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| Zauberei | |
Mit diesem Zauber sollen Bindungen bestärkt oder gelöst werden oder Lösungen verhindert werden. Das Knüpfen oder Lösen des Knotens ist hier ein Analogiezauber.
Die Göttin Hera verhakelte einmal für sieben Tage ihre Finger und verzögerte so die Geburt des Herakles, indem sie die Lösung des Kindes von seiner Mutter Alkmene verhinderte.
Sonst werden in Schnüre eine bestimmte Anzahl von Knoten geknüpft und durch Zaubersprüche bestärkt.
BIEDERMANN führt den römischen Dichter Vergil an, der das Knüpfen der Amaryllis im Liebeszauber beschrieb, wobei die Göttin Venus um Beistand angerufen wird:
necte tribus nodis ternos, Amarylli, colores
necte, Amarylli, modo et Veneris dic vincula necto
Dreimal knüpf, Amaryllis, in Knoten die dreierlei Farben
Knüpf, Amaryillis und sprich: ich knüpfe die Fesseln der Venus
(Lexikon der magischen Künste, S, 318f.)
Sollte hierbei eine Verbindung gestiftet werden, so dienen andere Knüpfereien der Trennung.
Als ein Beispiel führt HALL einen Zauberspruch an, mit dem Zwietracht zwischen zwei Personen gesät werden soll. Dabei wird an eine Schnur beliebiger Länge eine Markierung angebracht, der Zauberer visualisiert sich die betreffenden Menschen, wie sie gerade streiten und zieht dann, einen Spruch rezitierend, den Knoten zu (Chaos u. Hexenzauber, 137).
Wie die Hera sollen später auch Hexen durch Nestelknüpfen Empfängnis und Geburt verhindert sowie die Impotenz des Mannes, hervorgerufen haben, der Zauber wurde auch für Unfruchtbarkeit und schwere Geburt beim Vieh verantwortlich gemacht, es war dieses eine häufige Anklage im Hexenprozeß (BIEDERMANN, 319).
Im Liebeszauber wurden Knoten geknüpft, um Paare zusammenzuhalten aber auch, um beim Manne Impotenz hervorzurufen. Zu letzterem Zwecke wurde ein Lederband verknotet und versteckt, was diese Ligatur (Unterbindung) solange anhalten ließ, bis das Band gefunden und gelöst wurde (DONOVAN, 179f.).
Für einen aufhebenden Liebeszauber empfiehlt MALA, in eine rote Schnur mehrere Knoten zu knüpfen und diese um einen Baum zu schlingen. Das soll die innere Bindung zu einer Person lösen (Weiße Magie, 92).
Abwehrend soll eine geknotete Schnur mit den Farben Weiß und Blau vor Angriffen auf die eigene Psyche schützen (MALA, 92).
Als Gegenmittel gegen das Nestelknüpfen wurden Amulette mit Samen und Wurzel der Pfingstrose empfohlen, auch das Bestreichen der Türschwelle des Bexten mit dem Blut eines schwarzen Hundes, worüber Beifuß aufgehängt werden soll (BIEDERMANN, 319).
Manchmal wächst ein Holunder epiphytisch auf einer Weide, sein Holz gilt dann als besonders zauberkräftig. Harnt man auf ein ausgehöhltes Zweigstück einer solchen Überpflanze, so wehre das durch Nestelknüpfen gewirkten Zauber ab. In ähnlichem Ruf stehen auf anderen Bäumen wachsende Ebereschen und die auf Bäumen schmarotzende Mistel. (MARZELL i. Handwörterbuch, IV,271f.)
Zauberkordeln, in die drei Knoten geknüpft waren, verkauften Hexen an Seeleute, damit denen der Wind günstig war. Das Lösen des einen Knotens sollte mäßigen Wind hervorrufen, des anderen einen heftigeren und des dritten einen Sturm (DONOVAN, 76).
Im Samland riet man: Knüpft man soviel Knoten in einen Faden als man Warzen hat und läßt die Knoten von einem Anderen zählen, so bekommt dieser die Warzen. (FRISCHBIER, 95)
Andere Ausdrücke für das Nestelknüpfen sind Senkelknüpfen, Schloßschießen oder Bruchverknüpfen (BIEDERMANN, 319).