| Babylonier | ||
Um 900v. drang dieser semitische Stamm (bzw. mehrere Stämme), ein Zweig der Aramäer, in Babylonien ein und errang ab 722 v. unter Merodach-Baladan vorübergehend die Herrschaft.
Während der neubabylonischen Dynastie (mit den Königen Nabupolassar, Nebukadnezzar u. Nabonid) gewannen sie derart an Einfluß, daß der Begriff Chaldäer gleichbedeutend mit Babylonier wurde (so in 1.Mose 11,28ff., die Stelle nennt Abrahams Geburtsort bei Ur Chaldäa, desgleichen 1. Mose 15,7).
In wieder eingrenzender Richtung meinte der Begriff später die babylonische Priesterschaft, deren Einfluß auf die Wissenschaften von den Sternen und der Magie im antiken Mittelmeerraum äußerst hoch einzuschätzen ist (siehe Daniel 2,2ff, Nebukadnezar läßt sich einen Traum deuten). Bis weit über das Mittelalter hinaus wurde Chaldäer zu einem Synonym für Sterndeuter und Magier schlechthin.
Die Chaldäer führten ihr Wissen auf sieben halbgöttliche Wresen zurück, die in grauer Vorzeit aus dem Roten Meer stiegen und die Babylonier alles menschliche Wissen lehrten. Das erste dieser Annedoten genannten Wesen hieß Oannes, ein Mischwesen aus Mensch und Fisch, ihm folgten weitere, die das Wissen in anderer Form wiederholten und beschrieben.
Dieser Oannes war einem Ei entschlüpft, das dem Chaos entsprungen war. Ein anderes Ei enthielt die Omorca. Die regierte alle ungeformten Ungeheuer, ehe sie von Belus in Himmel und Erde geteilt wurde.
Chaldäische Zauberliteratur wurde in der Bibliothek von Ninive gefunden, es handelte sich dabei um beschriftete Tontafeln. Das ursprünglich etwa 200 Tafeln umfassende Material gilt als spätere Abschrift einer zwischen 884v. und 860v. entstandenen Literatur. Beschrieben ist darin (neben anderem) eine bis ins Kleinste gehende Systematik der Dämonen, die, eingedrungen über jüdische Vorstellungen, die christliche Dämonologie des Mittelalters geprägt haben soll. Einige dieser Dämonen sind Asak, der dem Kopf schadet, Nemtor, der nach dem Leben trachtet, Utuk erregt Erkrankungen des Halses, Alu befällt die Brust, Ekim die Eingeweide und Gallin die Hand (HABIGER-TUCZAY, 33f.).
Zur Abhilfe empfohlen wurden Schutzamulette und Talismane, bereits Besessenen sollten Abbilder des Dämonen selbst helfen, die durch den greulichen Anblick ihrer selbst erschrocken aus dem Körper ausfuhren (ebd., 34).