| Christentum | ||
-- Artikel in sammelnder Vorbereitung --
(gr., Spaltung, Zwiespalt; Mz. Schismata o. Schismen) Unter einem Schisma versteht man die Trennung einer Religionsgemeinschaft in rechtlich selbständige Teilkirchen. Ist eine solche Teilkirche von zahlenmäßig geringem Umfang, so spricht man meist von einer Sekte.
Eine frühe Kirchenspaltung von Bedeutung wurde durch die Streitfragen beim Konzil von Chalcedon 451 hervorgerufen, das die zwei Naturen in der einen Person Christi (die hypostatische Union) zum Glaubenssatz bestimmte. Nach dieser Chalzedonischen Glaubensformel sind in der Person Jesu die göttliche und die menschliche Natur unvermischt und unzertrennlich enthalten. Die Folge war die Abspaltung der altorientalischen Kirchen von der Reichskirche.
484 verhängte Papst Felix II. über den Patriarchen von Konstantinopel den Kirchenbann, was zur Spaltung (Schisma) von West- und Ostkirche führte, die erst 519 überwunden wurde.
Das Morgenländische Schisma führte 867 zur Spaltung der Kirche in die orientalische (morgenländische, orthodoxe) und die abendländische (römisch-katholische) Kirche. 1054 kam es zum (vorerst) endgültigen Bruch.
Die als Abendländisches Schisma oder Großes Schisma bezeichnete Kirchenspaltung erfolgte aufgrund der Uneinigkeit über den rechtmäßigen Papst, zeitweilig gab es zwei oder sogar gleich drei miteinander konkurrierende Päpste. Diese Zeit der Kirchenspaltung währte von 1378 bis 1417.
In dieser Zeit soll das auch vorher an Skandalen nicht eben arme Papsttum moralisch völlig verdorben gewesen sein. Der Papsttumskritiker Otto von Corvin schrieb 1845: Man durchwandere ein Bagno mit der Schreibtafel in der Hand und lasse sich von jedem der Galeerensklaven erzählen, welche Verbrechen er begangen, so wird man ein Verzeichnis der schandtaten der Päpste in dieser Periode haben. (Pfaffenspiegel, 181)
Die Reformation brachte eine weitere Spaltung der abendländischen Kirche in die römisch-katholische Kirche und zahlreiche reformierte Einzelkirchen, aus denen wiederum zahlreiche weitere Gruppierungen hervorgingen, zu nennen sind besonders Wiedertäufer (Mennoniten), reformierte, anglikanische und lutherische Kirchen.
Aus den Anglikanern gingen im 17. Jahrhundert die Quäker und im 18. Jahrhundert die Methodisten hervor, aus den reformierten Kirchen nach 1600 die Baptisten. Von den Baptisten wiederum lösten sich 1816 die Adventisten, aus denen gingen 1881 die Zeugen Jehovas hervor.
Auch die römisch-katholische Kirche blieb nicht frei von weiteren Abspaltungen, gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden infolge des römisch-katholischen Unfehlbarkeitsdogmas die Altkatholiken.
Kirchenspaltungen sind kein rein christliches Phänomen, auch der Mosaismus oder der Islam brachte zahlreiche gesonderte Gruppierungen hervor.
"Schwieriger Besuch des Papstes in Athen. Historische Hypotheken belasten die Beziehungen" (NZZ 04.05.2001) "Meist wird das Jahr 1054 als Zeitpunkt der Kirchenspaltung genannt. In jenem Jahr hatte in Konstantinopel der päpstliche Legat, Kardinal Humbert von Silva-Candida, in einem theatralischen Akt den Patriarchen von Konstantinopel, Michael Kerularios, und dessen Parteigänger exkommuniziert. Kerularios konterte, indem er den Kardinal nebst dessen beiden Begleitern exkommunizierte. 1054 war aber nur ein Glied in der Kette zunehmender Entfremdung zwischen westlicher und östlicher Christenheit, die bereits zuvor eingesetzt hatte. Weitaus verheerendere Auswirkungen hatten die Kreuzzüge, unter denen keineswegs nur die muslimische und jüdische Bevölkerung des Nahen Ostens zu leiden hatte, sondern ebenso die orthodoxen Christen."