| Babylonier / Chaldäer | ||
Auch Sisithrus, gr. Xisuthros. Ein Flutheld, der zu den Göttern entrückt wurde. Xisuthrus soll der zehnte chaldäische König vor der Sintflut gewesen sein, er war Sohn des Otiartes oder des Adartes.
Kronos oder Saturn eröffnete ihm im Traume, den 15ten des Monats Däsia oder Desius, sollte das menschliche Geschlecht durch eine Wasserfluth vertilget werden, und er daher den Ursprung, Fortgang und Ende aller Dinge aufschreiben und solches in der Sonnenstadt Sippara vergraben. Xisuthrus gehorchete und bauete ein Schiff, das fünf Stadien lang und zwo breit war. Kaum hatte er sich hinein begeben, so wurde die Erde überschwemmet. Nach einiger Zeit ließ er einige Vögel ausfliegen, die bald wieder zurück kamen: das dritte Mal aber blieben sie aus. Dieß ließ ihn muthmaßen, daß die Erde wieder trocken geworden. Er öffnete sein Schiff, und sah, daß es sich auf einen Berg gesetzet, da er denn mit seiner Frau, seinen Kindern und dem Steuermanne dasselbe verließ. Sie betheten die Erde an, errichteten einen Altar, opferten den Göttern und verschwanden. Als diejenigen, die im Schiffe geblieben waren, sie nicht wieder kommen sahen, so giengen sie ebenfalls heraus und sucheten und riefen sie vergebens. Eine Stimme aber meldete ihnen endlich, Xisuthrus wäre wegen seiner Frömmigkeit mit seiner Gesellschaft zu den Göttern gegangen, daselbst zu wohnen. Sie befahl ihnen, seine vergrabenen Schriften zu holen und nach Babylon zu gehen. aus: B. Hederich, Gründliches mythologisches Lexikon, reprographischer Nachdruck der Ausgabe von 1770, Darmstadt 1996, Spalte 2495f. |
Als Flutheld ähnelt Xisuthrus den Stammeltern der Hellenen, Deukalion und Pyrrha, die einer von Zeus gesandten Flut entkamen. Aus Sumer ist der Fluthelt Ziusudra bekannt, aus der Bibel Noah, der der Sintflut Jahwes entrinnt.
Das seltene Phänomen der Entrückung erfuhren außer Xisuthrus auch die biblischen Gestalten Henoch und Elia.