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Am Goldenen Horn, einer Bucht des Bosporus, der Durchfahrt vom Mittelmeer über das Marmarameer ins Schwarze Meer, liegt auf europäischer Seite Konstantinopel, das früher Byzantion und später Istanbul genannt wurde. Den Namen Konstantinopel erhielt die Stadt von Kaiser Konstantin, der es am 11. Mai 330 n. zur Hauptstadt erhob. Seitdem war die Stadt führendes kulturelles Zentrum Bis 1453 war Konstantinopel die Hauptstadt des Byzantinischen Reiches, dem ehemaligen Ostrom, dann eroberten es die Türken.
Wie die Stadt Rom — und bewußt nach diesem Vorbild — wurde Konstantinopel auf sieben Hügeln errichtet. Außerdem trug diese Stadt im Laufe ihrer langen Geschichte sieben Namen: Zuerst war es Byzanthion, dann begründete Kaiser Konstantin hier sein Nova Roma (Neu-Rom), das dann nach ihm Konstantinopel genannt wurde, älter ist der von heidnischen Priestern benutzte Name Anthusa, die Blühende. Die Türken nannten die Stadt Istanbul, was aus dem Griechischen kommt und hinein in die Stadt (eis tan polin) bedeutet, die slawischen Völker fürchteten die Hauptstadt des oströmischen Reiches als Zarigrad, Kaiserstadt und die Araber nennen sie Dar el-Saadat, Stätte der Glückseligkeit.
Konstantinopel hatte seit seiner Gründung einen ausgesprochen christlichen Charakter. Konstantin, der das Christentum förderte, hatte mit Bedacht seine Hauptstadt fern dem traditionsbewußten Rom eingerichtet, wo sich der heidnische Staatskult viel länger halten konnte. Insbesondere nach dem Konzil von Konstantinopel 381 hatten die Bischöfe Konstantinopels ein den Bischöfen Roms kaum nachstehendes Gewicht. Dieses umsomehr, als Konstantinopel nach der endgültigen Teilung Roms in ein West- und ein Ostreich (395) Hauptstadt Ostroms blieb.
Um die hundert Jahre nach Konstantin ließ Kaiser Theodosios II. (408-450) die Stadtmauer um sich das rasch entwickelnde Konstantinopel errichten (413), die über sieben Kilometer in einem Bogen vom Ufer des Marmarameeres zum Goldenen Horn verläuft und die Stadt gegen das Hinterland abschirmt, dabei das Stadtgebiet gegenüber den Vorgängerbauten annähernd verdoppelte. Von ihr sind eindrucksvolle Ruinen erhalten.
Seit 425 in Konstantinopel eine Schule eingerichtet worden und die Akademie von Athen geschlossen worden war, war die Haupstadt des Byzantinischen Reiches auch Zentrum der Gelehrsamkeit. Im 6. Jahrhundert war Konstantinopel der bedeutendste Handelsplatz des Mittelmeers geworden.
Immer wieder wurde Konstantinopel von Feinden bestürmt, doch konnten Perser (616), Awaren (626), Araber (669, 672-678, 717) und Bulgaren stets abgewehrt werden. Mehr führten innere Verwerfungen zu Aufständen, dennoch blieb das Reich trotz verschiedener Gebietsverluste erhalten. Der Verlust der östlichen Provinzen an die Araber hatte im Gegenteil eine Stärkung der Führungsrolle Konstantinopels zur Folge.
Den kulturellen und wirtschaftlichen Höhepunkt erreichte Konstantinopel im 10. und 11. Jahrhundert; das Ende führten dann nicht die Angriffe aus dem Osten, sondern ein christliches Kreuzfahrerheer herbei.
1204 wurde Konstantinopel von Kreuzfahrern verheert und geplündert. Der Doge Dandolo von Venedig wollte den Krieg der Byzantiner gegen die in Anatolien eingedrungenen türkischen Seldschuken ausnutzen und mit diesem Schlag die Macht des Byzantinischen Reiches zu zerstören. Also hielt er die fränkischen Ritter des vierten Kreuzzuges zum Sturm gegen Konstantinopel an, was allerdings nicht nur den Untergang von Byzanz, sondern auch den Abstieg Venedigs bedeutete, da in der Folge die Türken das frühere Ostrom erobern konnten und damit den italienischen Handel nach dem Orient vorerst beendeten. Schon seit dem 14. Jahrhundert war Konstantinopel immer mehr zur Grenzstadt gegen die vorrückenden Truppen geworden, am 29. Mai 1453 erstürmten die Türken unter Sultan Mehmet Fehti II. die Stadtmauer und Konstantin XI., der letzte römische Kaiser, fiel in der Schlacht.
Seit die Türken Konstantinopel eroberten, geht die Geschichte der Stadt unter dem Namen Istanbul weiter.
Neben erwähnter Stadtmauer sind einige andere Bauten aus oströmischer und byzantinischer Zeit erhalten.
Noch aus römischer Zeit stammt eines der zwei Aquädukte, die damals wie heute Wasser von den Bergen in die Stadt bringen, es entstand unter Kaiser Valens (364-378). Ein anderes wurde zur Zeit des Justinian (527-565) erbaut.
Auch die Kirche Hagia Sophia (Heilige Weisheit; Sophienkirche), eines der bedeutendsten Bauwerke Konstantinopels, entstand während der Herrschaft des erwähnten Justinian. Sie wurde 532-537 von Anthemios von Tralles und Isidor von Milet errichtet. Der Kuppelbau mit seinen Mosaiken gilt als ein Hauptwerk byzantinischer Baukunst. Die Stelle des Bauplatzes war schon im Altertum Grund heiliger Bauten, denn hier stand die Akropolis von Byzantion.
Im Mai 553 trat in der Hagia Sophia das fünfte allgemeine Konzil zusammen. Dabei entschied man, daß Papst Vigilius ein Ketzer sei und exkommunizierte ihn (de ROSA, 257).
Schwer zu leiden hatte die Hagia Sophia ausgerechnet unter Christen: Bei der Plünderung Konstantinopels 1204 durch Kreuzfahrer verschonten sie auch die Kirche nicht, schändeten darin die Kaisergräber, stahlen Reliquien und scheuten auch vor der Vergewaltigung von Nonnen nicht zurück (de ROSA, 86).
Die Türken verwandelten die Sophienkirche 1453 in eine Moschee, Kemal Atatürk machte den Bau 1934 zu einem Museum.
Die Hagia Sophia mit ihrer Kuppel und ihren beiden Minaretten erinnert sehr an das bekannte Erscheinungsbild einer orientalischen Moschee. Tatsächlich gilt sie als Verschmelzung des orientalischen Kuppelbaus mit der christlichen Basilika und soll die Architektur der Moscheen stark beeinflußt haben, weil die türkischen Eroberer stets versuchten, ihre Schönheit zu übertreffen.
Zum Bau des ehemals reich mit Kunstschätzen ausgestatteten Bauwerks schaffte man Teile aus verschiedensten Gegenden der damaligen Welt herbei. Grüne Marmorsäulen stammen aus dem Artemision von Ephesos, rote Porphyrsäulen vom Sonnentempel Baalbeks.
Eine Baulegende besagt, ein Junge habe während des Baus das Gerät der gerade pausierenden Arbeiter bewachen müssen, als ihm ein Engel erschien, der ihm nach dem Grund für die Unterbrechung fragte. Der Engel schickte den Jungen, die Arbeiter zu holen und versprach so lange für ihn zu wachen, bis er wiederkomme. Der Kaiser erfuhr von der Erscheinung und befahl dem Jungen, nicht zurückzukehren und darum wache seither der an sein Wort gebundene Engel über das Gebäude.
Die Türken entfernten nach ihrer Eroberung das Kreuz von der Kuppel der Kirche. Während der Erstürmung hatte ein Priester gerade die Messe gelesen und gelobte, die Messe erst zu beenden, wenn das Kreuz wieder an seinem Platz ist. Noch heute soll er in einer der Säulen stecken, in die er einst geflüchtet war.
Aus gleicher Zeit wie die Hagia Sophia stammen auch die Reste des einst gewaltigen Kaiserpalastes (Tefus Serai) und der Rennplatz Hippodrom mit zwei bedeutsamen Säulen. Die eine ließ Kaiser Konstantin dort aufrichten. Diese acht Meter hohe bronzene Säule besteht aus drei einander umwindenden Schlangen, die eine antike Weihegabe griechischer Städte an Delphi war. Der Orakelstätte dankte man damit für den Sieg über die Perser 479 v. Die andere Säule ist der dreißig Meter hohe, reich mit Hieroglyphen versehene ägyptische Obelisk, den Kaiser Julianus Apostata nach Konstantinopel bringen und Theodosius d. Gr. dort aufstellen ließ. Ihrer besonderen Konstruktion — sie ruht auf vier kupfernen Würfeln — verdankt die Säule, daß sie bislang jedes der häufigen Erdbeben überstand. Ursprünglich stand der Obelisk im unterägyptischen Heliopolis (ägypt. On), Thutmosis III. ließ ihn um 1500 v. anfertigen.
Quellen: Die Darstellung folgt in der Hauptsache und soweit nicht besonders zitiert A. GRABOIS, Enyklopädie des Mittelalters, S. 352f. und P. BAMM, Frühe Stätten der Christenheit, S. 62ff.
(beginnende Sammlung)
In Konstantinopel wurde Platon, der heiligmäßig verehrte Abt von Symbolai und Sakkudion geboren (um 735) und starb dortselbst 814.
Als Heiliger gilt auch Nikephorus I. (um 758 bis 828), Patriarch von Konstantinopel.