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   Christentum - Papsttum
 

Sixtus V.

(gr. Xystus, „der Glatte”; Papst 1585 bis 1590) Der am 13. Dezember 1521 in Grotta a Marte als Felice Peretti Geborene wurde Franziskaner, 1570 Kardinal und trat 1585 die Nachfolge Gregors XIII. an.

Er stammte aus einfachen Verhältnissen. Sein Vater war Weingärtner, seine Mutter Magd und er selbst hütete in seiner Jugend die Schweine. Über seine Herkunft sagte er: „Ich bin aus einem durchlauchtigen Hause; Sonne, Wind und Regen hatten freien Zugang in die Hütte meiner Eltern.” Von dort nahm ihn ein Franziskanermönch mit ins Kloster und Felice begann seine Kirche, die ihn schließlich auf den Heiligen Stuhl brachte. Er wurde Kardinal (unter dem Namen Montalto, nach der Stadt in der Nähe seines Heimatdorfes) und 1585 zum Papst gewählt, weil ihn das zerstrittene Kollegium der Kardinäle für einen ebenso einfältigen wie hinfälligen Übergangskandidaten hielten. Als er aber gewählt worden war, arf er zum Erschrecken und Erstaunen seiner Kollegen die Krücke weg, rechte sich kerzengerade in die Höhe, spuckte bis an die Decke der Kapelle und stimmte mit Stentorstimme ein Tedeum an, „daß die Fenster zitterten.” (CORVIN, 207) Zudem soll er „Jetzt bin ich Cäsar!” geschrien haben. (de ROSA, 268)

Sixtus V. betätigte sich als Reformer und Reorganisator der römischen Kurie. Zudem war er ein großer Bauherr, der u. a. die Peterskuppel vollenden und den Obelisken in die Mitte des Petersplatzes rücken ließ und als Begründer des barocken Papsttums gilt.

Auch im Land räumte er mit strenger Hand auf. Gemeinhin hofften Verbrecher bei einem Regierungsantritt auf Begnadigung. Sixtus V. hielt davon nichts und er ließ fünfhundert einsitzenden Verbrechern umgehend den Prozeß machen. „Ich sehe lieber die Galgen und die Galeeren voll als die Gefängnisse”, soll er gesagt haben und machte dabei auch vor Adel und Prälaten nicht Halt. (CORVIN, 208)
Ebenso ging er hart gegen die in Rom fröhliche Urständ’ feiernde Prostitution vor. Dagegen hatte er ein Herz für die Armen und ließ Lebensmittel austeilen sowie deren Preise herabsetzen, überdies Seiden- und Tuchfabriken anlegen, während er den Adel zur Bezahlung ihrer Schulden drängte. (CORVIN, 210)

1588 veröffentlichte Sixtus V. die Bulle Effrenatum, in der er jede Abtreibung als Mord einzustufen befahl und mit der Exkommunikation bedrohte. (de ROSA, 461)

1588 wurde Bonaventura zum Kirchenlehrer ernannt. Sixtus V. verlieh ihm dazu den Beinamen Doctor Seraphicus.

Sixtus V. widmete sich auch dem kirchlichen Schrifttum. Er ließ eine Werkausgabe des hl. Ambrosius anfertigen und schuf eine Neuausgabe der Vulgata. Beide Werke sollen vor Fehlern nur so strotzen. Unbeirrt davon verkündete Sixtus V. in seiner Bulle Aeternus Ille: „Durch die Fülle Apostolischer Macht bestimmen und erklären Wir, daß diese Ausgabe ... bestätigt durch die von Uns vom Herrn gegebene Autorotät, als wahr, rechtmäßig, echt und unangefochten in allen öffentlichen und privaten Diskussionen, Lesungen, Predigten und Erklärungen angenommen und gehalten werden soll.” (de ROSA, 270)

Am 27. August 1590 starb Sixtus V. in Rom. Ihm folgte im Amt Urban VII.

Am 5. Dezember 1958 erhob Johannes XXIII. im ersten Geheimen Konsistorium nach seiner Wahl zum Papst gleich dreiundzwanzig Geistliche zu Kardinälen. Damit beendete Johannes XIII. die fünfhundertjährige, von Sixtus V. begründete Tradition, dernach das Kardinalkollegium nicht mehr als siebzig lebende Mitglieder haben solle.