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   Christentum
 

Barabbas

(„Sohn des Abbas”) Nachdem Jesus von den jüdischen Hohepriestern dem römischen Statthalter Pontius Pilatus übergeben war und der ihn zu verurteilen hatte, stellte er das versammelte Volk vor die Wahl, entweder den Jesus oder aber den Barabbas freizugeben.

Pilatus hatte gehofft, an Jesus so nicht das Todesurteil vollstrecken lassen zu müssen, doch entschied sich das Volk auf Betreiben der Hohepriester für den Barabbas und Jesus erlitt den Kreuzestod (Markus 15).

Diese Begebenheit ist in den vier kanonischen Evangelien nur bei Markus, auch soll der Brauch einer Amnestie anläßlich des Passahfestes sonst nicht überliefert sein (Reclams Bibellexikon, 63). Barabbas wird in anderen alten Handschriften Jesus Barabbas genannt (ebd.).

LINCOLN, BAIGENT und LEIGH warfen darüber die Frage auf, wer dieser Barabbas überhaupt gewesen sein könnte und was sein Name bedeute. Die Variante Jesus Barabbas könne auch eine Korrumpierung von Jesus Berabbi sein. Berabbi war Titel höchster und angesehenster Rabbis und wurde dem Eigennamen angehängt. In diesem Fall könnte Jesus selbst gemeint sein. Oder es müsse Jesus bar Rabbi lauten. Das hieße dann „Jesus, Sohn des Rabbi”, doch ist von einem Rabbinertum des Vaters Jesu nichts bekannt. Allerdings könnte damit ein Sohn Jesu selbst gemeint sein, der den Namen seines Vaters erbte. Oder es wäre, drittens, Jesus bar Abba zu lesen, was schlicht „Jesus, Sohn des Vaters” bedeutet und nur dann sinnvoll wäre, wenn mit dem Vater ein ganz Besonderer gemeint ist. (Der Heilige Gral und seine Erben, 330f.)

Barabbas war als Aufrührer und Mörder verurteilt worden. Weil zur fraglichen Zeit historisch keine weiteren Aufstände überliefert seien, so die drei Autoren weiter, könnte der zur Anklage gebrachte Aufruhr der Tumult gewesen sein, den Jesus im Tempel veranstaltet hatte, als er die Tische der Geldwechsler umstieß. Barabbas hätte dann zum Gefolge Jesu gehört. Jedenfalls sei es einigermaßen unklar, warum Pilatus das Risiko eingegangen sein soll, einen gefährlichen Aufrührer freizugeben und einen harmlosen religiösen Schwärmer abzuurteilen, andererseits die Juden die Freiheit eines Verbrechers forderten, wenn der nur ein gewöhnlicher Räuber ohne weitere Bedeutung gewesen sei. (LINCOLN, BAIGENT und LEIGH, 332)
Einleuchtend sei dagegen die von D. JOYCE 1973 gebrachte These, Jesus sei legitimer König der Juden und Barabbas sein Sohn gewesen. Die Juden hätten dann in Sorge um den Erhalt der königlichen Dynastie den unrettbaren Jesus geopfert, da dessen Sohn deren Weiterbestand sichern konnte. (ebd., 333)