HERODOTOS - Biographische Daten, Erfahrungshorizont, Werke
Geboren
- Ca. 484-425 v. Chr. in Halikarnassos, Karien (in Kleinasien, zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer )
Leben
- Herodot kam aus guten Verhältnissen, allerdings war der Vater Lyxes als semitischer Karer aus griechischer Sicht ein Barbar. Herodots Mutter war dorische Griechin.
- In vornehmen Kreisen war eine gute Ausbildung in ,höheren’ Künsten und Wissenschaften üblich, wahrscheinlich war er sogar vermögend.
- Halikarnassos war in Herodots jungen Jahren monarchisch und stand zeitweise unter persischer Oberherrschaft. Herodot muss also mit den Persern vertraut gewesen sein.
- Herodot ging wegen politischer Streitigkeiten mit dem Tyrannen Lygdamis ins Exil nach Samos und da er anscheinend längere Zeit nicht nach Hause zurück gehen konnte, unternahm er ausgedehnte Reisen.
- Herodot bereiste Südosteuropa von Tunesien bis Irak und von Russland bis Ägypten, Schwerpunkt waren die Küsten Griechenlands und der Türkei.
- Es gibt Gegner dieser Annahmen, die sagen er sei ein Schreibtischtäter gewesen.
- Die Athenische Öffentlichkeit bekam von ihm allerlei Wundersames und Spannendes über die gesamte Welt, bis hin zu den Völkern am Rande der Oikumene (Hyperboräer = Menschen, die nördlich/über dem Wald wohnen also evtl. Slaven und Germanen), Araber, Inder, Thraker und viele mehr. Herodot verdiente nämlich seinen Unterhalt mit reportage-ähnlichen aber durchaus auch witzigen und sensationellen Vorträgen aus aller Welt, die nicht immer der Wahrheit entsprachen, so kamen hasengrosse Ameisen ebenso vor wie geflügelte Schlangen.
- Er erweiterte seine Reiseberichte um mehr oder weniger glaubwürdige Augenzeugenberichte, die er auf seinen Reisen aufschnappte und weitererzählte. Allerdings muss sein Talent gross gewesen sein, denn Herodot wurde olympischer Preisträger in Literatur.
- Um 445, also mit ca. 50 Jahren, wurde Herodot von Perikles als literarischer Autor eingesetzt. Sein Thema: Der Krieg zwischen Persern und Griechen im ersten Viertel des 5. Jhdts.
- Die dafür nötigen Recherechen brachten mit sich, dass er viele Orte des Kriegsgeschehens bereiste.
- Im Werk Herdots sind zwei verschiedene literarische Gattungen zusammengekommen:
- ethnographische Berichte einerseits und
- eher militärisch-politische historische Darstellung der Perserkriege andererseits.
- Hauptaspekte seiner Betrachtungen und Berichte waren allerdings die militärisch und kulturell wichtigsten Völker Persien und Ägypten.
- Augenzeugenberichte,
- Originalschauplatz-Besichtigungen.
- In Thurici ( Süditalien ) tat er sich zuguterletzt anscheinend als Kolonial-pionier hervor, denn die Gegend um Thurici war eine Kolonie der Sybariten und Athens. Herodot reizte dieser Standort, da er von hier die bei den Griechen gefürchteten Tyrrhenoi (Etrusker) aus der Nähe studieren konnte.
- Herodot starb angeblich um 425 vor Christus in Thurici.
- Um 425 schrieb er eine Parodie des überaus populären Gelehrten.
Werk
- In seinem Werk, dem ersten großen Prosastück griechischer Literatur, beschäftigt sich Herodot genauer mit den Ursachen des Perserkrieges.
- Die Athener Zuhörerschaft bekam durch ihn ein von
- Vorurteilen (z. B. alle nicht-Griechen sind kulturlose Barbaren)
- und Topoi (z. B. in fremden Ländern gibt es immer Schätze ungeheuren Ausmaßes) gespicktes, allerdings auch an Fülle und Detailreichtum kaum übertroffenes Weltbild überliefert
- Unterteilt ist sein Werk in das Proömium, eine einleitende Rechtfertigungs-Schrift und die neun Musen, allerdings ist nicht klar, ob er die Unterteilung selbst vorgenommen hat oder erst 600 Jahre später alexandrinische Philologen.
- Den fünf Persischen Königen Kroisos, Kyros, Kombysos, Dareios und Xerxes widmet er in seinem Werk besondere Aufmerksamkeit.
- Herodot macht im wesentlichen drei Hauptaussagen:
- Die fremden Länder haben auch grosse Taten hervorgebracht, die es zu erinnern gilt.
- Die fremden Länder sind umso exotischer, je weiter sie von Athen entfernt sind, haben aber nicht nur Fremdes zu bieten, sondern auch erstaunliche Ähnlichkeiten mit der zivilisierten Welt.
- Es lohnt sich aus pädagogischen, militärisch-taktischen und politischen Gründen, die Völker der Erde zu beobachten.
- Herodot untersuchte,
- welches Volk militärisch gefährlich sein könnte,
- wie die Ursprüngsmythen und Religionen der Völker sind,
- wie die fremden Völker Handel treiben,
- wie ihre Gesellschaften organisiert sind,
- wie ihr Sexualverhalten ist,
- wie die Unterschiedlichkeit der Menschen zustande kommt (Grund: Geografie)
was man von den Barbaren lernen könnte
Diskussion
- Zu der umstrittenen Glaubwürdigkeit Herodots ist zu sagen, dass er zwar eine wahre Vielfalt an Unwahrheiten, Ungenauigkeiten und Gerüchten weiterverbreitet hat, allerdings könnte man ihn als eine Art neutraler Übermittler von Neuigkeiten betrachten, der Gehörtes und Überliefertes weiterleitete und es der Zuhörerschaft überließ,nach eigenem Ermessen ein Urteil zu fällen.
- Auch Caesar berichtete von Elchen ohne Knie, die sich an Bäume zum Schlafen lehnten und diese zum Umstürzen brächten. Trotzdem ist Caesar nach wie vor eine wertvolle geschichtliche Quelle.
- Die indischen hundsgrossen Ameisen mit Leopardenfell, die nach Gold graben sollen könnten Murmeltiere gewesen sein, ebenso könnten die Adler Nordeuropas, die an der Ostsee dem Sammler das Bernstein abjagen wollen, in wirklichkeit Möwen gewesen sein, die sammeln nämlich, ähnlich Elstern, blinkende Gegenstände. Ein wahrer Kern dürfte also auch bei den fantastischsten Geschichten stets zu suchen sein, absichtliches Lügen Herodots ist nicht immer nachweisbar, oft äussert er sogar Zweifel an bestimmten Überlieferungen oder biegt sie so zurecht, dass sie sich seinen Ansprüchen auf Plausibilität besser zu fügen vermögen.
- Herodot gibt sogar quasi schmunzelnd an, dass es sich bei manchen der unglaublichen Tiere nicht um erfundene handelt.
- Herodot steht an der Schwelle vom traditionell orientalischen Geschichtenerzähler zum ethnologischen und historischen, auf jeden Fall militärhistorischen Berichterstatter und mit Recht wird er Vater der Geschichtsschreibung und Vater der Ethnologie genannt.
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