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   Christentum
 

Judas Ischarioth

Judas:„Gelobt sei Jesus Christ! Ihr lieben Herrn!”
Pharisäer:„In Ewigkeit! Judas, was ist dein Begehrn?”
Judas:„Ich will euch verraten Jesum Christ,
Der für uns am Kreuz gestorben ist.”
(aus einem schwäbischen Passionspiel, nach Corvin)
 

griech. Iudas, von hebrä. Jehudah „Gepriesener”; Judas Iskariot, vielleicht von lat. sicarius „Dolchmann”, „Bandit” oder eine Herkunftsbezeichnung „Mann aus Karioth”, nach Josua 15,25 ist Karioth-Hezron eine Stadt, die dem Stamm Juda zugehörte. Judas ist ein Sohn Simons (Joh 13,2) und war wohl Mitglied der antirömischen Widerstandsbewegung der Zeloten; siehe auch die Judaslegende unten.

Judas war der Jünger Jesu, der seinen Meister verriet (Mk 3,19, Mt 10,4, Lk 6,16). Warum er das tat, bleibt ein Geheimnis. Matthäus legt Geldgier als Motiv nahe, da Judas das Angebot der Hohepriester, 30 Silberlinge, annahm (Mt 26,14-15). Seinen Lohn erhielt er nach Markus erst im Anschluß an den Verrat (Mk 14,10f.), wofür bleibt offen. Lukas meint, der Satan sei in Judas gefahren (22,3), Johannes schließt sich dieser Darstellung an (Joh 13,2 u. 13,27). Auch vorher schon habe Judas Mittel veruntreut (Joh 12,3-6).

Unklar ist auch das Motiv derer, an die sich Judas gewandt hatte — den Hohepriestern von Jerusalem dürfte Jesus spätestens nach seinem Auftritt im Tempel, als er den dortigen Markt stürmte, wohlbekannt gewesen sein, ein Verrat also ebenso überflüssig wie ein Kopfgeld.

Wie auch immer, als Jesus mit seinen Jüngern in Gethsemane war, nahm man ihn gefangen, nachdem Judas ihm einen Kuss gegeben hatte (z. B. Lk 22,47f.).

Den Verräter packte die Reue und er endete kläglich. Judas erhängte sich (Mt 27,5) in einem Weidenbaum oder er „stürzte vornüber und ist mitten entzweigeborsten und all seine Eingeweide ausgeschüttet” (Apg 1,18).

Von dem Judaslohn, den blutbehafteten dreißig Silberlingen, die Judas noch reuig den Hohenpriestern zurückerstattete (Mt 27,4-5), wurde der Blutacker Akeldamach gekauft, später eine Begräbnisstätte für Pilger (Mt 27,7).

An Stelle des Judas wurde durch das Los der Matthias in den Zwölferkreis bestimmt (Apg 1,15-26), ehe die Apostel das Pfingstwunder überkam.

 

Judaslegende

Bereits den Eltern des Judas war dessen späteres Verhängnis geweissagt worden, als der Mutter Cyborea im Traum offenbart wurde, daß ihr Sohn den Untergang seines Volkes heraufbeschwören werde. Sie erzählte dieses ihrem Mann Rubens, der auch Simon hieß und vom Stamm Dan (nach Hieronimus vom Stamm Issachar) war, und als Cyborea einen Sohn geboren hatte (das soll an einem 1. April gewesen sein), legten sie das Kind in einen Korb und übergaben ihn dem Meer.

Der Korb trieb an die Insel Skarioth, wo die kinderlose Königin der Insel das ausgesetzte Kind fand und aufzog. Die Königin bekam noch ein eigenes Kind, aber schon beim Spiel zeigte sich die Bosheit des Judas, indem er den jüngeren Knaben quälte. Weil ihn Strafen nicht besserten, lüftete die Königin das Geheimnis, Judas sei nur ein Findelkind. Der Beschämte tötete daraufhin den Königssohn und floh nach Jerusalem, wo er beim römischen Statthalter Pontius Pilatus aufgenommen wurde, der in ihm einen Wesensverwandten gefunden hatte. Schnell stieg Judas zum Hofmeister des Pilatus auf.

Als es Pilatus nach einem Apfel aus des Nachbars Garten gelüstete, drang Judas diensteifrig in den fremden Garten ein. Ihn überraschte der Besitzer, den Judas nach kurzem Streit erschlug. Dieser Besitzer war aber ausgerechnet des Judas eigener Vater Ruben, von dem der Sohn nichts gewußt hatte (vgl. den unglücklichen Ödipus). Doch die hinterbliebene Mutter entdeckte dem Vatermörder alles und schickte ihn zu Jesus, der den reuigen Judas aufnahm.

Judas gewann die besondere Zuneigung Jesu, dem die gemeinsame Kasse anvertraut war. Es heißt allerdings, daß er heimlich jeweils den Zehnten aller Einnahmen für sich unterschlagen habe. Darum habe ihn besonders der Verlust jener 300 Silberlinge geärgert, die sich für das überreichlich von Maria verbrauchte Salböl (Mt 26,6-8; Joh 12,3-6) hätten erlösen lassen. Die 30 Silberlinge, für die Judas seinen Meister an die Greifer der Pharisäer und Hohenpriester verhökerte, wären demnach des Boshaften Entschädigung für entgangenen Unterschlagungsgewinn.

Sein Tod entsprach seinen Taten: Aufgehängt schwebte er zwischen Himmel und Erde, so daß ihn die Dämonen der Luft packen konnten. Seine Eingeweide, die ihn zu seinen Taten getrieben hätten, entquollen seinem zerborstenen Wanst und die lügende Kehle war zugeschnürt, damit der Mund, der Jesus geküßte hatte, nicht durch Lästerungen verunreinigt werde (nach de VORAGINE, 106-110).

Judas Ischarioth soll an einem 1. April geboren worden sein, auch der 14. Juli gilt als Geburtstag des Verräters. In Teilen Deutschlands sah man besonders den 14. Februar als Geburtstag des Verräters und damit Unglückstag an.
Weil Judas sich an einem 30. April erhängt haben soll gilt dieser Tag als verworfener Tag und Schwindtag und sogar als deren „bösester”. (WREDE i. Handwörterbuch, 802)