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| Magie, Zauberei | |
Bei Sichtung der zeitgenössischen Literatur oder der zahlreichen Internetseiten zur Magie fällt der lebhafte Streit um die Begriffe Schwarze Magie und Weiße Magie auf, wobei teilweise gegeifert wird, als sei die Inquisition am Werke.
Gängig sind Interpretationen, mit Schwarzer Magie seien böswillige, schadenbringende Praktiken, mit Weißer Magie gutgemeinte, nützliche gemeint. Völlig der Wertung sich enthaltender bevorzugen Begriffe wie Chaosmagie, mit der Begründung, Magie sei weder gut noch schlecht sondern schlicht eine gegebene Kraft, wie es beispielsweise auch keine gute oder böse Schwerkraft gibt.
Bereits in der Antike gab es die Unterscheidung zwischen weißer theurgischer Magie und schwarzer goetischer Magie. Dabei sind die Methoden jeweils die gleichen, unterschieden wird die Zielsetzung. Die goetische Magie ist demnach der Schadenszauber (Maleficium), die theurgische der wohltätige Zauber (Beneficium). Weil die Schadenszauberei bereits im Altertum strafbar war, setzten sich die guten Theurgen von den bösen Goeten ab.
Mit der Christianisierung gewann die Abgrenzung ein religiöses Moment. Auch wenn die übermenschlichen und unerklärlichen Taten von Jesus Christus (der von nichtchristlichen Kommentatoren selbstverständlich als Zauberer bezeichnet wurde) oder den Aposteln und Heiligen lieber als Wunder bezeichnet wurden, so war doch eine Unterscheidung zum nicht bestrittendem Zauber der konfessionellen Konkurrenz nötig (z. B. wurden die Zaubertaten eines Simon Magus keineswegs bestritten, die Apostel Philippus und Simon Petrus waren nur stärker (Apostelgeschichte 8, 9-13), ganz zu schweigen von Moses und Aaron, die mit ihrem Zauber die Künste der Priester des Pharao überwanden (2. Mose 7,8-13). Auch den hochgeschätzten Salomo konnte man schlecht als bloßen Schwarzkünstler abtun.
Als Ausweg bot sich die Unterscheidung der benutzten Kraftquelle an, wobei die von den Heiligen gewirkten Wunder aus der Kraft Gottes speisen, während Hexen und Magier zu ihren Zwecken dessen Gegenpol, den Teufel als Beistand hätten.
Nach Augustinus war Magie nur aufgrund dämonischer Hilfe möglich und die Zauberhandlungen beruhten auf dem Vertrag zwischen Magier und Dämonen (nach HABIGER-TUCZAY, 70), noch weiter geht Thomas von Aquin, der überhaupt abstreitet, ein Mensch könne Zauber bewirken, es sei immer direkte Handlung einer höllischen Macht, alle magischen Künste den Dämonen zuzuschreiben (nach ebd., S. 72).
Das entspricht der dualistischen Vorstellung, dem himmlischen Kyrios und seinen Engeln stehe der höllische Satan samt seiner Dämonenschar gegenüber. In diesem Sinne war allerdings jegliche Zauberei, einerlei ob Maleficium oder Beneficium, ein Werk des Teufels. Das berüchtigte Bibelwort von den Zauberinnen, die man nicht am Leben lassen solle (2. Mose 22,17) gewann dadurch wieder an Aktualität.
Wo kein Dualismus zwischen guter und böser Welt angenommen wird, sondern eben alles für gegeben erachtet wird, bedarf es derart strikter Trennung nicht, hier ist allein entscheidend, ob Nutzen oder Schaden erzeugt wird. Die Schwierigkeit liegt dabei natürlich in der Sicht der Dinge: Wer zum Beispiel zaubert, um einen Dieb zu schwächen, der tut dem Bestohlenen wohl, dem Dieb hingegen schadet er, und was der Bestohlene mit dem wiedererlangten Gut anfängt, steht dahin. Des einen Robin Hood ist des anderen Erzgauner. Hier geht es der Magie wie der Naturwissenschaft: Der Wissenschaftler mag völlig wertfrei forschen (Chaos), die Ergebnisse lassen sich meistens zum Guten wie zum Bösen anwenden.
Zum Unterschied zwischen Magier und Zauberer schrieb Eliphas Lévi: Es gibt echtes und unechtes Wissen, eine göttliche und eine höllische, d. h. lügnerische, schwarze Magie. (...) Der Magier verfügt über eine ihm bekannte Kraft; der Zauberer treibt nur Mißbrauch mit etwas ihm Unbekannten.
Der Teufel (...) unterliegt dem Magier, aber der Zauberer ergibt sich dem Teufel.
Der Magier ist der Oberproester der Natur, die der Zauberer nur entweihen kann.
Der Zauberer ist im Vergleich zum Magier das, was ein Abergläubischer und Fanatiker gegen einen wahrhaft Religiösen ist. (Transzendentale Magie, 89f.)
Die schwarze Magie ist für Lévi wahrlich nichts als eine Reihe von Entheiligungen und abgestuften Morden, gut um auf immer den menschlichen Willen zu verderben und im lebendigen Menschen das verabscheuungswürdige Trugbild eines Dämons wachzurufen. Sie ist schlechthin die Religion des Teufels, der Götzendienst der Finsternis, der auf die Spitze getriebene Haß auf alles Gute. Sie ist die Verkörperung des Todes und das ewig fortbestehende Werk der Hölle. (Transzendentale Magie, 225)