265)

Eine um 1800 in Darmstadt entstandene Handschrift behauptet, die echten dieser Ausgaben seien an den dreiundzwanzig darin enthaltenen Siegelabbildungen erkennbar. Das originale Werk sei 330 von Kaiser Konstantin nach Rom gebracht und Papst Silvester übergeben worden, seither hüte der Vatikan es als sein GeheimniErst Paracelsus sei es gelungen, der Schrift habhaft zu werden und sich mit ihrem Inhalt vertraut zu machen. (DAXELMÜLLER, 265)

Es ließe sich noch eine Reihe dieser Legenden anführen und es stellt sich die Frage, woher die Idee zu solchen Behauptungen kommen mag. Es leuchtet ein, daß allein die Autorität eines Verfassers Moses (welcher immerhin wie kein anderer in Frage kommt, den geheimen Namen Gottes zu kennen, welcher immer wieder als Schlüssel aller Geheimnisse genanbnt wird) und dessen hohes Alter für die Glaubwürdigkeit solcher Bücher förderlich ist.
Aber ein griechischer Zauberpapyrus aus den ersten nachchristlichen Jahrhunderten erwähnt ein 8. Buch Moses, womit ein sechstes und siebtes dieser Bücher vorausgesetzt ist. (DAXELMÜLLER, 273) Sogar ein 10. Buch Mosis soll in diesem Leydener Papyrus enthalten sein (BAUER, 12).

Der älteste Nachweis einer gedruckten Version dieser Sammlung ist jedenfalls nach derzeitigem Kenntnisstand eine Verkaufsanzeige im „Allgemeinen Literarischen Anzeiger” vom 28. März 1797, wo unter ähnlichen Werken ein „VI et VII. Liber Mosis” angepriesen wurde. (DAXELMÜLLER, 267f.)
Gut ein halbes Jahrhundert später, 1853, gab der Stuttgarter Antiquar und Verleger Johann Scheible ein Buch namens „Das sechste und siebente Buch Mosis, das ist Mosis magische Geheimkunst, das Geheimnis aller Geheimnisse. Wort- und bildgetreu nach einer alten Handschrift mit 23 Tafeln. Samt einen wichtigen Anhange” heraus, dessen Erscheinungsort verschleiernd als Philadelphia (das in Nordamerika liegt) angegeben wird. (ebd., 282)

Zum Fall für die Justiz wurden diese Bücher 1956, als der Verlag Planet-Masuch angeklagt wurde, weil im 7. Buch Moses ein Mittel gegen die Syphillis empfohlen wurde. Dieses — übrigens lebensgefährliche — Verfahren empfahl, der Betroffenene solle sich bis zum Hals in Pferdemist eingraben. Dieses sei ein Verstoß gegen das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. (DAXELMÜLLER, 283) Das erstinstanzliche Urteil führte für den Verleger Ferdinand Masuch, dem Besitzer des Verlags, zu einer dreimonatigen Gefängnisstrafe oder einer ersatzweisen Geldstrafe von 9000 Mark, sein Mitverleger Heinrich Schell kam mit zehn Tagen Gefängnis oder 1000 Mark Strafe davon. Außer dem erwähnten Verstoß erkannte das Gericht auf unlauteren Wettbewerb, Betrug und Aufforderung zu Straftraten. Die noch vorhandenen Exemplare des Buches, die Prägstöcke, Druckplatten und Formen waren einzuziehen. In der zweiten Instanz wurde das Verbot aufgehoben, nachdem der Volkskundeprofesser Will-Erich Peukert, damals „Papst seiner Zunft”, den Betreiber der Anklage, den Volksschullehrer Johann Kruse, der 1951 das Buch „Hexen unter uns” geschrieben und das „Archiv zur Erforschung des neuzeitlichen Hexenwahns” begründet hatte, scharf angegriffen und demontiert hatte. Der staatsanwaltliche Antrag auf Revision dieses zweiten Urteils wurde 1960 verworfen. (BAUER, 18-22)

 

Die noch jüngeren Ausgaben dieser berühmt-berüchtigten Schrift sind zahlreich. Am bekanntesten sind sicher die als „Sechstes und Siebentes Buch Mosis” (oder Mose) bezeichneten Schriften. Darüberhinaus kursieren noch das „Achte und Neunte” (das „Buch Jezirah”) und sogar das „Zehnte, Elfte und Zwölfte der Bücher Mose”, es geht vermutlich noch darüber hinaus.

Neben Beschwörungsformeln und Abbildungen vorgeblicher Siegel der Dämonen bildet der „Magisch-Sympathetische Hausschatz” einen Hauptteil des BucheDarin sind eine Menge an abstrus anmutenden Ratschlägen zu allerlei magischen Verrichtungen enthalten, etliches ist aber auch dem Bereich der — wenigstens gelegentlich — tatsächlich wirksamen Volksheilkunde zuzuordnen, insbesondere der sympathetischen Heilmethode. Diese erscheinen, so H. ATKINSON-SCARTER, zweifellos durch gewisse Erfahrungen begründet (Sympathiemagie und Zaubermedizin, 35f.).

Im „Schwarzen Netz” häufiger zitierte Ausgaben sind:

„Das sechste und siebente Buch MosiSein wahrer Wert und was das Volk darin sucht”, erschienen 1996 im Verlag Karin Kramer, Berlin (ISBN 3879561184). Das von Wolfgang Bauer mit einer Einleitung versehene Buch ist ein Reprint des um 1930 beim Buchversand Gutenberg in Dresden erschienen und volkskundlich bearbeiteten Neudruck des 6./7. Buch MoseZusätzlich enthalten ist ein zuerst 1849 beim Stuttgarter Antiquar Scheible erschienes altes Beschwörungsbuch.

„Das 6. und 7. Buch Mose oder der magisch-sympathische Hausschatz und Mosis magische Geisterkunst, das Geheimnis aller Geheimnisse. Wortgetreu nach einer alten Handschrift mit erstaunlichen Abbildungen.”
Dieser 2003 bei Bohmeyer in Lübeck erschienene Band (ISBN 3890943764) enthält neben dem „Sechsten und siebenten Buch Mose” die Bücher „Das siebenmal versiegelte Buch der größten Geheimnisse oder magisch-sympathetischer Hausschatz in bewährten Mitteln wider viele Krankheiten und Gebrechen des Leibes; nebst wundersamen Geheimnissen zu Erreichung der verschiedenartigsten Zwecke”, „Geheime Kunst-Schule Magischer Wunderkräfte oder das Buch der wahren Praktik in der uralten göttlichen Magie, wie sie durch die heilige Kabbala und durch Elohym mitgeteilt worden ist”, „Romanus-Büchlein oder Gott der Herr bewahre meine Seele, meinen Aus- und Eingang; von nun an bis in alle Ewigkeit, Amen. Halleluja”, „Engel-Hilfe zu Schutz und Schirm in großen Nöten”, „Das heilige Sales-Büchlein oder die Glücks-Rute” sowie das dreibändige Buch „Der wahrhaftige feurige Drache”.

Als „ein klassisches Grimoire” untertitelt ist der im Esoterischen Verlag, Bürstadt (ISBN 393292813X) erschienene Band „Das Beste aus dem Achten und Neunten Buch Moses”, laut Einleitung 1804 vom Jesuiten Joh. Anton Schmidt zu Köln herausgegeben. Darin enthalten sind die Texte „Conclavis Romanis — die kräftigste Geisterkunst”, „Danielis Caesaris Spiritus Familiaris — die Anrufung der Dienstgeister”, „Arcanum — die Beschwörung eines Geistes”, „Der Gebrauch des magischen Erdspiegels — die Sichtbarmachung der Geister”, „Der heiligen Corona Schatzgebet — um einen versteckten Schatz zu heben”, „Der goldene Brunn — das rechte Schatzheben und Anrufen der Geister” und eine „Liste und Siegel mächtiger Geister — um dir die Geister untertan zu machen”.