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 Zauberei
 
 

Fluch

Ein gesprochener Schadenszauber, mit dem Dinge, Einzelwesen und ganze Geschlechter belegt werden können.

Beispiele: Jahwe verflucht die Menschheit bei der Austreibung aus dem Paradies.

Der Zwerg Andwari verflucht seinen Goldschatz, der später als Nibelungenhort Unfrieden stiften wird:

„Das Gold soll,
das Gust hatte,
Brüdern zwein
bringen den Tod

und acht Fürsten
Fehde wecken;
niemanden nütze
mein Gut!”
(Edda, Lied vom Drachenhort, 5)

Der Fluch im Namen des Teufels wirkt manchmal stärker als das Gebet des Pastors.
In einer norddeutschen Sage heißt es von einem Pastor, der spät am Abend mit seinem Knecht vom predigen heimfuhr. Sie belästigten unterwegs Lüchtemännchen, die um ihre Pferde herumtanzten. Die Gebete des Pastors blieben wirkungslos, im Gegenteil, immer mehr Irrlichter kamen hinzu. Erst als der Knecht sprach

„Wollt ihr wohl gehen in´s Teufels Namen!”
 
verschwanden die Alben augenblicklich („Irrlichter durch Fluch gebannt”, KUHN u. SCHWARTZ, 84f.).

Im Gegensatz zum Fluch steht der Segen, der dessen unheilbringende Folgen aufheben kann. Der Fluch selbst ist jedoch, wie jedes gesprochene Wort, nicht rückgängig zu machen.

Damit ein Fluch wirksam wird, bedarf es nach antiker und biblischer Vorstellung der besonderen sprachlichen Form.

In spätrömischer Zeit waren mit Verwünschungen beschriftete Fluchtafeln ebenso verpönte wie gebräuchliche Mittel, einem Gegner zu schaden. (BIEDERMANN, 168f.)

In der Bibel wird zum Beispiel mit den Worten „Verflucht seist du (sei der oder die), ... ” denen die Beschreibung der Folgen für den verfluchten nachgestellt ist, geflucht. Ein Beispiel ist die Verfluchung Kanaans durch den Noah (1. Mose 9,25).

Ein Fluch des Josua erfüllte sich der biblischen Überlieferung zufolge an Hiel. Der verlor zwei Söhne, weil er die Stadt Jericho neuerbaut hatte, ein Unternehmen, das Josua mit einem entsprechenden Fluch belegt hatte (Josua 6,26 und 1. Könige 16,34).

Der Psalm 109 widmet sich speziell den gottlosen Feinden. Es heißt, wer ein ganzes Jahr lang jeweils morgens und abends diesen Psalm spricht, kann damit einen Feind tot beten. Hält der Beter allerdings nur einen Tag damit inne, so muß er selbst sterben. (GRIMM, Deutsche Mythologie, Bd. III, 446, Aberglaube Nr. 365)

Im Neuen Testament wird die Starrheit des mosaischen Gesetzes insgesamt als ein Fluch bezeichnet: „Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er ward ein Fluch für uns, denn es steht geschrieben: Verflucht ist jedermann, der am Holz hanget” (Galater 3,13). Die Stelle spielt auf 5. Mose 21,23 an, eine Vorschrift, dergemäß Gehängte verflucht seien.

 

Fluch der Mutter

Als stärkster Fluch gilt der Fluch der Mutter. Beispiele: Althäa verflucht ihren Sohn Meleager, der kurz darauf qualvoll stirbt. Entsetzt über die Tat erhängt bzw. erdolcht sie sich.

Alkmaion tötet seine Mutter Eriphyle, weil die seinen Vater ermorden lassen hatte. Ihrem Fluch entkommt er erst, als er ein Land findet, daß zu der Zeit noch nicht vorhanden war, denn auf aller anderen Erde verfolgten ihn die rächenden Erinnyen.

 

=> siehe auch Fluchpsalmen, Fluchtafeln