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| Zauberei | |
(frz. Hand des Ruhms) Die abgetrennte Hand eines Hingerichteten, welche wegen der ihr zugesprochenen magischen Eigenschaften besondere Wertschätzung genießt. Denn wer in der Nähe einer solchen Hand schläft, wird tief und fest schlafen, wenn bei ihr eine Kerze oder die Hand selbst angezündet wird. Solches Zubehör ist darum nicht nur bei Hexen, sondern auch bei Einbrechern und Dieben beliebt, zumal die Leichenhand jedes Schloß öffnen soll.
Die Main de la gloire gewinnt man direkt von der am Galgen baumelnden Leiche. Anschließend wickelt man die schaurige Ernte in ein Stück Leichentuch, preßt die Flüssigkeit heraus und legt das Ganze in einem irdenen Krug in Salz, Salpeter, Pfeffer und Zimit ein (ob mit den Zutaten bloß diese gemeint sind, oder ob damit Anderes gemeint ist, bleibt unklar), läßt zwei Wochen ziehen und trocknet die Hand anschließend an der Sonne (am Besten während der Hundstage), geeignet ist auch ein mit Farn und Eisenkraut befeuerter Ofen. Aus der Haut kratze man Fleisch usw. heraus, mische mit Salz und Salpeter und fülle den Brei in seine Hülle zurück. Damit ist die Leichenhand einsatzfähig.
Gebraucht wird noch eine Kerze. Diese wird aus dem Fett der Leiche, Sesam und Ponie (vielleicht Pferdedung) hergestellt, zwischen die Finger der Leichenhand gestellt und entzündet. Geschieht dieses in der Nähe eines Schlafenden, so soll sich dieser bis zum Ausbrennen der Kerze nicht rühren, vielmehr werde er gelähmt und erwacht, als habe er schweren Kater.
Man kann auch die Main de la gloire selbst anstecken. Tip: brennt der Daumen nicht, so ist ein Mißlingen des Zaubers zu befürchten.
In Anklagen wegen Hexerei hieß es zuweilen, die Hexe habe ihre Giftmischerei im Lichtschein einer Main de la gloire vorgenommen. Dieben wird geraten, bei Benutzung solchen Zubehörs folgendes Sprüchlein herzusagen, das die Wirkung der Leichenhand verstärken soll:
Laß die Ruhenden tiefer schlafen;
Laß die Wachenden wach bleiben.
Oh, main de la gloire, verströme dein Licht
Und führ´ uns zu unserer Beute heut´ Nacht.
Einmal soll ein Dieb dergestalt in ein Haus eingedrungen sein. Die Hausbewohner fielen auch wie erwünscht in tiefen Schlaf, doch war eine Dienstmagd entfernt genug, daß sie wach blieb. Sie entdeckte das scheußliche Licht und suchte es zunächst vergeblich mit Wasser und Bier zu löschen, ehe das mittels Milch gelang. Die Hausbewohner erwachten und der Einbrecher konnte gefangen werden.
Diese Darstellung folgt im Wesentlichen: PICKERING, Lexikon der Magie und Zauberei, 206.