| Christentum | ||
geb. kurz vor Chr. Geb. im Dorf Ein Kerem, heute ein Stadtteil von Jerusalem, gest. Mitte 1. Jh.
(Johanan hebr. Jahwe ist gnädig) Ein Bußprediger und Endzeitprophet, der um 28 nach südlich Jericho am Jordan wirkte. Aus priesterlichem Geschlecht stammend war er mit Jesus verwandt, der, nachdem er von Johannes getauft wurde, seine Berufung erfuhr und fortan seine eigene Verkündigung aufnahm.
Johannes, der der Religionsgemeinschaft der Nasiräer angehörte, deren Anhänger sich die Haare nicht schnitten, ist Vorläufer des Jesus Christus und nach christlicher Auffassung letzter der biblischen Propheten den Jesus im Lukasevangelium ein kleines nennt, das vor ihm kommt und ihn ankündigt (Lukas 16,16).
Der Prophet Johannes der Täufer war der Sohn von Elisabeth und Zacharias. Bereits hochbetagt erwarteten sie nicht mehr, daß ihnen Nachwuchs vergönnt sei, als dem Zacharias der Erzengel Gabriel erschien und ihm bedeutete, daß er schon bald Vater würde und er das Kind Johannes nennen solle - und tatsächlich erfüllte sich der Kinderwunsch.
Im Alter von 30 Jahren zog Johannes in die Wüste, bereiste Jerusalem und begann am Fluß Jordan sein Wirken als Täufer, der die Ankunft des Messias verkündete.
Seine Tätigkeit, die Taufe als Vorwegnahme des kommenden Gerichts (Reclams Bibellexikon, 251), erregte erhebliches Interesse, auch Jesus ließ sich von Johannes taufen. Dabei erkannte dieser in jenem den ersehnten Erlöser und rief aus: Das ist das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt.
Mit der Obrigkeit lag Johannes über Kreuz: Nicht nur, daß sein Wirken das Mißtrauen des Königs Herodes Antipas erregte, Johannes verurteilte auch öffentlich die Scheidung des Königs von seiner ersten Frau und die Wiederverheiratung mit der Frau seines Bruders, Herodias.
Auf Betreiben dieser ließ Herodes den beim Volk beliebten Täufer gefangennehmen. Als seine Tochter Salome ihn mit ihrer Tanzkunst bezauberte und dafür einen beliebigen Wunsch frei hatte, forderte sie den Kopf des Johannes. Widerstrebend ließ Herodes den Johannes enthaupten und Tochter Salome soll den Kopf auf einem Silbertablett ihrer Mutter Herodias überreicht haben.
Über der Grabstätte des Johannes in Samaria wurde im 4. Jahrhundert eine Kirche errichtet; ihre Ruinen wurden 1931 bei Ausgrabungen gefunden.
Der Kopf des Täufers befand sich seit dem 4. Jahrhundert in der von Kaiser Theodosius I. (379-395) errichteten Johanneskirche zu Damaskus, an deren Stelle nach Eroberung durch die Araber die berühmte Omaijadenmoschee errichtet wurde. Die Reliquie wird aber auch von den Muslimen hochgeehrt und soll noch heute dort erhalten sein.
Der Johannistag, der Geburtstag des Johannes, ist ein wichtiger Fest- und Feiertag. Zahlreiche Prozessionen und Wallfahrten wurden besonders im Mittelalter an diesem Tag unternommen. Johannisfeuer wurden abgebrannt, Johanniskraut und Zauberkräuter, etwa die Mandragora, gesammelt oder ein Johannisbad genommen.
Allerdings entstammt das meiste dieses Brauchtums wohl den hergebrachten Sonnenwendfeiern, ein Beispiel für die Fähigkeit des Christentums, lokale Gottheiten und Riten zu adaptieren.
Der Enthauptung des Johannes wird am 29. August gedacht.
Dargestellt wird Johannes der Täufer in Felle gehüllt, mit Lamm, Taufschale und beim Predigen, bei der Predigt und bei der Taufe Jesu.
Johannes der Täufer ist Patron von Malta, Burgund, der Provence, Florenz, Amiens, Saalfeld (Thüringen) und Breslau in Schlesien (heute Wroclaw/Polen). Er ist außerdem Patron der Weber, Schneider, Färber, Gerber, Sattler und Kürschner, der Winzer, Gastwirte und Faßbinder, der Architekten, Kaminkehrer, Schmiede, Zimmerleute und Kinobesitzer, der Bauern, Hirten, Musiker, Tänzer und Sänger. Er beschützt den Weinstock, Haustiere, besonders Schaf und Lamm. Er steht den Abstinenten bei, er hilft bei Epilepsie, Kopfschmerz und Heiserkeit, Schwindel, Angst und Kinderkrankheiten und beschirmt vor Hagel.
Johannes ist Schutzpatron der Malteser (=Johanniter) und der Karmeliter.
Johannes der Täufer hatte auch nach seinem Tod bzw. dem Erscheinen Christi seine Anhängerschaft. Das Neue Testament berichtet von einem Zusammentreffen des Paulus mit ihnen zu Ephesus (Apostelgeschichte 18,25 und 19,3).
In der Gegenwart sehen die Mandäer, eine kleine, im Irak an Euphrat und Tigris ansässige Taufsekte, in ihm den Reformator ihrer Religion.
Bei der Frage, was sich hinter dem Baphomet verberge, welchen die Templer verehrt haben sollen, sei ein Bezug zum abgeschlagenem Haupt Johannes des Täufers denkbar, denn die Lehren der Täuferbewegung oder der Mandäer habe wenigstens partiell unter den Ordensmitgliedern Anklang gefunden. (LINCOLN, BAIGENT, LEIGH, 73)