| Christentum | ||
Die Überbleibsel von Heiligen, besonders die sterblichen Überreste, aber auch Gegenstände, die besonders verehrt werden, weil ihnen wunderbare Wirkung zugesprochen wird. Die Reliquien werden in besonders kostbaren Behältnissen, den Reliquiaren, verwahrt.
Besonders bekannt ist die Reliquienverehrung in der katholischen Christenheit, doch ist dieses kein Einzelfall. Bereits die antiken Griechen zeigten das Ei der Leda vor, heilige, vom Himmel gefallene Schilde oder das Palladion.
Im Islam werden Fahne, Waffen, Kleider, zwei Zähne, ein Fußabdruck und ein Barthaar des Propheten Mohammed in Ehren gehalten.
Unterschieden werden primäre und sekundäre Reliquien. Primäre Reliquien sind der Körper des Heiligen selbst oder Teile von ihm (Finger, Schädel, Haare usw.). Sekundäre Reliquien sind Gegenstände, mit denen der Heilige zu Lebzeiten umging oder Gegenstände, die mit der primären Reliquie in Verbindung stehen.
Der übersteigerte Reliquiendienst des christlichen Mittelalters ist in moderneren Zeiten vielfach Ausdruck des Spottes geworden (vgl. bspw. das Kap. Die heilige Trödelbude in Otto v. Corvins Pfaffenspiegel).
Aber dazu sollte man bedenken, daß einfache Menschen jener Zeit weniger metaphysische Fragen ihres Glaubens plagten, sondern sie im wahrsten Sinne des Wortes handgreiflicher Zeichen bedurften und darum nahm man, ob freiwillig oder nicht, die oft beschwerliche und gefährliche Pilgerreise zu reliquienverwahrenden Wallfahrtsorten auf sich (HAUF, 18).
Handel mit und Zurschaustellung von Reliquien war lange ein wichtiger Gewinnbringer für die Kirche, was vielfach zu Recht kritisiert wird — aber natürlich auch für die touristische Infrastruktur an und zu den Stätten der Wallfahrt jener Zeit und sicherlich auch für den kulturellen Austausch, denn nicht von ungefähr heißt es: Wenn einer eine Reise tut, hat der was zu erzählen.
Der Mailänder Philosoph Pietro Pomponazzi (1462—1525) zog sich die Aufmerksamkeit der Inquisition durch diesen Ausspruch zu: ,Man kann sich leicht vorstellen, welch wunderbare Wirkungen das Zutrauen und die Erwartung der Kranken erzeugen können. Die Wunderheilungen, welche man gewissen Reliquien zuschreibt, sind nichts anderes als ein Effekt dieser vertrauensvollen Erwartung der Phantasie. Ungläubige und Philosophen wissen sehr wohl, daß die Kranken nicht minder ihre Gesundheit wiedererlangen würden, wenn man irgendein anderes Skelett an die Stelle der heiligen Gebeine brächte; sie müßten nur des Glaubens sein, daß sie die echten Reliquien vor ich haben.’ (SCHRÖDTER, 122)
Eine weltliche Form des Reliquiendienstes sind Sammlungen von Gegenständen berühmter Personen, seien es in der Schlacht getragene Kleidungsstücke und Utensilien historischer Heerführer, Autogramme von Pop-Sängern u.s.f.