| Christentum | ||
Er war ein schon älterer Offizier der römischen Besatzungsarmee in Jerusalem unter dem Kommando des Pontius Pilatus.
Nach einer Legende, die bis in das fünfte Jahrhundert verfolgbar ist, gehörte Longinus zu den Soldaten, die die Hinrichtung Jesu überwachten. Auf Befehl des Pilatus stach er dem am Kreuz hängenden seinen Spieß in die Seite, um dessen Ableben zu überprüfen (Matthäus 27,54, Zuordnung legendarisch). Dabei widerfuhr ihm Bekehrung, als ihn das die Lanze hinabrinnende Blut berührte und ihm jugendliche Sehkraft verlieh, zudem eine Sonnenfinsternis und ein Erdbeben die Leute erschreckte und der Vorhang zum Tempel zerriß.
Der nun Christ gewordene Longinus ging nach Caesarea in Kappadokien und lebte dort achtundzwanzig Jahre als Mönch, bis man ihn gefangennahm, weil er die üblichen Opfer verweigert und viele andere zu selbigem ermutigt hatte.
Ihm wurden alle Zähne ausgeschlagen und die Zunge herausgeschnitten. Trotzdem konnte er vor Gericht Götterbilder zerschlagen, die darin wohnenden Dämonen fuhren in den Richter und dessen Gesellen. Er versprach dem Richter, der auch sein Augenlicht verloren hatte, wenn der ihn dem Martyrium zuführe, wolle er im Jenseits für ihn beten. Der Richter ließ Longinus sogleich enthaupten, der hielt Wort und sein Mörder erhielt Augenlicht und Vernunft zurück, so daß er fortan als frommer Mann leben konnte (nach VORAGINE, 131f.).
Der Tag des Longinus ist der 15. März. Dieser Tag, bei den Römern bekannt als Iden des März, soll Termin des Todes mancher heidnischer Erlösergestalten gewesen sein, bei den Germanen sei er dem Höd geweiht gewesen, jenem blinden Asen, der den Baldur erschoß (Völuspá, 26f.). Das im Norden missionierende Christentum soll bewußt den Tod des Baldur mit der Überlieferung von der Kreuzigung Jesu vermengt haben (WALKER, 624)
Die Lanze des Longinus ging in die Gralslegende ein, sie befindet sich heute als Reliquie im Schatz von St. Peter. Otto I., der erste König der Deutschen, führte diese Waffe, als er 955 sein Heer auf dem Lechfeld gegen die Ungarn zum Sieg führte.
Der junge Adolf Hitler soll angesichts des in der Wiener Hofburg verwahrten Speers des Longinus gesagt haben: Ich glaubte zu spüren, daß ihn in einem früheren Jahrhundert der Geschichte schon einmal in Händen gehalten habe — daß ich selber schon einmal Anspruch auf diesen Talisman der Macht erhoben und das Schicksal der Welt in meinen Händen getragen hatte. (RAVENSCROFT, The Spear of Destiny, 1973, S. 29; n. CARMIN, 281)
Einer Legende nach war Longinus ein im Dienste Roms stehender Germane und stammte aus Zoebingen bei Ellwangen. (aus einem Oettinger Heimatbuch von 1947, (Lesermitteilung) und dem Nördlinger Ries (LINK))
Auf Longinus bezieht sich ein Blutsegen. Der Magisch-sympathetische Hausschatz gibt solchen Longinussegen nach der 1460 entstandenen Handschrift IV F. 60 der Universitätsbibliothek zu Breslau wieder:
Notandum. will du daz Blut versprechen, so sprich diesen segen.
Ritter Longinus his der man,
der unsser liben herren Jhesu Christi syne wunden enkan.
dy wunden blutten sere:
vorstant blut durch des heiligen ere.
unde sprich V pater noster unde V aue maria odir scrip daz wort bermicza mit dem selben blute of des wunden hant nit eyme halme adir federe. (in: Das sechste und siebente Buch Mosis, 184)
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