| Christentum | ||
(gr. Waldmann, auch Sylvester II.) Dieser war ein Papst, der für seine Zeit außergewöhnlich gelehrt war, als Franzose aber keinen leichten Stand in Italien hatte und überdies verdächtig war, weil er keine mächtigen Verwandten, wohl aber Kontakte zum maurischen Spanien hatte. Seine Historie und die um ihn sich rankenden Legenden sind einigermaßen verworren, manches über ihn wird auch über andere Päpste berichtet.
Der um 950 als Gerbert von Aurillac Geborene erwarb sich 968 auf einer Reise nach Spanien, das damals von den Arabern beeinflußt war, reiche Kenntnisse in Mathematik, Astronomie und Musiktheorie. Für den Wissensdurstigen interessierten sich Papst Johannes XIII. und Kaiser Otto III. und er wurde Leiter der Reimser Stiftsschule, wo er sich besonders der lateinischen Schriftsteller annahm. Mit Gerbert begann die Zeit der Übersetzungen antiker Texte, die entweder aus dem Arabischen übersetzt wurden oder sogar noch im griechischen Original erhalten waren.
Gerbert entwickelte auch eine Rechentafel, den Abacus, wie er sie wohl bei den Sarazenen in Spanien kennengelernt hatte. Das Gerät war dermaßen unglaublich für seine Zeitgenossen, daß sie es als Teufelswerk ansahen. Gerbert war es auch, der im Abendland die arabischen Ziffern einführte und damit das Rechnen ungemein erleichterte.
Als Gerbert, rhetorisch und diplomatisch geschult, die Päpste seiner Zeit angriff, stockte seine Karriere. Erst als Gregor V. Papst geworden war, fand er von diesem Anerkennung sowie die des Kaisers Otto III., der ein Verwandter Gregors war, und es ging wieder voran, nach Gregors Tod wurde er selbst zum Papst gewählt und nannte sich Silvester II.
Um ihn ranken sich allerlei Gerüchte. Er soll, erlernt an der Schule von Sevilla, Zauberkünste beherrscht haben und mit dem Teufel im Bunde gewesen sein. Anlaß der Spekulation bot zum Beispiel eine später erstellte Grabinschrift, zu deutsch etwa: Dieser Platz der Erde wird Silvesters begrabene Glieder bei der Ankunft des Herrn, wenn sie sich regen, zurückgeben (Iste locus Silvestris membra sepulti venturo domino conferet ad sonitum).
(Oder: In Sevilla habe Gerbert, der spätere Papst Silvester II. (996—1002) der seiner großen Kenntnisse wegen als Zauberer verschrien wurde, Astrologie, Vogelschau und Dämonenbeschwörung erlernt haben und sich dann mit Hilfe eines seinem sarazenischen Meister gestohlenen Zauberbuchs zum Papst gemacht. (JACOBY i. Handwörterbuch, IV 141))
Nach dem Diebstahl soll Gerbert entflohen sein, doch konnte sein Verfolger an den Sternen dessen Weg ablesen. Gerbert war seinerseits sternenkundig und bemerkte die Verfolgung, so daß er sich unter eine hölzerne Brücke hing. Hier, zwischen Himmel und Erde, war er seinem Verfolger unsichtbar.
Über Jahre hinweg soll Gerbert, ehe er Papst Silvester wurde, mit einem weiblichen Buhlteufel Umgang gepflegt haben. Diese Meridiana (Mittagsfrau) soll ihm erschienen sein, nachdem er von seiner eigentlichen Liebe abgewiesen worden war, und habe ihm sowohl ihren Besitz als auch ihr magisches Wissen gegen dessen Treue angeboten. Gerbert sei darauf eingegangen und, so der recht zweifelhafte Bericht, stieg alsbald in hohe kirchliche Würden auf (DONOVAN, 136f.).
Auch soll Meridiana dem Silvester prophezeit haben, der Teufel werde ihn holen, wenn er zu Jerusalem die Messe lese. Silvester meinte, es handele sich um die Stadt und sagte seine geplante Pilgerreise dorthin ab, als er aber in Rom in der Jerusalemskirche die Messe zelebrierte, kam es wie angekündigt. Vor der entsetzten Gemeinde holte ihn der Teufel, er wurde verstümmelt und mit seinen herausgerissenen Augen spielten Dämonen in der Kirche Murmeln. Zur Sühne ließ sich der Papst Zunge und Hand abschneiden.
Silvester soll auch auf dem Marsfeld verschollene Schätze gefunden haben und sich mit einem bronzenem Kopf beraten haben (wie Odin mit Mimir, Silvesters Bronzekopf konnte entweder Ja oder Nein antworten, siehe auch Sprechender Kopf). Dem Teufel soll er sich wegen seiner Leidenschaft zum Würfelspiel verschrieben haben, sogar die Papstwürde habe er ihm zu verdanken.
Immer wenn der Tod eines Papstes naht, sollen Silvesters Gebeine rasseln (siehe Inschrift).
Außer Silvester, über den die Gerüchte erst etwa ein Jahrhundert nach seinem Tod so richtig blühten, sind noch manche Päpste der Zauberei verdächtig, Gregor XII. und Benedikt XIII. mußten sich 1409 persönlich auf dem Konzil von Pisa verantworten. Weitere sind Johannes XXI. und Benedikt XII.
Kardinal Beno behauptete in seiner Schrift Vita et Gesta Hildebrandi (verfaßt vor 1098), Hildebrand (Gregor VII.) habe von Benedikt IX. die Teufelskunst gelernt und der habe sie seinerseits von Silvester. (HABIGER-TUCZAY, 77)
Quellen, soweit nicht gesondert zitiert:
von Corvin, Pfaffenspiegel, 157
von Dollinger: Papstfabeln des Mittelalters, 146-149
HABIGER-TUCZAY: Magie und Magier im Mittelalter, 74-79