| Christentum / Bibel | ||
(griech. biblioi apokryphoi, verborgene Bücher) Hierunter versteht man religiöse Schriften, die nicht in die Bibel aufgenommen wurden und die nicht öffentlich in der Gemeinde gelesen werden, wie es die kanonischen Bücher werden.
Zuerst wurden geheime Schriften der Gnosis als biblioi apokryphoi bezeichnet, geheimte Texte, deren Inhalt vor Außenstehenden verborgen waren.
Die Bibel der katholischen Kirche enthält im alten Testament einige Bücher mehr als die der Protestanten. Diese Bücher gelten diesen als Apokryphen, jenen als Pseudepigraphen. Die katholische Kirche kanonisierte 1545 auf dem Konzil von Trient 45 alttestamentarische Bücher, sechs mehr als der jüdische (palästinensische) Kanon. Diese deuterokanonischen (zweit-kanonisch, zum Kanon hinzukommend) Bücher sind Tobias, Judith, Buch der Weisheit, Jesus Sirach, Baruch sowie das 1. und 2. Makkabäerbuch. Als Hieronymus das Alte Testament aus dem Hebräischen ins Lateinische übersetzte (die Vulgata) hätte er diese Bücher lieberfortgelassen und sich an den jüdischen Kanon gehalten, er fügte sich aber der Weisung des Papstes Damasus und übersetzte auch diese Pseudepigraphen, welche auch in der Übersetzung der Bibel ins Griechische, der Septuaginta, enthalten waren, die darüber hinaus noch einige mehr enthält (WEIDINGER, Die Apokryphen, 10).
Für das Neue Testament, also die Berichte vom Wirken Jesu, mußten die sich bildenden Gemeinden erst ein Schrifttum schaffen. In den Jahren 200 bis 400 bildete sich in vielfacher Auseinandersetzung der heute allgemein übliche Umfang von 27 Büchern heraus. Außer diesen gibt es eine ganze Reihe apokrypher Fassungen des Evangeliums, Offenbarungen und weitere erbauliche Schriften, die nicht in den Kanon aufgenommen und teils als gnostisch verworfen wurden (z. B. Petrusevangelium, Thomasevangelium, Die Sophia Christi, Bartholomäus-, Nikodemus-Evangelium, Pilatus-Akten usw.).
Der hl. Papst Gelasius I. (492 bis 496) versuchte die Apokryphen zu verbieten. Wenn ihm das glückte, dann wohl nur während seiner Regierungszeit, denn noch bis Ausgang des Mittelalters galten die Apokryphen als ebenso authentisch wie die vier kanonisierten Evangelien. (HABIGER-TUCZAY, 41)
Viele nur in den Apokryphen, besonders denen des Neuen Testaments, erwähnte Details gingen in die Volksfrömmigkeit ein (z. B. der Ochse und der Esel an der Krippe Jesu, die Namen der drei Könige), lieferten die Basis für die kirchliche Dogmatik (z. B. die Ausgestaltung der Hölle und die Freuden des Himmels) oder gaben Motive für die sakrale Kunst.