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Allesandro Graf von Cagliostro

(geb. 8. Juni 1743 in Palermo, gest. 26. August 1795 im Gefängnis von San Leone bei Urbino, eigtl. Guiseppe Balsamo) Ein italienischer Abenteuer, Alchimist, Kabbalist, Wunderdoktor und dadurch einer der berühmtesten Okkultisten des achtzehnten Jahrhunderts.

Cagliostro, der in ärmlichen Verhältnissen in Palermo (Sizilien) aufgewachsen war und zunächst als Apothekergehilfe arbeitete, ist ein Beispiel für soziales Aufsteigertum im achtzehnten Jahrhundert. Er vertrieb allerlei Wundermittel, darunter Liebestränke, stellte Horoskope und hatte den Ruf, das „Elixier” zu besitzen, welches ewige Jugend verleihe, zudem hieß es von ihm, er könne aus einer Kristallkugel weissagen. Damit reiste er quer durch Europa und erwarb sich ein Vermögen, so daß er sich in Paris niederlassen konnte, wo hochgestellte Persönlichkeiten zu seiner Kundschaft zählten. Dem tat auch keinen Abbruch, daß Cagliostro zu der Zeit schon mehrere Verfahren wegen des Vorwurfs der Betrügerei hinter sich hatte.

Cagliostro behauptete, in London eine Handschrift erhalten zu haben, auf welcher er ein „ägyptisches System” der Freimaurerei aufbaute. Dieses System wies Anklänge an den okkultistischen Ritus des französischen Kabbalisten Martines de Pasqually auf (gest. 1774, „Elus Coëns”). So erhielt er Verbindungen zu Illuminaten, Philaleten, Swedenborgianern usw.

Aber auch Paris war für Cagliostro kein dauernder Aufenthaltsort.
Denn er war neben Kardinal Prinz Rohan an der 1785/1786 den französischen Hof erschütternden Halsbandaffäre beteiligt. Königin Marie Antoinette wurde beschuldigt versucht zu haben, durch eine Liebschaft mit Kardinal Rohan ein kostbares Diamantenkollier zu erlangen. Die Halsbandaffäre traf das französische Königshaus in jenen vorrevolutionären Jahren zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt, denn das Ansehen der Dynastie war durch die Affäre schwer beschädigt worden.

Von Ludwig XVI. verbannt mußte Cagliostro Frankreich verlassen und ging nach Italien, wo er in der Pizza Farnese in Rom seiner Tätigkeit als Magier, Alchimist und Okkultist, Kritiker meinen: als Gaukler und Scharlatan, nachging. Vielleicht hätte er besser sein unstetes Wanderererleben weiterpflegen sollen, denn seine eigene Ehefrau zeigte Cagliostro bei der Inquisition an und er wanderte 1789 ins Gefängnis.

Cagliostro wurde der Zauberei und Freimaurerei bezichtigt und wegen Ketzerei zum Tode verurteilt, doch wurde die Strafe in lebenslange Kerkerhaft umgewandelt. Nachdem er schon fünf Jahre in der norditalienschen Festung San Leone (bzw. San Leo) abgesessen hatte, kam er zu Tode. Ursache soll je nach Überlieferung ein Wächter gewesen sein, der ihn erdrosselt hatte oder er starb an den Folgen der Syphilis.

Der britische Dichter Thomas Carlyle verlieh Cagliostro den wenig schmeichelhaften Titel „König der Lügner”. Cagliostro wurde zum Vorbild mehrerer literarischer Werke, darunter Friedrich Schiller, „Der Geisterseher” (1789), J. W. Goethe, „Der Großkophta” (1794), A. N. Tolstoi „Der Zauberlehrling” (1921) u. a.
Ein bekanntes Portrait Cagliostros stammt von Paul Christian.

 

„Im vergangenen Jahrhundert”, schrieb Eliphas Lévi 1855, „wurde viel von einem Manne gesprochen, den man des Scharlatanismus zieh und der zu Lebzeiten doch der göttliche Cagliostro hieß. Es ist bekannt, daß er sich mit Beschwörungen befaßte und in dieser Kunst höchstens durch den Erleuchteten Schroepffer übertroffen wurde. (...) Cagliostro rühmte sich, Sympathien verknüpfen zu können und das Geheimnis des großen Werkes zu besitzen. Noch berühmter aber machte ihn ein gewisses Lebenselixier, welches Greisen augenblicklich Jugendkraft verlieh. Dieser Trank bestand in der Hauptsache aus Malvasier mit Beimischungen des durch Destillation gewonnenen Sperma gewisser Tiere und dem Saft einiger Pflanzen. Wir haben das Rezept, aber man wird gewiß verstehen, warum wir es hier nicht wiedergeben.” (Transzendentale Magie, 217)

 

Quellen:
Die Darstellung folgt im Wesentlichen BIEDERMANN, 100 u. PICKERING, 51.