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   Christentum - Wiedertäufer
 

Johann Bockelson

(Jan van Leiden, 1508 bis 136) Ein Führer der Wiedertäufer in Münster.

Nockelson war unehelicher Sohn einer holländischen Bäuerin und gelernter Schneider. Als fahrender Handwerker reiste er umher und traf 1533 auf die Wiedertäufergruppe um Jan Matthys, schloß sich ihnen an und kam zu ihnen im Januar 1934 nach Münster, wo er sich als fähiger Organisator religiöser Großveranstaltungen erwies.
Die Bewegung verbreitete sich rasch und schon im April 1534 war ihre Zahl derart angewachsen, daß Jan Matthys gegen die Münsteraner Obrigkeit revoltierte, die lutherische Mittelschicht aus der Stadt vertreiben und sich zum Diktator aufschwingen können. Der Münsteraner Bischof reagierte mit der Entsendung einer Söldnertruppe, welche mit der Belagerung Münsters begann. Als eine Gruppe Wiedertäufer unter Führung des Jan Matthys einen Ausfall wagte und dabei am 5. April 1534 umkam, trat Bockelson seine Nachfolge an.

Im August 1534 rief sich Bockelson zum König aus und errichtete ein theokratisches Regime, zu seinem Ministerpräsidenten ernannte er Bernt Knipperdolling. Er rief zur Polygamie auf und heiratete neben Jan Matthys’ junger Witwe Divora noch fünfzehn weitere Frauen. Grausam unterdrückte Bockelson jeden, der ihm nicht folgen und an seine göttliche Sendung glauben wollte.

Am 24. Juni 1534 hatten Königreich und apokalyptische Tyrannei Bockelsons ein Ende, indem bischöfliche Truppen Münster erobern konnten und zahlreiche Anhänger Bockelsons töteten oder gefangen nahmen. Bockeolson selbst wurde inhhaftiert, gefoltert und anschließend — das war seinerzeit so üblich — in einen Käfig gesperrt ausgestellt, ehe er im Januar 1536 hingerichtet wurde.

Die grotesken Begleiterscheinungen der Wiedertäuferherrschaft über Münster (Matthys schon hatte alle Bücher bis auf die Bibel zerstören lassen) ruinierten auf lange Sicht den Ruf dieser religiösen Bewegung.

Von Heinrich Aldegrever (1502 bis 1558) ist ein Kupferstich-Portrait des „Königs der Wiedertäufer” erhalten.

Quelle: im wesntl. n. RACHUM, Enzyklopädie der Renaissance, S. 62