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| Christentum - Heilige | |
(von lat. ursus, Bär) Sie soll eine bretonische Prinzessin gewesen sein, die im 5. Jahrhundert mit 11.000 Jungfrauen eine Pilgerfahrt nach Rom unternommen habe und auf dem Rückweg von Hunnen angegriffen und von römischen Generälen getötet worden sei.
Der König von England wollte die für ihre Schönheit und Weisheit berühmte Ursula mit seinem Sohn Ethereus verheiraten und schickte eine Gesandschaft zu ihrem Vater, Nothus (oder Maurus), die mit Versprechungen, Schmeicheleien und schweren Drohungen ihr Anliegen vortrugen. Ursula willigte unter der Bedingung ein, daß ihr zehn Jungfrauen beigestellt würden und jeder, sie eingeschlossen, 1000 weitere zugewiesen. Überdies sollen ihr 3 Jahre Frist gewährt werden, der englische Prinz sich taufen und weitere drei Jahre im Glauben sich unterweisen lassen. Der stimmte diesem Preis zu und Ursula strömten aus allen Ländern tausende von Jungfrauen zu, außerdem noch zahlreiche Männer zu ihrem Schutz, darunter die hl. Gerasina von Sizilien und Pantalus, der Bischof von Basel.
Auf der Reise, die zu Schiff unternommen wurde, erschien Ursula in Köln ein Engel, der ihr weissagte, daß sie auf dem Rückweg hier ihr Märtyrium erleiden würden. In Rom empfing sie Papst Cyriacus, dem ebenfalls ein Engel erschien und jenes Schicksal prophezeite. Darum verzichtete Cyriacus auf den Stuhl Petri und wurde deshalb später aus der Liste der Päpste gestrichen (er wäre der 19. gewesen).
Insgeheim planten die römischen Offiziere Maximus und Africanus einen Anschlag auf die Christen und sandten zum Hunnenvolk, daß die ihnen helfen würden. Unterdessen war auch Ethereus, dem englischen Prinzen, ein Engel erschienen. Auf dessen Weisung hin ließ er seine Mutter taufen und zog Ursula entgegen. In Köln trafen sie alle auf die Hunnen, welche alle töteten, bis allein Ursula übrig war. Betört von ihrer Schönheit wollte der Hunnenfürst sie heiraten, doch weigerte die sich und starb durch dessen Pfeil.
Diese Geschehnisse sollen sich 238 zugetragen haben, wegen historischer Widersprüche wird aber auch die Zeit des Sturms der Hunnen und Goten für wahrscheinlich gehalten, etwa in der Mitte des 5. Jahrhunderts während der Herrschaft des römischen Kaisers Marcianus.
Die Reliquien der Jungfrauen waren sehr begehrt. So erbat sich ein Abt von einer Kölner Äbtissin eine der Leichen. Er erhielt ihn und beließ ihn ein Jahr lang in einem hölzernem Sarg auf dem Altar, obwohl er einen silbernen Schrein versprochen hatte. Eines Nachts entstieg die tote Jungfrau dem Sarg und verließ die Kirche vorbei an den entsetzten Mönchen. Später fand sie sich an ihrem ursprünglichen Begräbnisplatz wieder.
Einem Mönch erschien einmal eine der schönen Jungfrauen und versprach ihm, der schwer erkrankt war, in der Stunde des Todes ihre Hilfe, wenn er 11000 Gebete zu ehren der Jungfrauen spreche. Schnell betete der Mönch das verlangte, ließ sich vom Abt die Letzte Ölung geben und verschied.
Diese Darstellung folgt Jacobus DE VORAGINE, Legenda Aurea, 4. Aufl. 1997, 357ff.
Daß Ursula wirklich von 11.000 Jungfrauen begleitet wurde, wird bezweifelt, es seien nur elf gewesen und die hohe Zahl beruhe auf einem Lesefehler. Wie auch immer, in Köln errichtete man die Kirche St. Ursula, in der ein Sarkophag und ein Schrein an die Heilige erinnern. Der Kult verbreitete sich rasch, so daß an vielen Orten der Welt Ursula-Kirchen erbaut wurden. Auch einige ihrer Gefährtinnen werden verehrt, der Festtag der Ursula und der 11.000 Jungfrauen ist der 21. Oktober (Schauber und Schindler, 328).
Das Grab der hl. Ursula soll Kölns Bischof Kunibert (gest. 663) wiedergefunden haben. Laut Legende war ihm dabei eine Taube behilflich.
Ursula und ihre Jungfrauen sollen unterwegs auch nach Helgoland gekommen sein. Hier mußten sie vor den Einwohnern ins Meer fliehen, doch wundersam bildeten sich in der See unter ihren Füßen Felsen, die hernach als Jungfernstuhl zu sehen waren (Ludwig Bechstein, Der Jungfernstuhl und der Mönch auf Helgoland, in: Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1853.
Dargestellt wird Ursula als Fürstin, ihre Gefährtinnen unter ihrem Mantel schirmend. Weitere Attribute sind Krone, Palme, Schiff, Taube, Pfeil und Kreuzbanner. Sie ist Patronin von Köln, der Universitäten von Paris und Coimbra, der Jugend, der Tuchhändler, sie sorgt für gute Heirat und Ehe, Gesundung kranker Kinder und guten Tod.
Die Sachsen verehrten eine Göttin Ursel (auch Horsel). Diese Bären- und Mondgöttin, eine Entsprechung der griechischen Artemis, sei das Vorbild für die hl. Ursula gewesen und man stellte sie sich als Mond vor, deren zahlreiche Kinder, die Sterne, den 11.000 Jungfrauen entsprächen. Auch der Ursulinen-Orden, 1506 von Angela Merici begründet, weise in diese Richtung, da die Ordensgründerin nicht nur aus Brescia stammte, einer Hochburg des Hexenwesens, sondern ihre Vision überdies bei Mondschein erlebt habe. Auch hätten zunächst 28 Schwestern dem Orden angehört, die Anzahl der Tage des Mondzyklus. Überdies seien die ersten Gottesdienste in einer der hl. Afra geweihten Kirche abgehalten worden. Diese Afra sei eine christianisierte Version der Göttin Aphrodite (WALKER, 1118ff.).
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