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 Wesen
 
 

Zwerge

(ahd. twerg, mhd. getwerc, obds. zwerch, mds. querch, ags. dweorh, engl. dwarf, anord. dvergr, dän. dværg) Allgemein meint man mit diesem gemeingermanischen Begriff (GOLTHER, 127) kleinwüchsige Wesen von menschenähnlichem Äußeren, dabei häßlich, dickbäuchig, bucklig und bärtig. Wie die gewaltigen Riesen besitzt solches Gezwerg übermenschliche Kraft. Es heißt, die Zwerge seien schlau und zauberkundig. Ihr Wohnort ist das Erdinnere, sie leben in Minen, Höhlen und Gestein. Ihre unterirdische Lebensweise macht die Zwerge empfindlich gegen das Licht der Sonne; man nennt sie auch die Unterirdischen.

Dem Zwergenvolk steht — wie den Alben insgesamt, zu denen diese Geistwesen (das mittelhochdeutsche Zeitwort zwergen, „drücken”, soll auf eine Verwandtschaft mit Maren und Druckgeistern deuten, GOLTHER, 127) gezählt werden — ein König vor, zum Beispiel ist der Alberich des Nibelungenliedes Dienstmann der Könige Schilbung und Nibelung, andere Zwergenkönige sind Goldemar, Sinnels, Laurin oder Gübich, oft wird unpersönlich vom „Zwergenkönig” gesprochen. Ein Fürst der Zwerge ist Heiling. Wer einen solchen Zwergenkönig überwindet, der wird zum Herrn des Zwergenreichs mit seinem meist phantastischen Reichtum. Als Siegfried Alberich besiegt hatte, zählte der samt seiner Nibelungen zu seinen Vasallen, dem Wölundur gelingt ähnliches. Auf Sylt herrschte der Sage nach der Zwergenkönig Finn.

Als Bewohner des Erdinnern mit seinen Erzgängen sind sie Bergleute, Hüter von Schätzen und geschickte Schmiede. Gern verdingen sie sich, sowohl Gottheiten wie Menschen.

Beispiele für Zwerge sind die zahlreichen Dvergr der nordgermanischen Mythen, deren Wohnung Schwarzalbenheim ist (Namen siehe dort), der hilfreiche lettische Zwerg Rukis oder der zwergenhafte ägyptische Bes.

Gartenzwerg
Gartenzwerg
 
Den Zwergen ähnlich sind die zahllosen kleinen elbischen Wesen, die dem Menschen in Haus und Flur begegnen, etwa das Stille Volk, die Kobolde oder die Gnome.

Ähnlich vieler dieser Wesen sollen Zwerge diebisch sein und eine Vorliebe für Menschenkinder haben, welche sie aus der Wiege rauben und gegen ihren eigenen Nachwuchs oder gar sich selbst austauschen. (GRIMM, 387; siehe Wechselbalg)

Zwerge sollen eine besondere Vorliebe für Erbsen haben. Dagegen meiden sie den Knoblauch.

Der von GRIMM als Zwergname mitgeteilte Titel „König Knoblauch” (Deut. Myth. I., 375) u. Sagen Nr. 490) sei daher als Spottname deutbar (KUHN u. SCHWARTZ, C. A. 10).

 

Wilhelm von Auvergne (um 1180-1249) warf die Frage auf, ob Zwerge (wie auch Faunen, Nymphen, Geister u. dgl.) Dämonen, Tiere oder Menschen seien. (DAXELMÜLLER, 97f.)

 

Bezeichnungen für Zwerge

So zahlreich das Zwergenvolk gedacht ist, so vielfältig sind auch ihre Bezeichnungen.

Die folgende Sammlung wird fortgesetzt:

„Der gebräuchlichste Name für dieselben in Norddeutschland ist der der Unterirdischen, unnerêrdschken.” Am Harz sagt man Zwerge, querje, querxe, in Zwischenahn im Oldenburgischen zuweilen êrdske wichter. In Scharrel im Saterland heißen sie ôlkers, am Hümmling ôlken, aulken, auch bargmänkes oder êrdmänkes. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 224, 225)