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  Zauberei
 
 

Kessel

Ein altes Utensil, aus Kochkunst, Zauberei und Hexerei kaum wegzudenken, ist der brodelnde Kessel. In diesem auf einem Dreifuß über dem Feuer ruhenden Topf findet die Einigung von Polaritäten statt, das Ergebnis ist ein Zustand, der die gegensätzlichen Kräfte in sich vereint.

Das allwissende Wesen Kvasir bildete sich in einem Kessel, in dem die zuvor verfeindeten Asen und Vanen nach Beendigung ihres Krieges ihren Speichel mischten. Eine Auslegung dieses Mythos ist, daß der Kessel eine Gebärmutter darstellt, in der die vereinigten Gegensätze sich zu einem Neuen mengen. Es entsteht ein Wesen, das an Weisheit seine Einzelbestandteile übertrifft und in die Welt hinaus zieht, um sich seinerseits anderen mitzuteilen.

Der dampfende Kessel ähnelt der Quelle oder dem Brunnen. Shakespeares drei Hexen sitzen um einen Kessel herum, in dem sie ihren Zaubertrank mischen (Macbeth). Ihre Vorbilder sind die drei Schicksalsfrauen, die jedem Wesen sein Los zuteilen. Die Germanen kannten die drei Nornen am Urdbrunnen, die Griechen die Moiren.

Die griechische Zauberin Medea besaß einen Kessel, indem sie den Vater des Iason kochte. Der verließ den Topf munter und verjüngt. Auch der Gott Dionysos wurde in seiner ersten Jugend zerstückelt und gekocht. Sein Schicksal teilt König Pelops, den der eigene Vater schlachtete.
Im nordischen Mythos wiederum ist es das Schwein Saehrimnir, das täglich in Walhalla im Kessel gekocht und von den Einheriern gegessen wird und dank der verjüngenden und erneuernden Kraft am nächsten Morgen wiederhergestellt ist.

 

Um den Kessel zum Brauen des Bieres zu bekommen fährt der Asengott Thor nach Osten zum Riesen Hymir. Dieser Kessel ist so schwer, daß Tyr, der Begleiter des Thor, ihn nicht verrücken kann, Thor aber setzt ihn sich ohne Mühen wie einen Helm auf das Haupt (Edda, Hymiskvida).