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| Zauberei | |
Das Aussprechen von Zaubersprüchen, Beschwörungsformeln oder Bannflüchen, auch die Namensgebung.
Dabei deckte sich ehedem der Zauberspruch im Grundsatz mit dem religiösen Gebet. (MALA, 124)
Zaubersprüche sind Sprüche oder Formeln, die eine bestimmte zauberische Wirkung hervorbringen sollen. Sie gehören zu den ältesten Zeugnissen der Literatur, in der deutschen beispielsweise die Merseburger Zaubersprüche.
Bekannt ist die bereits aus dem 3. Jahrhundert überlieferte Verwendung des Zauberwortes Abrakadabra.
Im alten Orient, in Assyrien / Babylonien, gab es eine reiche Beschwörungs-Literatur, auf die auch die Bibel anspielt (Psalm 58,6). 1. Samuel 28 beschreibt, wie Saul in Sorge vor den Philistern die Wahrsagerin von Endor aufsucht, die ihm den Samuel von den Toten heraufbeschwört.
Meistens wird beim Zauberspruch das gesprochene Wort durch weitere magische Handlungen unterstützt und Beachtung besonderer Vorschriften der Reinheit ist notwendig, damit die beschworenen Dämonen den Beschwörenden nicht gefährlich werden.
Solche Vorsichtsmaßnahmen sind ein sorgfältig ausgeführter magischer Kreis, Waschungen, Keuschheit oder Gebete. Die Beschwörung findet zu günstigen Zeiten statt, bevorzugt zur Geisterstunde oder zum Wechsel der Jahreszeiten.
Benutzt werden auch Medien, etwa unschuldige Kinder, welche für die Signale des Jenseits besonders empfänglich sein sollen. Hat die Beschwörung das erwünschte Ergebnis erbracht, muß der Geist sorgsam zurückgebannt werden, etwa, indem das Ritual in umgekehrter Richtung wiederholt wird und dabei auch der Name des Geistes rückwärts gesprochen wird.
Beim Ritzen der Runen werden je nach Verwendungszweck bestimmte Zaubersprüche aufgesagt.
Bekannt ist das Aussprechen des Namens Christi gegen böse Dämonen oder den Teufel oder das Vater Unser beim Exorzismus.
Gern wurden bzw. werden auch einzelne Verse aus der Bibel notiert und als Amulett am Körper getragen. In der Antike wählte man dazu gern bestimmte Stellen bei HESIOD, aus HOMERs Odyssee und Ilias oder aus VERGILs Aeneis. (HABIGER-TUCZAY, 84)
Auch das Besprechen von Warzen gehört zur Wortmagie, ebenso die Entschuldigung.
Einer Beschwörung wird zwingende Wirkung zugesprochen. Sogar die Gottheit kann mit ihrer Hilfe genötigt werden, weshalb die Bibel Beschwörungen allgemein verbietet (5. Mose 18,11f.).
Weniger brisant sind die einfachen Zauber- und Segenssprüche des Alltags, etwa das Weiße Vaterunser für gute Nachtruhe: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, segne das Bett in dem ich liege.
Auch selbstverständliche Ausdrücke wie eine Entschuldigung oder Gesundheit! sind im Grunde Zaubersprüche, hier zur Reinigung von Schuld und zur Abwehr eines Krankheitsdämons.
Im Aberglauben heißt es man soll dem todten keinen namen zurufen, sonst wird er aufgeschrien. (GRIMM, Bd. III, 463)