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   Christentum - Reformation
 

Philipp Melanchthon

(Reformator, eigentlich Schwarzerd, 1497 bis 1560) Der am 16. Februar 1497 in badischen Bretten Geborene war Humanist und wichtigster Mitstreiter Martin Luthers. Der „Praeceptor Germaniae” starb am 19. April 1560 in Wittenberg.

Briefmarke der Deutschen Bundespost zum 500. Geburtstag Philipp Melanchthons.
1997 erschien eine 100-Pfennig-Marke der Deutschen Bundespost zum 500. Geburtstag Philipp Melanchthons.

 
Sein Vater war Waffenmeister am Kurpfälzischen Hof. Weil dem sein Beruf keine Zeit zur Betreuung der Kinder ließ, gab man den Knaben in die Obhut des Großvaters, der ihn die lateinische Schule besuchen ließ. Doch als Philipp gerade elf Jahre alt war, verstarben kurz nacheinander der Vater und der Großvater und man brachte ihn nach Pforzheim zu seinem Großonkel mütterlicherseits, Johannes Reuchlin, der schon damals einen Ruf als hervorragender Gelehrter hatte und die Anlagen seines Ziehsohns erkannte.

Von Johannes Reuchlin erhielt der junge Schwarzerd den Namen Melanchthon (gr. von „schwarz” und „Erde”). Latinisierung und Graecisierung des Eigennamens war später ein allgemein üblicher Brauch des sich auf das antike Schrifttum beziehenden Humanismus.

Nach nur einem Jahr an der Lateinschule schickte Reuchlin den erst zwölfjährigen Knaben bereits auf die Universität Heidelberg. So rasch wie die Schule schloß Melanchthon auch das Studium ab. In Heidelberg hielt man ihn aber für noch zu jung für einen akademischen Titel. Also begab er sich nach Tübingen, wo er zum Erweb des Magister artium zugelassen wurde und schon kurz darauf Universitätslehrer der griechischen Sprache wurde.
Auf Vermittlung Reuchlins begab sich Melanchthon anschließend nach Wittenberg, wo man dringend Lehrer für die neugegründete Hochschule benötigte, ab 1518 war Melanchthon in Wittenberg Professor für Griechisch.

In Wittenberg kam er in Kontakt mit dem Gedankengut Martin Luthers und wurde dessen Freund und bedeutendster Mitarbeiter.

1521 verfaßte Melanchthon eine systematische Übersicht über Luthers Lehre und KLehrbuch des evangelischen Glaubens.
Luther soll zu dieser Loci communes rerum theologicarum übertitelten Schrift gemeint haben: „Es gibt kein besseres Buch nach der Heiligen Schrift.”.
Darin befaßte sich Melanchthon besonders mit Luthers Ansichten zur Rechtfertigung, also der Lehre, daß Gott auch den sündigen Menschen nicht verwirft, sondern um Christi willen in die Gottesgemeinschaft aufnimmt, wenn der Mensch nur glaubt. Unerheblich sei dagegen der religiöse und sittliche Lebenswandel des Menschen. Dagegen lehrt die katholische Kirche, diese Gemeinschaft sei durch sakramental begründete, heiligmachende Gnade und durch gnadenhaft ermöglichte menschliche Mitwirkung zu erlangen

Schon 1519 war Melanchthon an einer Disputation über Luthers Ansichten beteiligt (in Leipzig), weitere Religionsgespräche mit seiner Mitwirkung fanden 15219 in Marburg, 1540 in Worms, 1541 in Regensburg und 1557 wiederum in Worms statt.

Als eine der wichtigsten Schriften Melanchthons gilt das „Augsburgische Bekenntnis” (Confessio Augustana), das vornehmlich seine Hand entstammt. Er schrieb auch eine Verteidigung (Apologie) dazu.
Dieser Text entstand anläßlich des Reichstages zu Augsburg, bei dem die der Reformation zugeneigten Fürsten dem Kaiser Karl V. ein verbindliches Dokument ihrer Lehre vorlegen wollten; Luther selbst wollte bzw. konnte nicht bei dem Reichstag vorsprechen, da ihm eine Verhaftung wegen Ketzerei gedroht hätte. Am 25. Juni 1530 konnte das Schriftstück dem Kaiser übergeben werden, am 3. August kam von katholischer Seite die Confutatio genannte Gegenschrift zur Widerlegung der Protestanten.
Noch heute ist das „Augsburgische Bekenntnis” in allen sich auf Luther berufenden Kirchen wesentliche Grundlage des Glaubens. (Wenngleich die enthaltenen Lehren je nach Zeitgeist für mehr oder minder wesentlich erachtet werden; das gilt aber auch für die Schriften Martin Luthers und dessen Übersetzung der Heiligen Schrift.)

Allgemein galt Philipp Melanchthon als geschickter Vermittler, der auch zum Nachgeben bereit war und der darum der lutherischen Reform viele Türe öffnete, die einem ungestümen Charakter wie Luther verschlossen geblieben wären. Kompromißlos-strenge Lutheraner kreideten ihm aber gerade das als Verfehlung an und bemängelten insbesondere Melanchthons Haltung zu Luthers Abendmahlslehre, die er mit der katholischen Auffassung zu versöhnen suchte.

Auch wurden Melanchthon und andere gemäßigte Protestanten angegriffen, weil ihnen das Leipziger Interim, eine für Norddeutschland abgeschwächte Form des vom Kaiser als Reichsgesetz verkündeten Interims, demnach die großen religiösen Fragen (Bekenntnis und Kirchenverfassung der Protestanten) bis zu einer abschließenden Konzilsentscheidung vertagt werden sollten. Das mißviel vielen Katholiken ebenso wie strengen Protestanten und man warf von ihrer Seite aus Melanchthon und Gleichgesinnten Opportunismus vor.

 

Anhänger besonders der theologischen Linie Philipp Melanchthon nennt man Philippisten. Philippistische Kurräte wurden 1574 als Verräter der lutherischen Tradition Kursachsens inhaftiert und Wittenberger Theologen vertrieben.

„Philipp Melanchthon (Schwarzerd, 1497—1560) schreibt, er sei einst schwer an einem Flusse der Augen erkrankt, habe dagegen viele Arzneien vergeblich gebraucht, aber keine habe angeschlagen. Da habe ihm geträumt, er konsultiere den D. Philo und dieser habe ihm den Rat gegeben, Augentrost (Euphrasia) zu gebrauchen. Das habe er auch getan, und schon nach zwei Tagen sei er ganz gesundet. Also berichtet Johann Rudolf Camerarius in ,Memorabil. Medicinae Cent.’, Tr. II, p. 117 (Roters, 76).” (SCHRÖDTER, 209)

 

Außer als Reformator der Religion wirkte Melanchthon als Reformer von Schule und Universität und widmete sich dabei Fragen der Didaktik (der Lehre vom Lehren).
Briefmarke der Deutschen Bundespost zum 400. Todestag Philipp Melanchthons.
Den 400. Todestag Philipp Melanchthons würdigte die Deutsche Bundespost 1960 mit einem 20-Pfennig-Wert.
 
Er setzte sich für die Gründung staatlicher Schulen ein, welche nicht nur Kindern wohlhabender Elternhäuser, sondern allen jungen Menschen offenstehen sollten. Seinerzeit waren nämlich nur Klosterschulen oder der Unterricht durch Hauslehrer für die Bildung des Nachwuchses zuständig.

Für diese Bemühungen ehrte man Philipp Melanchthon mit dem Titel Praeceptor Germaniae („Lehrmeister Deutschlands”).

Am 19. April 1560 starb Philipp Melanchthon in Wittenberg und wurde in der dortigen Schloßkirche neben dem am 18. Februar 1546 verstorbenen Marin Luther beigesetzt.