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Gérard Encausse alias Papus

(1865 bis 1916) Ein nach Angabe von Dr. Philippe Encausse aus La Coruna in Spanien als Sohn eines französischen Vaters und einer aus Valladolid/Spanien stammenden Mutter als Gérard Anaclet-Vincent Encausse geborener Arzt, Okkultist und Esoteriker.
Er war Leiter des von Stanislas de Guaïta um 1884 gegründeten Martinisten-Ordens und verfaßte eine Reihe okkultistischer Werke.

In seinen „bekanntesten, im heutigen Sinne oft kurios wirkenden Büchern spiegeln sich alle Eigenschaften des neueren französischen Okkultismus deutlich wieder: Belesenheit, das Suchen nach Gefühlstiefe, unkritische Grundhaltung, Synkretismus.” (BIEDERMANN, 336)

Papus reiste mehrmals nach Rußland und begründete in Petersburg eine Loge der Martinisten, der auch der Zar angehörte.

Alte archetypische Erfahrungen sollen über Generationen hinweg weitererzählt worden sein, ehe sie in den Tarotkarten Ausdruck fanden. Eine Zusammenfassung dieser Lehren war nach Überzeugung des Papus das Tarot.

1889 gab Papus das Buch Le Tarot de Bohéme („Tarot der Zigeuner”) heraus, in dem er die im gleichen Jahr erschienen Karten von Stanislas de Guaïta und Oswald Wirth abbildete (Oswald-Wirth-Tarot).

Papus ordnete die vier Buchstaben des hebräischen Gottesnamens den vier Kartenfarben des Tarot zu.

Arthur Edward Waite, der sich nicht immer wohlwollend über die Arbeit seiner Fachkollegen äußerte, bemerkte: „In seinem Tarot of the Bohemians entwarf Dr. Papus ein einzigartiges, sorgfältig ausgearbeitetes System der Haupttrümpfe; es ist ein von Eifer und Enthusiasmus erfülltes Werk, und er ersparte sich keine Anstrengung des Denkens und der Nachforschung innerhalb der gesetzten Richtlinien, doch unglücklicherweise entbehrt es der wahren Einsicht.” (Bilderschlüssel zum Tarot, 43) Ähnliches hatte zuvor MacGregor Mathers unternommen, der aber, so die Einschätzung Waites, nicht über einen moralisierenden Sinnspruch hinauskam (ebd.), während Papus Beziehungen der göttlichen Welt, Makrokosmos und Mikrokosmos, einbezog und so eine sprituelle Geschichte der Menschheit erhielt. (ebd.)

1889 erklärte Papus: „Es ist ein Charakteristikum beim Studium wahrer okkulter Wissenschaft, daß sie allen Menschen frei zugänglich sein soll. Wie die Parabeln, die doch unseren Vorfahren so teuer waren, erscheint sie vielen nur als Ausdruck eines Höhenflugs der Phantasie: wir brauchen daher niemals zu befürchten, zu offen zu sprechen; unsere Worte werden nur die erreichen, die von ihnen berührt werden sollen.” (zit. n. WANG, 20)

Papus „wird vielfach als Lehrer des Eliphas Lévi bezeichnet, obwohl dieser im Todesjahr von Papus erst 10 Jahre alt war (Miers 1976, 309)”, n. BIEDERMANN, 336

 

„[Stanislas de] Guaita soll lebendig begraben worden sein. Man erzählt, er habe sich in seinem Lothringer Schloß Alteville bewußt entdoppelt und Papus (Dr. med. Gérard Vincent Anaclet Encausse; 1865—1916) wollte ihn verabredungsgemäß wieder zu sich zurückbringen. Papus verspätete sich, die Familie fand unterdessen den katateptischen Körper und nahm Tod an (Anne Osmont).” (SCHRÖDTER, 69)

 

Veröffentlichungen (Auswahl)

Le Tarot des Behémiens — Le Plus Ancien Livre du Monde. Paris, 1889. (Neuauflage 1911)

Die Wissenschaft der Magier, 1896

Die Kabbala, 1916

Der Gedanke, sein Mechanismus und seine Betätigung, 1921

Die Grundlage der okkulten Wissenschaft, 1926