| Christentum - Heilige | ||
(Luzia, Kurzf. v. Lucina; zu lat. lux, Licht) Eine Märtyrerin, die Ende des dritten Jahrhunderts in Syrakus in Sizilien als Tochter aus wohlhabenden heidnischen Elternhaus gewesen sein sein soll. Besondere Verehrung genießt Lucia in Schweden, wo in der Vorweihnnachtszeit am Festtag der Heiligen (13. Dezember) als lichtergeschmückte Luciabraut geschmückte Mädchen Gaben verteilen.
Lucias Mutter wünschte, daß ihre Tochter einen jungen Heiden heirate. Lucia hatte aber ein Gelübde abgelegt, daß sie als Braut Christi jungfräulich bleibe. Als die Mutter schwer unter Blutungen litt gelang es Lucia, sie zu einer Wallfahrt zum Grab der Agatha nach Catania, Sizilien, zu überreden.
Tatsächlich genas die Mutter und gestattete dankbar der Lucia, auf Heirat zu verzichten. Ihren Reichtum verteilte sie unter den Armen. Weil ihrem Bewunderer besonders Lucias schöne Augen gefielen, schnitt die sich selbige selbst aus den Höhlen und ließ sie ihm auf einem Tablett zuschicken. Der versprochene Bräutigam war darob erbost und zeigte sie als Christin an, worauf man Luzia gefangensetzte, marterte und schließlich enthauptete, nachdem sie zahlreiche Qualen wundersam überlebt hatte (304). Es war nämlich nicht gelungen, sie aus ihrem Gefängnis, einem Tempel herauszuzerren, sie war gleichsam am Boden festgewachsen, so daß man ihr an Ort und Stelle einen Schwertstreich versetzte.
Nichtchristliche Interpretatoren sehen in Lucia die Göttin Juno Lucina, die Mutter des Lichts, die den Neugeborenen die Sehkraft schenkte. Vor diesem Hintergrund kann die gräßliche Geschichte von den ausgeschnittenen Augen gesehen werden. Daß Luzia nicht aus dem Tempel gezogen werden konnte mag so zu erklären sein, daß ihre Statue wegen des enormen Gewichts von christlichen Tempelstürmern in Stücke zerlegt abtransportiert wurde. Die Verteilung ihres Reichtums wäre dann als Plünderung der Stätte zu deuten. (WALKER, 627f.)
Als das Christentum Staatsreligion geworden war, errichtete man über der Grabstätte eine Kirche, der Verbleib ihrer sterblichen Überreste ist allerdings umstritten. Im Vinzenzkloster zu Metz sollen sich Reliquien der Heiligen befinden, auch SS. Geremia e Lucia in Venedig reklamiert die Echtheit der in einem gläsernen Schrein aufgebahrten, bekleideten Gebeine.
Um Lucia rankt reiches Brauchtum, sie gehörte zeitweise zu den meistverehrten Heiligen. Am Luzientag werden in Italien, Deutschland und Schweden, auch auf dem Balkan, mancherorts Lichterumzüge veranstaltet, in Schweden kennt man die Luzienbraut, eine Gestalt in langem weißem Gewand mit einem Kranz brennender Kerzen auf dem Kopf.
In Bayern und Deutschböhmen verschmilzt das Brauchtum um die hier Frau Lutz genannte Lucia mit dem der germanischen Göttin Berhta (GRIMM, I, 227).
In Rauen/Brandenburg heißt es, man dürfe am Lucientag nichts verborgen (KUHN u. SCHWARTZ, 458).
Dargestellt wird Luzia mit Palme, einer Schüssel, auf der zwei Augen abgebildet sind, Kerze oder Fackel, Buch, Dolch oder einem Schwert, das ihr im Halse steckt.
Patronate der Lucia sind die Blinden, kranke Kinder und reuige Dirnen. Sie schützt Bauern, Kutscher, Sattler, Weber, Schneider und Näherinnen sowie die Glaser und Messerschmiede; in England obendrein Schriftsteller, Dienerinnen, Hausierer und Anwälte. Sie hilft bei Krankheiten der Augen und des Halses, bei Infektionen, Ruhr und Blutung.
Über die Behandlung von Augenkrankheiten mit Hilfe der Lucia wird folgendes berichtet: Durch einen aus Rauten und rotem Band geflochtenen Kranz sollten die Leidenden dreimal spucken und dabei die Heilige um ihren Beistand bitten, so noch um 1890 in der Toscana (WALKER, 628).
Tag der Lucia im Kalender der Heiligen und Seligen ist der 13. Dezember.
Am Lucientag soll man nichts verborgen, sagte man in Rauen. (KUHN u. SCHWARTZ, 433)
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