(eigtl. Tyge Brahe, geb. 14. Dezember 1546 in Knudstrup, Schonen, gest. 24. Oktober 1601 in Prag) Ein dänischer Astronom und Astrologe sowie Alchimist.
Tycho Brahe entstammte einer dänischen Adelsfamilie. Ab 1562 studierte er in Leipzig die Rechte. Sein eigentliches Interesse galt jedoch der Astronomie. 1565 erbaute er mit Hilfe eines Onkels eine erste Sternwarte.
Weil Tycho Brahe unstandesgemäß ein Bauernmädchen geheiratet hatte, ging seine Familie dann aber auf Distanz zu ihm.
Mit Unterstützung König Friedrichs II. von Dänemark (1534 bis 1588) baute Tycho Brahe um 1567 auf der Insel Hveen (Ven) im Sund die Sternwarten Uranieborg (Uranienburg) und Stjerneborg. Während zweier Jahrzehnte beobachtete er von dieser Sternwarte aus, sie war mit den seinerzeit genauesten Instrumenten ausgestattet, Fixsterne und Planeten und erarbeitete einen Sternenkatalog. 1572 entdeckte er im Sternbild Kassiopeia einen neuen Stern, von dem er in der Schrift De nova stella berichtete, durch die er berühmt wurde.
Nachdem sein Gönner Friedrich II. verstorben war und die dänische Krone ihm keine weitere Unterstützung mehr gewährte ging Tycho Brahe 1597 nach Wandsbek, 1599 auf Ruf Kaiser Rudolphs II. als Hofastrologe an den kaiserlichen Hof in Prag, konnte die kaiserliche Gunst aber nicht sehr lange nutzen, da er 1601 verstarb.
Wie auch sein Gehilfe Johannes Kepler gehörte zu Tycho Brahes Aufgabenbereich am kaiserlichen Hof die Erstellung zahlreicher Horoskope, da der mißtrauische Kaiser niemanden ohne Kenntnis von dessen Sternen empfing.
Nach Brahes Tod wurde Johannes Kepler sein Nachfolger als Hofastrologe sowie Hofmathematiker. Kepler war es, der aus den Planetenbeobachtungen Tycho Brahes die Gesetze der Planetenbewegung entdeckte. Er wurde auch zum Herausgeber des 1602 bis 1603 in zwei Bänden erschienen Hauptwerkes Tycho Braghes, Astronomiae instauratae progymnastae, worin Brahe 777 Fixsterne beschrieb, dazu den von ihm untersuchten Kometen von 1577.
1572 hatte Tycho Brahe bereits eine Supernova beobachtet, wie seinen Aufzeichnungen zu entnehmen ist.
Brahe selbst lehnte das heliozentrische Weltbild ab und favorisierte demgegenüber das nach ihm so genannte Tychonische Weltsystem. Bei diesem System ist die Erde feststehend, um sie bewegen sich Sonne und Mond. Die Sonne wird ihrerseits von den Planeten umkreist. Das Tychonische Weltsystem war ein Kompromiß zwischen dem geozentrischen Weltbild der Antike und dem heliozentrischen Weltbild des Kopernikus, das sich seinerzeit erst durchsetzen mußte.
Tycho Brahe hielt sich einen Blödsinnigen namens Lep, der die Gabe des zweiten Gesichts besessen haben soll und den die Leute bei Krankheiten um Rat baten. Tycho Brahe selbst handelte sich bei der Ärzteschaft Ärger ein, indem er spagyrische Arzneikuren kostenlos abgab. (KIESEWETTER, 116)
Dem Kaiser hatte Tycho Brahe bedeutet, Rudolph II. und dessen Lieblingslöwe ständen unter gleicher Konstellation. Als das Tier am 16. Januar 1612 starb, sah auch der Kaiser sein Ende nahen und tatsächlich schloß Rudolph II. am Morgen des 20. Januar 1612 für immer die Augen. (KIESEWETTER, 94)