| Christentum - Päpste | ||
(Bonifaz, lat., von bonum, gut, das Gute u. fateri, bekennen o. fatum, Schicksal; umgedeutet zu Bonifacius, Wohltäter, dt. Bonifaz; Papst von 1294 bis 1303) Der aus Agnani stammende Benedetto Gaetini, geboren wurde er um das Jahr 1235, wurde 1281 Kardinal, 1294 wurde er als Bonifatius VIII. Papst und hatte das Amt bis zu seinem Tod am 11. Oktober 1303 inne.
Sein Vorgänger war St. Cölestin V., dessen Berater Benedetto Gaetini gewesen war, sein Nachfolger Benedikt XI.
Das Gewicht des Pontifikats Bonifatii VIII. lag weniger in der Theologie als in der Politik und Diplomatie.
1302 veröffentlichte er die Bulle Unam sanctam, in welcher er den Primat des Papstes über jeden weltlichen Herrscher einforderte, was ihm allerdings mißlang.
In seiner Bulle von 1294 heißt es: Wir erklären, sagen, bestimmen und entscheiden hiermit, daß alle menschliche Kreatur dem Papste unterworfen sei, und daß man nicht selig werden könne, ohne dieses zu glauben. (n. CORVIN, 174)
Unam Sanctam soll eines der ersten Dokumente, möglicherweise sogar das erste überhaupt sein, mit der sich ein Papst an die gesamte Kirche wandte. (de ROSA, 33)
Neben verschiedenen kirchenrechtlichen Bestimmungen führte Bonifatius VIII. das Heilige Jahr ein, das ab 1300 alle hundert Jahre begangen werden sollte. Unter den Nachfolgern dieses Papstes reduzierte sich das Intervall erst auf 50, dann auf 25 Jahre.
Seit seines und Alexanders IV. (1258) Pontifikat befaßte sich die Inquisition mit Zauberei. (HABIGER-TUCZAY, 82)
Der Papst selbst ließ sich seine Nierenkolik vom Arzt Arnold von Villanova behandeln. Der soll dem kranken Papst mit einem goldenen Amulett geholfen haben, in das das Zeichen Löwe eingraviert war. (DIEPGEN, Geschichte der Medizin, Bd. I. Berlin, 1949, S. 221, n. HABIGER-TUCZAY, 215)
Bonifatius VIII. soll vorhergesagt worden sein, er werde sich (in das Amt) einschleichen wie ein Fuchs, regieren wie ein Löwe und sterben wie ein Hund. Tatsächlich habe nman ihn nach seinem Sturz ohne Sattel und Zaum rücklings auf ein Pferd gesetzt und ins Gefängnis gebracht. Das Volk zu Anagni habe ihn jedoch befreit und in triumphalem Zug nach Rom geleitet, wo er jedoch schon am kommenden Morgen tot aufgefunden wurde. Sein weißes Haar war mit Blut befleckt, vor seinem Munde stand Schaum, und der Stock, den er in der Hand hielt, war von seinen Zähnen zernagt. (n. CORVIN, 175)
Philipp Nogaret, der Vertraute des französischen Königs Philipp IV., hatte Benedikts XI. Vorgänger Bonifatius VIII. der Häresie angeklagt und forderte die Klärung des Falles in einem Konzil. Mit Hilfe des italienischen Adelsgeschlechts der Colonna überfiel er den Papst auf dessen Landsatz und quälte ihn, der Papst starb.an den Folgen der Mißhandlung, Nogaret wandte sich zur Flucht und Bonifatius’ Nachfolger Benedikt XI. exkommunizierte den Übeltäter und dessen Helfer, starb aber bald darauf und im nächsten Papst Klemens V. fand die französische Krone einen willigen Helfer. (HABIGER-TUCZAY, 82)