| Christentum - Päpste | ||
(lat. innocens, unschuldig, Papst 1198 bis 1216) Der 1160 oder 1161 in Agnani als Lothar von Segni (Lothar Conti) Geborene saß von 1198 bis 1216 auf dem Stuhl Petri. Seit 1190 war er Kardinal, ehe er am 8. Januar 1198 mit nur 38 Jahren, er war damals noch nicht einmal geweihter Priester, einstimmig als Nachfolger von Coelestin III. zum Papst gewählt wurde. Er entstammte der Familie der Alberichs von Tusculum, die insgesamt 13 Päpste, drei Gegenpäpste und vierzig Kardinäle hervorbrachte.
Das Wappen dieses Mannes, ein Blitze schleudernder Adler sollte das Symbol seiner Herrschaft über ,Orbis et Urbis’ werden. (RAHN, S. 145)
Bevor Innozenz am 22. Februar 1198 Papst wurde, seine Wahl erfolgte noch am selben Tag, an dem sein Vorgänger Coelestin III. gestorben war, war das Papsttum ziemlich machtlos, 1203 mußte Innozenz sogar für kurze Zeit aus Rom nach Palestrina fliehen, als die römischen Bürger einen Aufstand unternahmen. Das änderte sich bald mit dem willensstarken und gebildeten Mann, der in Paris und Bologna studiert hatte und der das Papsttum nun zur Nachfolge Petri erklärte — zuvor galt der Papst als Stellvertreter des Apostels, nun war er Stellvertreter Christi.
Mit seinem Dekret Per Venerabilem von 1205, gerichtet an König Philipp II. von Frankreich, nahm Innozenz III. zu den päpstlichen und königlichen Vorrechten Stellung. Innozenz erkannte in der Schrift an, daß der König von Frankreich in seinem Reich an oberster Stelle stehe und bestätigte damit die königliche Souveränität.
Innozenz konnte es sich erlauben, Otto IV. zum Kaiser zu bestimmen, der von Gottes und des Papstes Gnaden erwählt sei. Zwar suchte Otto sich wenig später dem päpstlichen Machtanspruch zu entziehen, doch wurde er von Innozenz kurzerhand exkommuniziert.
Auch mit Johann Ohneland, dem König von England, lag Innozenz im Streit. Der hatte es gewagt, den Klerus zu besteuern, weshalb der Papst 1208 das Interdikt über England verhängte und 1209 König Johann exkommunizierte. Johann mußte nachgeben und schenkte am 13. Mai 1213 ganz England dem Papst und verpflichtete sich und seine Erben, zusätzlich zum Peterspfennig einen Zins zu entrichten. 1214 hob Innozenz das Interdikt gegen England auf.
Auf dem Vierten Lateranischen Konzil 1215 ordnete Innozenz an, daß jeder Christ wenigstens einmal jährlich einem Priester zu beichten habe (Ohrenbeichte). Damit machte er die Laien zu Untertanen des Klerus, der wiederum dem Papst untertan ist.
Innozenz gilt auch als Erfinder der Transsubstantationslehre. Demnach verwandeln sich beim Abendmahl durch die Weihung des Priesters Brot und Wein tatsächlich in Leib und Blut Christi.
Scharf ging Innozenz III. gegen religiöse Abweichler (Häretiker, Ketzer) vor.
1209 rief er zum Kreuzzug gegen die 1177 von dem Lyoner Kaufmann Petrus Waldes ins Leben gerufene Glaubensbewegung der Waldenser auf. (DAXELMÜLLER, 112)
Schon 1208 hatte Innozenz III. die Tempelritter ermahnt, da diesem Orden unchristliche Umtriebe unterstellt worden waren. Der Papst sprach in diesem Zusammenhang ausdrücklich auch von Geisterbeschwörung. (LINCOLN, BAIGENT, LEIGH, 68)
Ihm selbst unterlief allerdings ein Schnitzer, indem er Christen die buchstabengetreue Befolgung des Buches Deuteronomium [5. Buch Mose] vorschrieb. Dieses Buch sieht allerdings für Männer die Möglichkeit der Ehescheidung vor, was im Widerspruch zur katholischen Lehre stand (DE ROSA, 262) und steht.
Innozenz III. starb im Jahre 1216. Seine Nachfolger, Gregor IX. (1227 bis 1241), Innozenz IV. (1243 bis 1254) und Bonifaz VIII. (1194 bis 1303) setzen seinen Weg in den päpstlichen Absolutismus fort.
Die Wahl Innozenz’ III. wurde seinerzeit von dem Minnesänger Walther von der Vogelweide beklagt.
Innozenz III. nannte sich auch ein Gegenpapst, der von 1179 bis 1180 die römische Kirche herausforderte.