(Petrus von Amiens) Ein Pilgerführer zu Beginn des ersten Kreuzzuges ins Heilige Land, den man auch Peter der Eremit oder Kukupeter nannte.
Peter von Amiens soll von wenig ansprechendem Äußeren gewesen sein, aber enormes Charisma besessen haben. Er führte einen Teil der zumeist undisziplinierten, nicht soldatisch gedrillten Menschenmassen auf dem Landweg über Bulgarien ins Heilige Land, welche dem Aufruf Papst Urbans II. gefolgt waren, die heiligen Stätten aus den Händen der Ungläubigen zu befreien. Die Verehrung seiner Gefolgschaft soll so weit gegangen sein, daß die sogar die Haare seines Esels abschnitten und als Reliquie verwahrten. (HAUF, 22f.)
Das soll aber nicht alles gewesen sein.
Laut Gérard de Sède gehörte Peter von Amiens zu einer Gruppe von Mönchen aus Kalabrien, die schon 1070, zweieinhalb Jahrzehnte vor Beginn des ersten Kreuzzuges, in den südlichen Ardennen aufgetaucht war (das Gebiet gehörte zu den Besitzungen Gottfrieds von Bouillon), der Anführer dieser Gruppe habe Ursus geheißen (lat., Bär). Nach ihrer Ankunft erlangten die Mönche die Förderung der Markgräfin Mathilde von Tuszien, einer Tante Gottfrieds, und erhielten von ihr ein Stück Land, auch wurde eine Abtei für sie errichtet. Schon 1100 waren die Mönche wieder verschwunden, sie sollen nach Kalabrien zurückgekehrt sein, die Abtei wurde 1132 ein Tochterkloster von Clairvaux.
Peter von Amiens, der nach einer umstrittenen These Erzieher Gottfrieds von Bouillon gewesen sein soll (ebenso ungesichert ist seine Zugehörigkeit zu den kalabrischen Mönchen) unterstützte predigend Urbans II. Kreuzzug und wurde weithin bekannt.
LINCOLN, BAIGENT und LEIGH spekulierten, Peter von Amiens habe Gottfried von Bouillon zu einem Aufbruch ins Heilige Land überzeugen können und habe nach der Einnahme Jerusalems zu den Männern gehört, welche Gottfried von Bouillon zum König von Jerusalem wählten (Wilhelm von Tyrus habe einen von denen, und zwar den bedeutendsten, als einen Bischof aus Kalabrien bezeichnet). Die Autoren lassen das aber als bloße Möglichkeit im Raum stehen, auch wenn ihre Hauptthese ist, Gottfried von Bouillon sei ein Nachfahre der Merowinger, diese wiederum gingen auf Jesus Christus zurück, der seinerseits von König David von Jerusalem abstammte. Gottfried von Bouillon sei mithin rechtmäßiger Thronerbe Jerusalems gewesen. Siehe auch Tafurs. (Der Heilige Gral und seine Erben, 104-107)