| Christentum / Judentum | ||
(starker Gott o. Gott hat sich stark gezeigt) Als einer der vier Erzengel ist Gabriel ein Himmelswächter und soll im Norden von Gottes Thron stehen.
Im apokryphen Buch Henoch ist Gabriel einer von sechs Erzengeln. Gabriel wird hier der Vorsteher des Paradieses, der Schlangen und der Kerube genannt (WEIDINGER, 311).
Im ebenfalls apokryphen Bartholomäus-Evangelium heißt es, Gabriel sei als dritter der Engel von Gott gebildet worden, als der die Hand voll Feuer nahm und die sieben Himmel erschuf (WEIDINGER, 500).
Eine weitere Apokryphe, die Epistula Apostolorum, berichtet, der Engel Gabriel, der Maria ihre baldige Schwangerschaft offenbarte, sei Jesus selbst gewesen (WEIDINGER, 410).
Im Buch Daniel deutet dieser Engel dem Propheten Daniel dessen Vision (Daniel 8,16ff.) und legt ihm die Schrift aus (Daniel 9,21ff.).
Dem Zacharias verkündete Gabriel die Geburt ihres Sohnes Johannes, der als Täufer bekannt wurde, obwohl Zacharias’ Gattin Elisabeth (wie auch er selbst) bereits wohlbetagt war (Lk 1,11ff.).
Das Neue Testament berichtet weiter von Gabriel, der Maria den Samen Gottes bringt und ihr den als Ave Maria bekannten Englischen Gruß entbietet (Lk 1,28-42).
Wenn es bei Lukas heißt Und der Engel trat bei ihr ein, so soll damit der Geschlechtsverkehr gemeint sein; der Name Gabriel bedeute göttlicher Gemahl (WALKER, 292) — eine Interpretatation, die indes eine Außenseiterposition ist.
Im Kalender der Namenstage wird das Fest Gabriels am 29. September gefeiert. In früherer Zeit war dieser Tag der 24. März, aber seit 1969 feiert man ihn gemeinsam mit den Erzengeln Michael und Raphael.
Dargestellt wird Gabriel, wie er Zacharias die Geburt des Johannes und der Maria die des Jesus ankündigt, als leuchtender Engel, mit Weltkugel, Stab und Lilie.
Seine Patronate entsprechen Gabriels Funktion als Verkünder. Er schützt Postboten und allgemein das Nachrichtenwesen, auch dem Radio und Philatelisten steht er bei. Bei ehelicher Unfruchtbarkeit wird er um Fürbitte gebeten.
Als schrille Blüte des Reliquiendienstes präsentierte der Mönch Eiselin um 1500 eine Feder aus dem Flügel des Gabriel. Wer diese kostbare Reliquie küsste, der war angeblich vor der Pest gefeiht. Leider wurde dem Eiselin diese Feder gestohlen und ist — ein Jammer für die Biologie — seither verschollen.
Nach muslimischen Glauben war es Gabriel (arab. Djabrail), der dem Propheten Mohammed zwischen 608 und 632 n. Chr. den von Allah geschaffenen Koran übermittelte.
Für den Islam ist Gabriel auch bedeutsam, weil er Abraham und Ismael jenen schwarzen Stein übergeben haben soll, der heute in der Kaaba zu Mekka liegt. Dieses Heiligtum soll einst Adam nach seiner Vetreibung aus dem Paradies errichtet haben, nach der Sintflut sollen es Abraham und Ismael neu erbaut haben.
Gabriel soll zudem Mohammed in Medina dazu aufgefordert haben, seine Gebete statt gen Al-Quds (Jerusalem) fortan in Richtung Mekka zu sprechen (Koran 2,144).
Auch wird gesagt, Gabriel habe Mohammed die besondere Ordnung der Kapitel des Koran mitgeteilt, allerdings erst in den letzten beiden Lebensjahren des Propheten.
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