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  Zauberei
 
 

Liebeszauber

Dieser Zauber erfreut sich seit der Antike großer Beliebtheit in Praxis und Literatur. Es ist ein Zauber, der entweder die Liebe eines geliebten Menschen wecken oder aber das Gegenteil bewirken soll.

Zur Verwendung kommen dabei als Bindezauber genutzte Formen des Nestelknüpfens, Beschwörungen oder Liebeskreisel (Inyx, Wendehals, nach jenem Vogel).
Die Zauberei des Mittelalters griff gern zum Sympathiezauber, wobei zur Übertragung des Zaubers auf den Bezauberten möglichst Haare des Betreffenden, Fingernägel, Kleidung usw. beschafft wurden.

Aus diesen, den Zielpersonen sehr nahestehenden Gegenständen, fertigten die Hexen Philtren genannte Liebestränke, welche diese Personen in liebende Raserei versetzen sollten.
Empfohlene Zauberkräuter beim Liebeszauber sind Apfel, Aronstab, Eisenkraut, Johanniskraut, Klee, Mondraute, Myrte, Rose, Rosmarin, Walderdbeere (MALA, 123f.). Neben diesen Zutaten wurden im 17. Jahrhundert besonders Alraunwurzeln, Edelsteine, Kerzen, Haare vom Wolfsschwanz, Herzen von Schwalben und Tauben, Schlangenzungen, das Hirn des Esels, der Penis des Pferdes, Adlersteine sowie Stricke von Gehenkten verwendet. (R. BURTON in Anatomy of Melancholy, zit. n. BIEDERMANN, 268).

Weniger Zauberei als Diät ist die Empfehlung, man solle vermehrungsfreudige Tiere zur Förderung der Brunst verspeisen. Agrippa von Nettesheim schreibt:

„Wenn wir also nach einer Eigenschaft oder Kraft wirken wollen, so müssen wir diejenigen Tiere ... aufsuchen, denen eine solche Eigenschaft in ausgezeichneten Maße innewohnt.
Von diesen wiederum müssen wir den Teil nehmen, worin die verlangte Eigenschaft am meisten tätig ist. Wenn wir z. B. Liebe erwecken wollen, so müssen wir ein Tier suchen, das sich in der Liebe auszeichnet. Dahin gehören: die Taube, der Sperling, die Schwalbe, die Bachstelze.
Von diesen Tieren müssen wir diejenigen Teile nehmen, in denen hauptsächlich der Liebestrieb herrscht. Solche Teile sind: das Herz, die Hoden, die Gebärmutter, das männliche Glied, der Samen...
Dies muß jedoch zu der Zeit geschehen, wenn solche Tiere in der Brunst sind; dann eignen sie sich ausnehmend zur Hervorrufung von Liebe.” (De Occulta Philosophia, Kap. XV; Neudruck p. 103f., zit. n. SCHRÖDTER, 34, der diese Empfehlungen zum Bereich der Organ-Therapie zählt.)

Auch die Verwendung von Wachspuppen ist seit alter Zeit bekannt. Diese auch Atzemänner genannten Figuren wurden in der Sonne oder in Öfen erwärmt und sollten im Betreffenden Liebesglut entfachen bzw. vor Liebe dahinschmelzen lassen. (BIEDERMANN, 267)

Der Dame wird bei solchem Liebeszauber eine goldene Schlange empfohlen, getragen im Haar oder am Busen, die helfen soll, „das erwählte Mannsbild zu becircen” (MALA, 102).

Auch wird geraten, am Valentinstag auf Lorbeerblättern zu schlafen. Es soll dann der Geliebte im Traum erscheinen (PICKERING, 202)

Dem Liebeszauber dient auch die Wegwarte. Dazu soll man am Tag des Heiligen Petrus (29. Juni) um „zwei Uhr zur Vesper” mit einem Hirschgeweih ausgehen und mit diesem das Kraut ausgraben. Wen man dann mit dieser Wegwarte berührt, der sei einem in Liebe zugetan (SIEG, 97).
Auch vor Untreue soll die Wegwarte schützen oder auch die verlorene Liebe zurückgewinnen helfen — allerdings nur die zerstoßene Wurzel der weiß blühenden Form.

Im Liebeszauber ist auch die Spinne von Bedeutung: „Drückt ein Mädchen einem jungen Mann Spinneneier an die Kleider, so muß er bei ihr werben.” (Magisch-sympathetischer Hausschatz, 145)

Im Voigtland trugen die Mädchen Wespennester bei sich, weil sie dadurch die Zuneigung der Männer gewinnen wollten. (GRIMM, A. 851)

„Hirschbrunst oder Hirschtrüffel in Bier eingegeben wirkt Wollust erweckend und führt den Begehrten herbei”, sagte man im Samland. (FRISCHBIER, 160)

„Bei den Südslaven gräbt ein Mädchen die Erde von den Fußtapfen ihres Geliebten aus und tut sie in einen Blumentopf. Dann pflanzt sie eine Ringelblume, eine Pflanze, die als unverwelklich gilt, hinein. Und wie ihre goldene Blüte wächst und blüht und niemals welkt, so soll die Liebe ihres Freundes wachsen, blühen und niemals verwelken. So wirkt der Liebeszauber auf den Menschen durch die Erde, die er berührt hat.” (FRAZER, 63f.)

Als besonders wirksame Zutat für allerlei Liebeszauber gilt das Menstruationsblut. Aus Ungarn ist ein Rezept überliefert, demnach das Mädchen Mehl und Honig stehlen und daraus einen Kuchen backen solle, dem sie ihr Menstruationsblut beimengt und dem Geliebten zu essen gibt (BAUER, Das sechste und siebente Buch Mosis, 145f.). In ein Getränk gemischt soll das Menstruationsblut gar rasende Liebe bewirken (ebd., 146).

Burchard von Worms überliefert, daß Frauen zum Zwecke des Liebeszaubers auf ihrem entblößten Gesäß Brotteig kneten und davon dem Mann zu essen geben. (BÄCHTOLD-STÄUBLI i. Handwörterbuch, IV 67)

Amulette zum Zwecke des Liebeszaubers wurden gern aus Nephrit gefertigt (Edelsteine in der Medizin, 22), ein weiterer beliebter Stein für den Liebeszauber ist der Mondstein (ebd., 25). Im Mittelalter wurde der Rosenquarz gern für Liebeszauber eingesetzt. (STEPHAN u. ASCHBERG, 402)
Karl der Große soll zum Liebeszauber einen Drachenstein verwendet haben. (JACOBY i. Handwörterbuch, II, 380)

Papst Alexander III. berichtete von einer Frau, welche zum Zwecke eines Liebeszaubers eine bei der Kommunion empfangene Hostie im Munde behielt. Als sie ihren ungetreuen Mann küssen wollte, denn so lasse sich ein Mann an eine Frau binden, wuchs ihr die Hostie an der Zunge fest und ließ sich nicht mehr entfernen. (HABIGER-TUCZAY, 88)

Es heißt, bestimmte Tage seien „dem Liebeszwange besonders günstig; es sind dies Johann (24. Juni), Andreas (30. November) und Sylvester (31. December).” (FRISCHBIER, 161)
Serbische Zigeunermädchen versuchten sich am Tag des hl. Basilius (14. Juni) mit Liebeszauber. (WREDE, i. Handwörterbuch, I,937)

Zur Abwehr eines Liebeszaubers wurden verschiedene Anaphrodisiaka genannte Mittelchen und Gegenzauber entwickelt. So soll Mäßigung bei Tische genügen, andere empfehlen dem Behexten morgens heimlich Kot des Geliebten in den rechten Schuh zu legen. (BIEDERMANN, 268)

Der gewöhnliche Straßenkot soll nach einem anderen Gegenzauber in den Schuh gelegt werden. An einem Wassersteg soll dieser Schuh rückwärts in das Gewässer geworfen werden, alsdann gehe man, ohne sich umzusehen, nach Hause (Das sechste und siebente Buch Mosis, 147). Oder man trägt neue schwarze Strümpfe in neuen Schuhen, geht ein tüchtiges Stück und füllt, wenn der Fuß zu schwitzen begonnen hat, Bier oder Wein in den Schuh, was man in einem Zuge austrinke. „Dann hat es mit aller gezwungenen Liebe ein Ende.” (ebd.)

Auch das Johanniskraut soll gegen angezauberte Liebe wirken.