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Diese Laune der Natur gilt hier als ungutes Vorzeichen, da als verehrungswürdiges Geschick.
Das Phänomen der Zwillingsgeburt wurde im Volksglauben darauf zurückgeführt, daß die werdende Mutter während ihrer Schwangerschaft zusammengewachsene Früchte gegessen hatte.
Mancherorts, beispielsweise in Teilen Westafrikas, heißt es, Zwillinge hätten im Mutterleib Unzucht getrieben, weshalb häufig einer von ihnen nach der Geburt getötet wird (BIEDERMANN, 507)
Ein Zwillingspaar erscheint in etlichen Mythen; Religionen bauten darauf Systeme vom Guten und vom Bösen auf. Der Pfad des Guten und der Pfad des Bösen beginnt an der gleichen Wegkreuzung, ohne Licht gibt es keine Schatten, ohne das Böse gibt es nicht das Gute.
Bei christlichen Häretikern des Mittelalters führten solche Überlegungen zu der Ansicht, Gott und Teufel seien Zwillingsbrüder. So versuchten sie den mißlichen Umstand aufzulösen, daß ein allmächtiger Gott allein auch sämtliche Übel zu verantworten habe, was im Widerspruch zum Ideal von Nächstenliebe und Gnade steht. So gesellte man zum Gott den Teufel, dessem Wirken alle Scheußlichkeit angelastet werden konnte. Allerdings ist mit solcher Lehre auch die Vorstellung eines einzigen Gottes hinfällig, auch wird eine gebärende Kraft erforderlich, die die Polaritäten hervorbrachte.
Solcherlei Überlegungen konnten sich verständlicherweise nicht bei der Amtskirche durchsetzen.
In der griechischen Mythologie sind die Dioskuren Kastor und Polydeukes die Zwillingsgötter des Morgen- und Abendsterns. Ehedem sollen sie gemeinsam Könige von Sparta gewesen sein.
Andere altgriechische Zwillingsherrscher waren Idas und Lynkeus (Messina), Proitos und Akrisios (Argos), Herakles und Iphikles (Tiryns), Eteokles und Polyneikes (Theben). Alle diese deuten nach RANKE-GRAVES auf eine in mykenischer Zeit übliche Herrschaftsform im östlichen Mittelmeerraum hin (n. BIEDERMANN, 507)
Auch die alten Atlanter sollen - soweit geschichtlich - von den Zwillingen Atlas und Gadiros, Ampheres und Eudamion, Mnesus und Autochthon, Elasippos und Mestor, Azaës und Diaprepes beherrscht worden sein, alles Söhne des Gottes Poseidon (PLATON, Kritias 113e-114c, zit. n. SPANUTH, 461f.). Dieses könnte auf ein Doppelkönigtum hinweisen, wie es auch die Guanchen auf den Kanarischen Inseln kannten, wobei es nicht unbedingt Zwillinge im biologischen Sinne gewesen sein müssen, zumal die griechischen Zwillings-Heroen oft gegensätzlichen Temperaments (aktiv-passiv, sanft-kriegerisch usw.) waren (BIEDERMANN, 507).
Die Kelten kannten Dylan und Lieu. Diese Mächte von Licht und Finsternis wurden gleichzeitig von der Arianrhod geboren.
Die Germanen kannten das Zwillingspaar Freyja und Freyr.
Helel gebar die Zwillinge Shaher und Shalem, in Kanaan die Götter von Morgen- und Abendstern.
Ein slawischer Weißer Gott ist der Belbog, dem der Schwarze Gott Czernobog gegenübersteht.
Bei den Persern (Zoroastriern) entsprossen Ahura Mazda und Ahriman der unendlichen Zeit Zurvan.
Für Gut und Böse standen die Zwillinge Spenta Mainyu und Angra Mainyu.
Ein anderes Zwillingspaar sind die beiden Fackelträger des Gottes Mithras, Cautes und Cautapates.
Nach gnostischer Vorstellung ist der Zwillingsbruder des Sonnengottes Apollo bzw. Helios. Dieser Bruder ist die Schwarze Sonne Sol Niger und König der Unterwelt.
Ein Phänomen ist die bei eineiigen Zwillingen beobachtete Neurogamie, d. h. das Empfinden eines Gefühls durch den einen der Zwillinge, dessen Ursache der andere erlebte (SCHRÖDTER, 81).
Zwillinge ist das dritte der Tierkreiszeichen, das vom 21. Mai bis zum 22. Juni die Sonne beherrscht.
Das Sternbild Zwillinge (Gemini) besteht aus den beiden (nach den gr. Dioskuren benannten) Sternen Kastor und Pollux, die von der Erde aus gesehen in enger Nachbarschaft stehen und gleich hell vom nächtlichen Himmel herabstrahlen.