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   Christentum
 

Kreuzigung

Diese außerordentlich grausame Art der Todesstrafe gilt als persische Erfindung, die später im römischen Reich recht verbreitet war.

Der Delinquent wurde hierbei an einen aufrechten Pfahl gebunden und angenagelt, die an ein Querholz gebundenen Arme trugen dabei die Last des Körpers, so daß der Tod oft erst nach längerer Zeit infolge Verdurstens oder Zusammenbruch des Kreislaufs eintrat. Der Sinn des Hängens soll dabei sein, daß der Verurteilte zwischen Himmel und Erde schwebe und seine Gegenwart weder Götter noch Menschen belästige.

Als eine Abart des Hängens galt die Kreuzigung den Juden überdies als eine entehrende Art der Todesstrafe, weil gemäß 5. Mose 21,22f. Gehenkte nicht über Nacht am Holze bleiben sollten, was einen Frevel bedeutete, wie Galater 3,13 belegt.

Der Kreuzestod Jesu ist demnach besonders hoch einzuschätzen, weil der Sohn Gottes diese qualvolle und erniedrigende Strafe um aller willen auf sich genommen hatte. Mit seinem Tod habe er laut der genannten Stelle im Galaterbrief unterstrichen, daß der Fluch des mosaischen Gesetzes überwunden sei.

Nachdem Jesus zum Tode verurteilt war, setzte man ihm die Dornenkrone auf, geißelte ihn und ließ ihn sein Kreuz nach Golgatha schleppen, wo er nebst den beiden Verbrechern Dysmas und Gestas gekreuzigt wurde. Über Jesus wurde ein Schild angebracht, worauf er in griechischer, lateinischer und hebräischer Schrift als König der Juden bezeichnet war. Die Soldaten teilten sich seine Kleider, man reichte ihm Essig mit Galle zur Erfrischung und spottete, er solle doch vom Kreuz herabsteigen.

Während der Kreuzigung verfinsterte sich die Sonne um die sechste Stunde, die Finsternis hielt bis an die neunte Stunde an, als Jesus verschied. So der bei den Synoptikern übereinstimmend überlieferte Bericht (Matthäus 27,45, Markus, 15,35, Lukas 23,44), von dem sich bei Johannes allerdings nichts findet.
Dafür teilt das apokryphe Evangelium des Nikodemus mit, es habe sich um eine erwartete Sonnenfinsternis gehandelt (WEIDINGER, 475).

Nach Eintritt des Todes stach ihn ein römischer Soldat [Longinus] mit seiner Lanze in die Seite, worauf Blut und Wasser hinaustroffen. Üblich wäre es gewesen, dem Gekreuzigten die Beine zu brechen, wie es bei den beiden Verbrechern auch vorgenommen wurde (Johannes 19,32-34).

Die Kreuzigung fand nach den Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas am Tag nach Passah statt, Johannes gibt den Tag vor diesem jüdischen Fest an.

Als Menschenopfer im Rahmen eines Fruchtbarkeits- oder Erlösungskultes soll auch die Kreuzigung Jesu zu sehen sein. Bei den babylonischen Narrenfesten (Säaken) war die Opferung eines zum Tode verurteilten Verbrechers üblich. Er trat dabei an die Stelle des Königs, der ehedem selbst geopfert worden sein soll. Dem Stellvertreter tat man nun alle einem König zustehenden Ehren an, er wurde reich bekleidet, beköstigt, schlief mit königlicher Konkubine usw., ehe man ihn nach fünf Tagen solcher Herrlichkeit auszog und geißelte, damit er mit Tränen und Blut neue Fruchtbarkeit über das Land bringe, wenn man ihn anschließend zwischen Himmel und Erde aufhing. Dieses soll Vorbild von später üblich gewordenen Kreuzigungszeremonien sein, in denen der historische Kern der Kreuzigungsgeschichte zu suchen sei (WALKER, 809f.).

Andere bekannte zum Kreuzestod Verurteilte neben Jesus sind Petrus, der aus Demut darauf bestanden haben soll, mit dem Kopf nach unten gekreuzigt zu werden oder der Spartacus, der seinen heroischen Kampf gegen die römischen Sklavenhalter mit hunderten seiner Kampfgefährten am Kreuze gebüßt hatte. In Schillers Gedicht „Die Bürgschaft” ist es Damon, der am Kreuze gereuen sollte, daß er zu Dionys dem Tyrannen schlich, den Dolch im Gewande.

 

siehe auch Kreuzweg - Kreuzesworte - Kreuz Christi